Testspiel: Chelsea FC – Real Sociedad

15.08.2026
Testspiel
Chelsea FC - Real Sociedad
Stamford Bridge
Endergebnis: 3:1 (1:1)
Zuschauer: 34.715 (200 Gäste)
Ticket: 41£ (~48€)

Nicht ganz so spontan wie Malle, doch auch am letzten Wochenende vor dem Saisonstart ging es wieder raus aus Deutschland. Die Idee dazu reifte schon gegen Ende der letzten Saison, überraschte doch der englische Verband mit der Ankündigung, den Supercup (auch bekannt als Community Shield) im legendären Millennium Stadium in Cardiff auszutragen, da Wembley am anvisierten Wochenende bereits mit Konzerten belegt sein sollte.

Nach einigem Hin und Her aufgrund der Kartenfrage machten wir zumindest, was den Trip auf die Insel betrifft, Nägel mit Köpfen und buchten uns bei der Familie ein, zumal alles unterhalb der Premier League sowieso bereits wieder gegen den Ball treten sollte. Für fußballerische Unterhaltung wäre also auf alle Fälle gesorgt! Exakt zwei Wochen vorher konnten für Cardiff schließlich Karten klargemacht werden, während wir für den Samstag mit einem Besuch der Stamford Bridge liebäugelten. Zwar nur ein Testspiel, aber immerhin im freien Verkauf, wohl dennoch voll und anders lassen sich die großen Premier-League-Vereine in London auf absehbare Zeit und ohne Kleinkredit wohl nicht mehr machen.

Mit Tickets für die beiden Partien und entsprechend ordentlich Vorfreude auf historische Spielstätten im Gepäck ging es schließlich Donnerstagabend nach der Arbeit von Frankfurt nach Heathrow, wo wir den üblichen Mietwagen in Empfang nahmen und gen Southampton düsten. Ein Navi brauche ich für die Strecke mittlerweile auch nicht mehr… Dort verbrachten wir den Freitag recht gemütlich, ehe wir uns Samstagmorgen in den Trouble von London stürzten. Der große Parkplatz in Richmond diente als üblicher Stellplatz fürs Gefährt, wobei die mittlerweile aufgerufenen 21 Pfund für den Tag für einen Parkplatz so weit außerhalb schon stark an Abzocke grenzen, selbst für hiesige Verhältnisse. Denn die Tube kostet ja auch noch eine Stange Geld.

Mit der District Line ging es nun über Earl’s Court, wo sich bereits die Fanscharen stapelten, bis zum Fulham Broadway. Fulham? Ja, die Heimspielstätte der Blues liegt tatsächlich im Stadtteil des Rivalen, wenn auch nur wenige Meter hinter der Grenze. Und sie war, ohne jede Frage, das absolute Highlight des heutigen Tages. Bereits von außen beeindruckte die gemauerte Fassade samt Logos in einem gigantischen Ausmaß, das sich auch bei der Umrundung auf der Suche nach dem richtigen Eingang fortsetzte. Keine Tribüne glich der anderen, während die verwinkelten Gänge und Treppenhäuser auf der Osttribüne die Rufe nach einer Renovierung ein kleines Stück nachvollziehbar machten. Da konntest du vor lauter Menschen kaum durch die schmalen Gänge latschen.

Hoch oben, auf unseren Sitzen knapp unterm Dach des East Stand, waren diese Gedanken aber wieder ganz schnell verblasst. Was für eine beeindruckende Bude! Angefangen beim East Stand selbst, der 1974 eröffneten, ersten dreirangigen Tribüne Großbritanniens, über die in den 90er eröffneten Hintertortribünen „North Stand“ und „Shed End“ bis zur recht neuen Westtribüne, die fast vollständig den VIPs vorbehalten ist, war dieses ganz in der Farbe Blau gehaltene Stadion ein einziger Traum. Einziger Schönheitsfehler wäre das tiefe Dach über dem East Stand, das uns etwas vom wahnsinnigen Panorama raubte, allerdings betrifft das Problem auch nur die oberen 20 Reihen.

Etwas über 40.000 Zuschauer fasst der ursprünglich im Jahre 1877 eröffnete Kasten derzeit, was für die jüngst so erfolgsverwöhnten Blues deutlich zu wenig ist. Zumindest, wenn man den Entwicklungsplänen glauben schenken mag. Ich für meinen Teil hoffe inständig, dass die Stamford Bridge in ihrer aktuellen Form noch für viele Jahre bespielt wird und nicht einem Neubau wie bei Arsenal oder Tottenham weichen muss. Zu den heutigen Gastgebern gibt es wohl nicht so viel zu sagen, denn wer kennt ihn nicht, den Chelsea FC? 1905 gegründet, dominieren die Blues vor allem in den letzten beiden Dekaden den englischen und auch europäischen Fußball. Als erster englischer Verein holte Chelsea das Triple und gewann als einziger Verein überhaupt alle fünf großen Europapokalwettbewerbe. Sechs Mal krönten sich die Blues zudem zum englischen Meister, wobei der letzte Titel aus dem Jahr 2017 datiert.

Damit es wieder klappt, setzt man seit dieser Saison an der Seitenlinie auf einen namhaften Neuzugang: Xabi Alonso. Und der durfte bei seinem Heimdebüt auch gleich seinen Jugendverein Real Sociedad zum letzten Test vor dem Ligastart begrüßen. Rund 200 Basken begleiteten ihre weiß-blau gestreifte Auswahl nach London, fielen allerdings im Gästeblock des großen Kastens nicht sonderlich auf. Allerdings blieb auch der Heimbereich bis auf wenige, kurze Gesänge äußerst blass – wie von einem Testspiel zu erwarten. Ob hier bei Ligaspielen aber bedeutend mehr gehen würde, wage ich zu bezweifeln. Immerhin die wenigen Gesänge schepperten recht ordentlich, die Akustik scheint durch die engen Tribünen absolut nicht verkehrt.

So blieb an diesem Nachmittag der Blick durchs Stadion das absolute Highlight, während wir von unseren Sitzen sogar die neue Tribüne des Craven Cottage erspähen konnten. Der Kick auf dem Platz plätscherte dagegen genauso wie die Schweißperlen von meiner Stirn langsam vor sich hin. Ja, es war mal wieder abartig heiß in London und die Luft direkt unterm Plastikdach nicht unbedingt die beste. Vier Buden wanderten am Ende aufs Habenkonto in einer Partie, für die im Übrigen der normale Ticketpreis wie in der Liga fällig wurde. Irgendwie auch frech. Und dennoch waren wir froh, dieses legendäre Stadion besucht zu haben.

Lange blieben wir noch auf der Tribüne und ließen die Blicke über die leeren Ränge schweifen, ehe wir uns schließlich wieder auf den Weg zur überfüllten Tube-Station machten. Von dort aus ging es zwecks abendlicher Verpflegung zur Tottenham Court Road, wo wir eines unserer Stammrestaurants mit dem Namen Abeno verorteten. Sicherlich die besten Okonomiyakis außerhalb Japans kommen hier auf den Tischgrill und wanderten wohlwollend in die Mägen, ehe wir gesättigt den Rückweg gen Southampton antraten. Stamford Bridge, check!

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