29.08.2026
1. Spieltag Bundesliga
SV Elversberg - Bayer Leverkusen
Waldstadion an der Kaiserlinde
Endergebnis: 3:2 (2:0)
Zuschauer: 9.307 (1.500 Gäste)
Ticket: Dauerkarte
Noch größer als die Ungeduld beim Warten auf den Saisonauftakt war nur die Ungewissheit über die sportliche Qualität des eigenen Kaders. Wird man sich irgendwie über Wasser halten können? Oder wird die Zeit im Oberhaus eher frustrierend und kurz? Ehrlicherweise blickte ich mit jeder Neuverpflichtung und jedem neuen Leihspieler ein Stück weit optimistischer auf die Mammutaufgabe, denn der Kader voller junger Wilder schien vor allem eines: Zueinander zu passen. Und genau diese Art von Einheit war es, die die letzten so erfolgreichen Jahre an der Linde prägte. Gespannt wie sonst was ging es nach etlichen Wochen endlich wieder ins Saarland und hinauf zu den altbekannten Bierständen, wo ein paar Gezapfte das Gemüt ein klein wenig beruhigten. Sonst war eigentlich fast alles wie immer, zumal aufgrund der Baustelle nicht plötzlich deutlich mehr Schaulustige dem Spektakel auf dem Rasen beiwohnen konnten. Ja, die Kartenfrage wird in Elversberg wohl noch länger ein Thema sein…
Allerdings tat sich mit Blick auf das Stadion bereits so einiges auf der Baustelle: Die Katakomben auf der Gegengerade sind bereits errichtet und auch viele Pfähle, die die zukünftig größte Tribüne des Stadions tragen werden, ragen bereits beachtlich in die Höhe. Schwindelerregend hoch standen nun die Pressetribüne sowie zusätzliche Kamerapodeste aus Stahlrohr inmitten der Baustelle – eine durchaus windige Geschichte, die allerdings bisher ungesehene Perspektiven auf das altbekannte Wohnzimmer ermöglicht. Diese zu erlangen glich auf unserer Seite allerdings einem Kraftakt aus einem wilden Hin- und Her verschiedener Zuständigkeiten. Das gleiche Spiel, wie eigentlich jedes Jahr zu Beginn der neuen Saison in der heimischen Baustelle. Ich hoffe, dass diese seit fast eineinhalb Jahrzehnten andauernden Umbaumaßnahmen wirklich im nächsten Jahr abgeschlossen sein werden, allen derzeit ausgetragenen, politischen Grabenkämpfen zum Trotz.
Auf den vorhandenen Rängen schien die Euphorie aus der Rückrunde der vergangenen Saison exakt im gleichen Maßstab weiterzugehen. Mittlerweile reckt beinahe das gesamte Stadion die Schals zur Hymne in die Höhe und singt diese voller Inbrunst. Starkes Bild und reine Gänsehaut für all jene, die die alten Zeiten miterlebten. Elversberg in der Bundesliga. Im Fußball-Oberhaus. Unfassbar und einfach eine Utopie, die ich mir niemals auch nur in Träumen ausmalte.

Zum Auftakt kam die Werkself aus Leverkusen ins Saarland an genau den Ort, an dem es bereits im Pokal 2022 eine Niederlage setzte. Im Schlepptau hatten die Schwarz-Roten samt Unterstützung aus Offenbach einen ausverkauften Gästeblock, der bereits beim Einsingen vor dem Spiel mit maximaler Mitmachquote glänzte. Ebenfalls glänzend war das Intro: Etliche Doppelhalter im unteren Drittel, dazu einige Fackeln und Rauch als Untermalung sorgten für ein starkes Bild, wobei die optischen Stilelemente häufiger im Spielverlauf wiederverwendet wurden. Bockstark war vor allem der Beginn sowie ein Wechselgesang im geteilten Block, ehe Mitmachquote und Lautstärke dann doch deutlich unter dem Spielverlauf litten.
Block C knüpfte dagegen an den fabelhaften Auftritt gegen Münster an, konzentrierte sich insbesondere auf die Gassenhauer und sorgte für eine vergleichsweise richtig gute Lautstärke. Top Beteiligung in der Kurve in vielen Momenten, die oftmals sogar bis auf die Haupttribüne schwappte. Die starken Wechselgesänge waren erneut ein Highlight, während auch bei den Sprung- und Klatscheinlagen ein Großteil der Schwarz-Weißen mitzog. Starker Auftritt hier, der durch eine unbeschreibliche Anfangsphase auf dem Platz belohnt wurde.
Ja, Elversberg kündigte an, genau so weitermachen zu wollen, wie man im Unterhaus aufhörte: Frech und offensiv, egal gegen wen. Ob so eine Harakiri-Mission im Oberhaus gut gehen kann? Anscheinend schon, denn Leverkusen schien in der Anfangsphase komplett überrumpelt. Schon in den ersten Minuten erspielte sich die SVE Chancen, ehe Petkov in der 8. und Campbell in der 9. binnen weniger Sekunden netzten. Traumhafter Start, der im ersten Durchgang beinahe mit noch mehr Toren hätte veredelt werden können. Auch nach dem Pausentee blieb die SVE wacher und erzielte durch Mokwa direkt das 3:0, während die Gäste erst in der Schlussphase gefährlicher wurden.

Der Anschlusstreffer markierte den Startschuss einer wahren Zitterpartie am Ende, in der Bayer sogar das zweite Tor in der Nachspielzeit gelang. Weitere fünf Minuten der ellenlangen Nachspielzeit galt es zu zittern und auf Kristof zu hoffen, der allerdings auch die letzten Großchancen vereitelte. Dann ertönte er: Der Schlusspfiff, der die ersten drei Punkte der Bundesligasaison bedeutete. Ausgerechnet im ersten Spiel und ausgerechnet gegen einen Gegner, den man sicherlich in all der Rechnerei rund um mögliche Zähler gegen den Abstieg nicht auf dem Zettel hatte. Sehr geile Geschichte!
Lautstark war der Jubel, der den eigenen Spielern auf der Ehrenrunde entgegen stürmte, ehe Block C zur Feier des Heimsieges ansetzte. Die gleichen Lieder, die bereits seit Regional- und Drittligazeiten einen Dreier an der Linde zelebrierten – nun im deutschen Oberhaus. Ein unbeschreibliches Gefühl! Momente voller Freude und voller Euphorie! Als wolle ein jeder voller Inbrunst hinausschreien, was ganz Deutschland in den nächsten Wochen und Monaten in den Nachrichten und auf den Sportseiten dieser Welt lesen und hören wird: In einem kleinen Dorf, da gibt es ein schwarz-weißes Team, über das sie lachen und lästern, doch wir werden oben stehn!




































