Testspiel: RCD Mallorca – SV Elversberg

08.08.2026
Testspiel
RCD Mallorca - SV Elversberg
Estadi de Son Moix
Endergebnis: 1:1 (0:0)
Zuschauer: 5.635 (100 Gäste)
Ticket: 30€

Dinge, die eigentlich nur im Traum passieren: Vor einigen Wochen sickerte die Meldung durch, dass die SVE einen weiteren Testspielgegner gefunden hat und zwei Wochen vor Saisonstart auswärts antritt. Soweit so normal, doch Gegner und Austragungsort ließen mich kurzzeitig an meiner Wahrnehmung zweifeln: Auswärts auf Malle. Bitte was!? Als dann auch bestätigt wurde, dass der RCD die SVE im großen Estadi de Son Moix empfangen sollte, waren jegliche Vernunft schon längst über Bord geworfen und Flüge und Unterkunft mit keinen zwei Wochen Vorlaufzeit eingetütet. Ein bisschen früher wäre die Info wohl Gold wert gewesen, da so nur ein recht kleiner Kreis die weite Reise ermöglichen konnte. Sowas mal ein halbes Jahr früher terminieren und ein utopisches Wochenende wäre garantiert.

Doch auch so freuten wir uns wie Bolle auf die letztlich knapp 36 Stunden Malle, die Samstagmorgens um vier mit frühem Weckerklingeln starteten. Ab zum Flughafen, etwas zwischen die Kiefer geschoben und mit der Ferienflieger-Tochter des Kranichs auf die Insel übergesetzt. Kurz vor neun gelandet, lagen wir gegen zehn bereits an der Platja de Palma und ließen uns von der erbarmungslos stechenden Sonne brutzeln. Gibt sicherlich schlimmere Tagesgestaltungen an Spieltagen! Eine Runde Tapas zu Mittag, dann kurz das Hotel zwecks Check-in beehrt, setzten wir am Nachmittag für eine kurze Stadtrunde nach Palma über, wobei auch dieses Unterfangen bei knapp unter 40 Grad ziemlich schnell zu einer ständigen Suche nach klimatisierten Etablissements mutierte. Immerhin einige Straßen der schönen Altstadt sowie die bekannte Kathedrale bekamen wir vors Auge, allerdings würde ich beileibe nicht behaupten, wirklich viel gesehen zu haben.

Doch der Fokus des Wochenendes lag sowieso woanders, weshalb es im Anschluss an die kurze Runde zeitig mit dem Bus gen Spielort ging. Schon von weitem erblickten wir die steilen Tribünen des großen Stadions, an dessen Fuße bereits so einige schwarz-weiße Trikots herumliefen. Ein echt surreales Gefühl, wenngleich es „nur“ ein Testspiel war. Fix den Fanshop beehrt, ging es schließlich in den eigens für die Partie geöffneten Gästeblock. Ein schmaler Streifen auf dem Oberrang der Haupttribüne, der, neben der guten Sicht, zudem den Vorteil einer etwas humaneren Preisgestaltung mit sich brachte. 30 Tacken sind schon viel, allerdings wurden für die restliche Bude Preise zwischen 40 und 50€ aufgerufen. Für ein Testspiel…

Für den üppigen Preis ließen wir dennoch gerne die Augen durch das in Teilen renovierte Stadion schweifen, das sich mit seinen knapp 26.000 Plätzen in die Top 25 der größten Stadien Spaniens einreiht. Typisch steil fallen vor allem die beiden Oberränge auf Haupttribüne und Gegengerade aus, während die beiden Hintertortribünen jüngst modernisiert wurden und näher ans Spielfeld rückten, dabei aber ohne Dach auskommen müssen. Recht hässlich fiel hingegen eine neue VIP-Tribüne im Norden aus, deren kastenförmiges Dach den Blick auf ein tolles Bergpanorama im Sonnenuntergang versperrte. Alles in allem dennoch eine wirklich schicke Bude, in der sich an diesem Samstagabend um 21 Uhr nicht allzu viele Interessierte verliefen.

Im Gästeblock machten sich etwa 100 Schwarz-Weiße unter Begleitung einiger Hopper, die wohl hauptsächlich auf die günstigeren Tickets aus waren, breit, während im Heimbereich hier und da sogar ein bisschen Stimmung aufkam. Zumindest stimmte die Südkurve, in der für gewöhnlich die heimische Fanszene zu Hause ist, hier und da ein paar Lieder, Klatschrhythmen und Wechselgesänge an. Nix weltbewegendes, aber immerhin. Zeugt zudem vom vorhandenen Potenzial bei einem Ligaspiel, wenn die Zuschauer bereits bei einem Testkick so heißblütig auf Chancen und Zweikämpfe reagieren.

Zweikämpfe waren dann auch das Stichwort, denn ich habe keinen Schimmer, was den Unparteiischen an diesem Abend geritten hat. Eine frühe rote Karte für Mallorca, die trotz Protesten der Gäste (man will ja eigentlich gerne 11 gegen 11 testen) bestehen blieb und mit einigen Gelben untermauert wurde, war da fast nur der Anfang. Mehr Karten als Torchancen regnete es an diesem Abend auf alle Fälle und auch die SVE durfte einen roten Karton von nahem betrachten. Spielerisch war das Ganze sicherlich auch hitzebedingt komplett zerfahren. Da war es umso überraschender, dass ausgerechnet Maxi Rohr, den wir mittags noch gemeinsam mit Kristof am Strand vorbeilaufen sahen, per Kopf nach einer Ecke die Führung erzielte.

Die bestand letztlich für ganze vier Minuten, ehe der Reial Club Deportiu Mallorca ausgleichen konnte. Das war auch so ziemlich alles, was es über den Grottenkick zu erzählen gibt. Wirklich hoch hängen würde ich das sportliche Abschneiden sowieso nicht, doch es gab auch so einige gute Phasen, in denen Passwege und Sprints hervorragend funktionierten. Und hey, einen Treffer nach einer Ecke sieht man in Elversberg auch nicht alle Tage! Nach Schlusspfiff verabschiedeten wir uns von einigen bekannten Nasen, blickten noch einmal auf das auch von außen in schönem Rot beleuchtete Stadion und machten uns mittels arschteurem Uber zurück zur Unterkunft.

Hier genossen wir auch den ganzen Sonntag mit einer Mischung aus Tapas, Strand und Schwitzen, ehe es gegen Abend zurück zum Flughafen ging. Die Kranichtochter schenkte uns am Ende sogar, wohlwollend wie sie eben ist, eine weitere Stunde Mallorca für lau, ehe wir kurz vor 23 Uhr wieder Frankfurter Boden unter den Füßen spürten. Kurzfristig, nicht unbedingt billig und eigentlich völlig bekloppt. Doch unterm Strich bleibt das Fazit: Es war es uns wert. Zudem kamen ein paar Erinnerungen von meinem letzten Trip auf die Insel vor etwa 25 Jahren in mir hoch, als ich im zarten Kindesalter das erste und bisher einzige Mal das ominöse 17. Bundesland besuchte. Sauftourismus, auf den ich weltweit verzichten kann, beiseite: Die 36 Stunden hier als auch der Blick auf die schönen Landschaften bei An- und Abflug machten auf alle Fälle Bock auf mehr!

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