13.09.2026
3. Spieltag Bundesliga
SV Elversberg - FC Bayern München
Waldstadion an der Kaiserlinde
Endergebnis: 1:2 (0:1)
Zuschauer: 9.307 (1.500 Gäste)
Ticket: Dauerkarte
Früher als erwartet bescherten uns die Spieltagsplaner das wohl größtmögliche Fußballfest, das aktuell im deutschen Oberhaus möglich ist. Das Heimspiel gegen den FC Bayern München auf der Baustelle an der Kaiserlinde. Ein früheres Traumlos im Pokal – Heute jedoch eine „ganz normale“ Begegnung in der Liga. Utopisch, egal wie oft ich mir diesen unumstößlichen Fakt auch nur durch den Kopf gehen lasse. „Jahrelang durch Dörfer der 4. Liga – Heute gegen Meister und Pokalsieger“, so das passende Choreo-Motto im Block C, das in großen Zeitungslettern am vorderen Zaun prangte. Dahinter eine Blockfahne mit Szenen aus der Regio-Südwest-Zeit: Der Zaunsturm beim umjubelten Ausgleich in Völklingen, das damalige Panorama der Kaiserlinde in Richtung Wald sowie verdiente Kicker rund um Koffi, die mit ihrer Leistung einen der Grundsteine für den derzeitigen sportlichen Höhenflug legten.
Neben der Blockfahne erfüllten zahlreiche große und kleine Fähnchen die Seiten des Block C. Beide dichter gefüllt als damals die Mitte der Kurve. Ein paar Konfetti-Shooter ergänzten das leichte Chaos-Bild, das insgesamt, je nach Winkel, recht stimmig zur Geltung kam. Eine schöne Hommage an diese Zeiten an einem Sonntagabend, der wieder mal in die Elversberger Geschichtsbücher eingehen sollte. Zum ersten Mal gastierte die erste Garde des FCB an der Linde, zum ersten Mal durften die Weltstars der Münchner in den Genuss der Elversberger Bergluft kommen. Keine Frage: Die Bude war heiß und hätte wahrscheinlich auch fünf Mal ausverkauft sein können.
Top aufgelegt war natürlich Block C, der nach der erfolgreichen Choreo direkt mit einer starken Lautstärke in die Partie startete. Anfänglich noch stark spielbezogen, später geprägt durch lange gehaltene Lieder, war der Auftritt erneut absolut ordentlich. Vielleicht einen Ticken schwächer als gegen Leverkusen, allerdings fehlten vor allem im ersten Durchgang für die Glanzmomente auf den Rängen die entsprechenden Szenen auf dem Rasen. Dennoch: Klatsch- und Sprungeinlagen zogen ordentlich und Schwächephasen suchte man durchweg vergebens.

Gespannt war ich auch auf den Anhang der Roten, bekam ich diesen am heutigen Tag tatsächlich zum ersten Mal vor die Linse. Bei einer bald vierstelligen Anzahl besuchter Partien schon verwunderlich, doch irgendwie bot sich ein Spielbesuch unter Beteiligung der Bayern nie an. Scheitert eh meistens an der Kartenfrage und besonderes Interesse empfand ich für den Rekordmeister ehrlicherweise noch nie. Bekannt waren die zahlreichen Gruppenfetzen sowie einige historische Teile von Nationalmannschafts-Fahrern natürlich dennoch.
Hinter dem dicht behangenen Zaun machte auch der weitere optische Tifo im Gästeblock gut was her, wenngleich die unterschiedlichen Rottöne der Ultragruppen den Mob nicht wirklich einheitlich erscheinen ließen. Da steht der knallrote Mob neben bordeauxfarbenen Jacken, daneben ein Haufen weißer T-Shirts… Durchmischt sähe es sicherlich bisschen stimmiger aus als wenn jeder Haufen sich so offensichtlich optisch abgrenzt. Im akustischen Support waren dann aber wieder alle vereint, die Mitmachquote dabei durchgängig im Bereich des Maximums.
Vor allem die Klatsch- und Sprungeinlagen machten auch hier einen äußerst geschlossenen Eindruck, während die Lieder auf der Gegenseite hingegen kaum zu vernehmen waren. Ja, auch für den Anhang des FC Bayern ist so eine Auswärtspartie in Elversberg sicherlich nicht mit einem Derby oder Champions-League-Spiel gleichzusetzen und die Motivation, in jeder Sekunde das Maximum aus den Stimmbändern rauszukratzen, wahrscheinlich nicht sonderlich gegeben. Grundsolide wäre wohl der Stempel, den ich dem Gästeblock am heutigen Mittag aufdrücken würde. Man hat eben schon deutlich Besseres an gleicher Stelle gesehen, aber auch einige schlechtere Auftritte.

Mit gespannter Vorfreude blickte ich zudem auf das Geschehen auf dem Rasen. Immer im Hinterkopf die Tatsache, dass im Oberhaus wohl auch ein eigener Negativrekord aufgestellt werden könnte, musste ich mit der SVE in nun beinahe zwei Jahrzehnten keine größere Niederlage als ein 0:5 (das aber schon äußerst häufig) miterleben. Ob da ausgerechnet am dritten Spieltag wieder ein Rekord wackelt? Nein, und das war früh klar. Die Jungs im schwarz-weißen Dress hielten nicht nur bockstark dagegen, sondern erspielten sich auch einige Chancen gegen das Starensemble des Rekordmeisters. Der erste Treffer fiel am Ende dennoch verdient für den Roten, wobei sich der 1,50 Meter hohe Fruchtzwerg mit seinem provozierenden Jubel direkt vor der Elversberger Kurve nicht wirklich viele Freunde machte. Relativierende Aussagen nach dem Spiel hin oder her: Etwas weniger Selbstdarstellung und etwas mehr Freude mit dem eigenen Anhang, für den man immerhin netzen sollte, würde vielen Fußballern im Oberhaus deutlich besser stehen.
Die SVE steckte den Rückstand allerdings gekonnt weg. Wurde ein Treffer vor der Pause noch wegen Abseits aberkannt (wofür sich der Frankfurter Keller mal eben fünf Minuten nahm), war es erneut Krattenmacher, der im zweiten Durchgang mit einem schönen Schlenzer direkt in den Winkel die Linde beben ließ. Endlose Momente des Glücks und der Freude, Minuten des Bangens und des Träumens über ein Erfolgserlebnis in diesem Spiel. Und dann haut eben Harry Kane die Kugel beim Hinfallen in die Maschen. Bitter, aber bei all den Großchancen der Gäste absolut nicht unverdient. Kristof samt Abwehr entschärften gegen Ende etliche weitere Großchancen, ehe der finale Pfiff die historisch erste Elversberger Niederlage im Oberhaus zementierte.
Gibt sicherlich Schlimmeres, als in der Liga knapp gegen den FC Bayern zu verlieren. Entsprechend quittierte auch der Elversberger Anhang die Leistung seiner Akteure mit lautem Beifall und aufmunternden Worten, zumal der Start in die Liga weiterhin weit über dem erwartbaren Maximum in Sachen Punkteausbeute liegt. Nächste Woche geht es nun zum Mitaufsteiger auf Schalke. Wieder Sonntag, gleiche Uhrzeit. Beschissen für ein Auswärtsspiel, aber ändern kann man es sowieso nicht. Immer weiter – Forza SVE!




























