16.08.2026
Community Shield
Arsenal FC - Manchester City FC
Millennium Stadium
Endergebnis: 3:0 (2:0)
Zuschauer: 58.056 (32.742/19.948)
Ticket: 45£ (~53€)
Eine Schlagzeile, so unscheinbar sie auch sein mochte, beeinflusste bereits im Frühjahr die Planungen rund um das letzte Wochenende vor dem Saisonstart. Der Sänger The Weeknd buchte sich Mitte August kurzerhand für 5 Shows ins Wembley Stadium ein und verbannte somit die 104. Austragung des Community Shield an einen anderen Ort. Wohin? Nach Cardiff ins Millennium Stadium. Mehrere Minuten ratterten meine Gehirnwindungen, ehe diese Information so richtig verarbeitet wurde. Ins Millennium Stadium? Der gigantischen Heimat des walisischen Rugby, das seltener für Fußball genutzt wird, als man Zeuge einer Sonnenfinsternis werden kann? Keine Frage, dort eine Partie zu sehen sollte uns einen Versuch wert sein.
Doch erst zwei Wochen vor der Partie klärten wir die Ticketfrage erfolgreich, blieb doch jedes Warten auf einen freien Verkauf ohne Erfolg. Ohne Mitgliedschaft und/oder Tickethistorie rückte weder Arsenal noch Manchester City als teilnehmende Clubs eine Eintrittsermächtigung raus. Somit musste es eben ein über Umwege kennengelerntes Mitglied der Skyblues richten. Danke nochmal an der Stelle für die Hilfe!
Start war schließlich, an unserem verlängerten Wochenende auf der Insel, der Sonntagmorgen, an dem wir recht früh aus Southampton losfuhren. Gute zweieinhalb Stunden veranschlagte das Navi bis nach Cardiff, eine Stunde aufgrund von Staus und Umwegen gab es extra oben drauf. So kamen wir zumindest in den Genuss der Erkundung der absolut nicht malerischen Hafenanlagen der Großstadt an der Südküste von Wales, deren Staubwolken die umliegenden Landschaften und Straßen in sandfarbene Töne tauchten. Mit noch etwas Zeitpuffer auf der Uhr erreichten wir schließlich das auserkorene Parkhaus unweit des innerstädtischen Hauptbahnhofs, bogen per Pedes gen Zentrum ab – und standen plötzlich inmitten von zehntausenden von Menschen, die die Straßen bevölkerten.

Jede Straße und jeder kleine Weg war belagert von Fans der beiden Teams, wobei sich bereits früh abzeichnete, dass das Rot des amtierenden Meisters deutlich in der Überzahl präsent war. Hier und da ertönten bereits die üblichen Chants, vor den Kneipen wurde gut gepöbelt und die Bobbys patrouillierten engmaschig durch die Gassen. So nicht erwartet und absolut geil! Etwas Zeit blieb noch für einen Happen zwischen die Kiefer, ehe wir schließlich den Spielort ansteuerten. Von fast jedem Punkt der Stadt ist zumindest die Dachkonstruktion des massiven Millennium Stadium sichtbar, quasi alle Wege führen zur im Mittelpunkt der Stadt gelegenen Bude. Und die überragt in unmittelbarer Nachbarschaft so ziemlich alles.
Äußerst organisiert und ohne große Wartezeiten schoben sich die Massen durch die Kontrollen an den Eingängen, sodass auch wir recht zügig den Oberrang im Osten erreichten und uns unter den himmelblauen Anhang mischten. Nach einiger Zeit im stimmungsvollen Umlauf ging es schließlich zu unseren Plätzen auf dem dritten Rang in Höhe der Mittellinie. Und da wurde es uns so langsam bewusst: Wir sind hier. Und sie liegt uns wortwörtlich zu Füßen, diese gigantische Bude. Fast 74.000 Plätze fasst der All-Seater, der, bis auf die Nordtribüne, ringsherum mit drei Rängen ausgestattet wurde.
Eine schlichtweg gigantische Schüssel, die allerdings hauptsächlich für Rugby und Konzerte genutzt wird. Das letzte Fußballspiel zweier Clubs datiert aus dem Jahr 2017, als hier das Championsleague Finale ausgetragen wurde, während selbst die walisische Nationalelf den großen Kasten seit 2009 nur zwei Mal nutzte: 2011 gegen England und 2018 gegen Spanien. Ein Einhorn also, das zur eigenen Überraschung heute nicht ausverkauft vermeldete. Ja, die Pufferzonen zwischen den Fanbereichen waren recht groß, doch auch sonst zierten überall leere Sitzplätze die Ränge. Warum hier dennoch auf einen freien Verkauf verzichtet wurde, blieb absolut unerklärlich, aber auch gleichzeitig typisch für den englischen Fußball. Lieber nicht verkaufen als auch nur einmal die Bezahlschranke senken… Relativierend erwähnen muss ich noch die 45 Pfund Eintritt für die sehr guten Sitze. Vor allem im Vergleich zu den 41 Pfund am Vortag bei Chelsea – für ein Testspiel.

Joa, und was war so los? Selbstredend viel Show. Große Clublogos auf dem Rasen, viele wichtige Menschen, die ins Fernsehen müssen und für irgendwas geehrt werden und selbstredend viel Feuer und Rauch, weil wenn die Fans das machen, dann ist das ja blöd, so aber spektakulär. Zudem zwei Blockfahnen in den Unterrängen der jeweiligen Fanblöcke, die garantiert keinen Pinsel von Nahem gesehen haben. In Summe alles wie erwartet.
Die Roten waren dabei mit über 32.000 verkauften Karten bei Weitem in der Überzahl und tatsächlich auch deutlich aktiver in Sachen Support. Der Unterrang hinterm Tor schien dabei gar organisiert und mit Trommel ausgestattet, schaffte es aber nicht immer, die übrigen Bereiche mit den gleichen Liedern anzustecken. So schwappten gerne mal 2-3 verschiedene Chants gleichzeitig durch das Rund, die sich eher zu einem lauten, nicht identifizierbaren Geräusch vereinten. Oftmals stimmte aber ein Großteil der Anhänger der Gunners in die üblichen Gassenhauer ein – und das war teils bockstark. Man kann die englische Stadionatmosphäre verteufeln wie man will. Mach ich ja selbst in regelmäßigen Abständen. Aber solche Momente, in denen diese geilen Melodien voller Inbrunst für wenige Sekunden durch die Stadien schwappen, sorgen dann doch immer wieder für Gänsehaut. Positiv überraschender Auftritt von Arsenal auf den Rängen, inklusive „Poznań“!
Bei Man City kam von den Rängen gelinde gesagt überhaupt nichts. Also wirkliches Stillschweigen, bis auf eine kurze Phase im zweiten Durchgang, in der wenige Hundert Leute im Unterrang des Nordens mal etwas abgingen. Allerdings setzte sich das Publikum um uns herum auch hauptsächlich aus Touristen zusammen, die primär an über eintausend Fotos von ihrem Schätzchen Erling Haaland interessiert waren als auch nur im entferntesten am Club, für den er kickt.

Dazu lief auch der Kick alles andere als förderlich für gute Stimmung von Seiten der Skyblues. Nach wenigen Sekunden netzte der englische Meister bereits zum 1:0 und legte vor der Pause durch Kai Havertz sogar noch einen nach, ehe der dritte Treffer im zweiten Durchgang den dominanten Sieg und Gewinn des unwichtigsten Pokals der Saison bedeutete. Und der Titelgewinn musste natürlich gefeiert werden, Zeremonie, Medaillenübergabe und erneut viel Feuer inklusive. Der roten Seite des Stadions gefiels natürlich, während sich unsere Seite noch vor Schlusspfiff rapide leerte. Der englische Fußball eben, wie er leibt und lebt.
Wir erfreuten uns primär am Anblick des Stadions, lauschten den letzten Chants der Siegerseite und verließen schließlich die Bude gen Innenstadt. Dort herrschte erneut reges Treiben in Richtung der diversen Parkplätze, allerdings sollte die Ausfahrt aus dem Parkhaus überraschenderweise zügig klappen. Das war es dann aber auch mit fließendem Verkehr, quetschten sich doch gefühlt alle Anwesenden Fußballfans jeweils in ihr eigenes Auto und verstopften den Motorway bis Oxford. Stau ohne Ende, dazu überfüllte Rastanlagen voller Trikots ließen uns über zwei Stunden nach der geplanten Ankunftszeit letztlich wieder in Southampton eintrudeln. Bei einer Strecke, für die normalerweise nur knapp über zwei Stunden Fahrt nötig gewesen wären…
Montags hingegen wurden wir zur Mittagszeit von Staus und sonstigen Verspätungen auf der Fahrt gen Heathrow vollends verschont, sodass wir, trotz knapp gesteckter Rückgabe des Mietwagens, den Flughafen sogar noch mit einigem Puffer erreichten, ehe uns der Kranich zum allerersten Mal in zahlreichen Versuchen pünktlich zurück gen Frankfurt chauffierte.








































