05.09.2026
2. Spieltag Bundesliga
VfL Borussia Mönchengladbach - SV Elversberg
Borussia-Park
Endergebnis: 3:4 (2:1)
Zuschauer: 51.042 (2.200 Gäste)
Ticket: 18,71€
Viele Jahre des aktuellen Jahrtausends lag das Saarland in sportlicher Hinsicht komplett brach. Die Regionalliga war das höchste der Gefühle und bundesweite Schlagzeilen erregten die Clubs höchstens durch Überraschungen im Pokal. Die Zuschauerzahlen dümpelten ebenso im Nirgendwo, sodass es den ein oder anderen mit Lust auf den großen Fußball dann doch an andere Orte zog. Neben der nächstlogischen Konsequenz namens Lautern ist und war es aber auch das Rheinland, das saarländische Fußballfans in seinen Bann zog. Und in dem dortigen Dickicht verschiedener Vereine vor allem die Borussia aus Mönchengladbach. Eine großartige Vergangenheit, der ein oder andere bekannte Akteur mit saarländischen Wurzeln und die nicht allzu weite Distanz waren sicherlich Gründe für das Aufblühen etlicher Fanclubs an der Saar.
Und ja, auch meine Wenigkeit hielt es zu Schulzeiten für ein paar Jahre mit der Raute als so etwas wie die zweite Liebe neben den eigenen Farben direkt vor der Haustür, bei denen zu damaligen Regio-West-Zeiten gelinde gesagt auch einfach gar nix los war. Ein Auswärtsspiel auf dem Betze fixte mich trotz Niederlage damals an, während die guten Zeiten rund um Marco Reus und Patrick Herrmann mal vorm TV, mal am Niederrhein miterlebt wurden. Den Bökelberg bekam ich mit eigenen Augen zwar nie zu Gesicht, aber auch die damalige Euphorie im Borussia-Park war schlichtweg Wahnsinn. Ein schlafender Riese, dem zu Beginn der 2010er Jahre wieder Leben eingehaucht wurde.
Nun zeigt der Kalender die Jahreszahl 2026. Gladbach kickt weiterhin in der Bundesliga und wir fahren zum ersten Mal seit fast 10 Jahren wieder in Richtung des Borussia-Parks. Allerdings nicht wegen der Raute und auch nicht zum Hoppen – sondern für ein Auswärtsspiel der SV Elversberg. Das allererste der Vereinsgeschichte. Und es sollte mal wieder ein Nachmittag für die Geschichtsbücher werden. Nach der erneut recht staubelasteten Anreise gen Westen enterten wir zum allerersten Mal den Gästeblock des Stadions, erfreuten uns an der schmackhaften Auswahl in Sachen Verpflegung (top Schnitzelbrötchen!) und fieberten dem Anpfiff entgegen. Um uns herum gut 2.200 Schwarz-Weiße, die die Strecke auf sich genommen haben. Zahlentechnisch für Elversberger Verhältnisse absolut stark, wenngleich ich im Vorfeld dann doch auf ein paar mehr Leute gehofft hatte. Aber die Saison ist lang und da so gut wie alle Westvereine in der Hinrunde auswärts bespielt werden, dürfte die eine oder andere Rosine gepickt worden sein.

Die Nordkurve eröffnete derweil den Nachmittag mit einem Chaosintro unter dem Motto „Endlich wieder in der Kurve steh’n – unsere geliebte Borussia seh’n“. Konfetti-Shooter, unzählige Fahnen sowie etwas Rauch erfüllten dabei sowohl Ober- als auch Unterrang und gaben ein hervorragendes Bild zum ersten Heimspiel ab. Auch der anschließende Spielsupport wurde immer wieder von vereinzelten Fackeln untermalt, während insbesondere der Unterrang der Nordkurve einen quantitativ starken Haufen mobilisieren konnte. Viel Bewegung sowie eine hohe Beteiligung bei Klatsch- und Sprungeinlagen konnten wir durchweg beobachten.
Und doch war der Auftritt mitnichten mit meiner Erinnerung an früher vergleichbar. Vor allem die Bereiche außerhalb des aktiven Kerns, ganz gleich, ob im Oberrang der Nord, auf der Süd oder an den Seiten, wirkten durchweg träge und gesättigt. Kein lautstarker Gesangsorkan, der durch die Bude fegte, und keine ausdauernden Wechselgesänge. Ja, der Supportstil hat sich auch hier in der letzten Dekade verändert und während Gladbach derzeit auswärts mit zum besten und lautesten zählen mag, was die Bundesliga zu bieten hat, so vermisste ich den brodelnden Borussia-Park aus alten Zeiten. Ganz subjektiv hat mir Duisburg auswärts vor zwei Wochen besser gefallen. Da hielt es keinen auf den Sitzen, jeder Zweikampf wurde bejubelt wie ein Tor und die Gassenhauer oftmals vom gesamten Stadion getragen. Aber ja, anderes Spiel, andere Erwartungshaltung und andere sportliche Gesamtsituation mit Blick auf die vergangenen Jahre.
Im Gästeblock dagegen Partystimmung, wie könnte es auch anders sein. Trotz Rückständen waren Beteiligung und Lautstärke des schwarz-weißen Anhangs verhältnismäßig Bombe. Vor allem die Wechselgesänge und Gassenhauer des stark spielbezogenen Supports an diesem Nachmittag nahmen beinahe die gesamte Masse des Gästeblocks mit. Hut ab, starker Auftritt! Ein Satz, der mit Blick auf die sportliche Leistung der eigenen Mannen diesen kaum würdig erscheint.

Halbgötter im schwarz-weißen Gewand trifft es da schon eher. Da liegst du auswärts in Gladbach verdientermaßen 3:1 hinten, Fehlentscheidung rund um das zweite Tor samt gelb-rot für Coach Wagner hin oder her, und rechnest mit einer ersten Erdung des Hypes. Und dann kommen die jungen wilden rund um Krattenmacher und Futkeu rein und drehen das Ding zu einem 3:4. Unfassbar und einfach unglaublich. Ich wage mal zu behaupten, dass ich insgesamt im Fußball schon viel erlebt habe. Ganz gleich, ob mit meinem eigenen Verein oder auch anderswo. Aber ein derartiger Sieg des Willens, auswärts durch den Underdog, ist nicht nur selten, sondern auch absolut schön.
Alleine die letzten 20 Minuten ließen dem eigenen Körper keine Chance, die aufgebauten Endorphine auch nur irgendwie abzubauen. Der reingestolperte Anschluss, der direkte Freistoß durch Keidel. Dann das Zuspiel von Futkeu auf Krattenmacher, der ins lange Eck veredelte. Dann der Schlusspfiff, der alles zementierte. Zweiter Sieg im zweiten Spiel. Sechs Punkte zum Start. Ja, wer hätte das auch nur ansatzweise für möglich gehalten? Leidenschaftlicher Jubel schwappte durch den Gästeblock, der das Ergebnis ausufernd mit der eigenen Mannschaft feierte. Ein unbeschreibliches Gefühl! Und jetzt die Bayern, nächsten Sonntag an der heimischen Kaiserlinde. Das Leben könnte gerade kaum schöner sein!







































