25.07.2026
1. Spieltag Super League
Servette FC - FC Basel
Stade de Genève
Endergebnis: 0:1 (0:0)
Zuschauer: 8.351 (1.000 Gäste)
Ticket: 55 CHF (~59,50€)
Dass wir bereits seit einigen Jahren einen Narren am Anhang des FCB gefressen haben, wird spätestens beim Blick auf die eigene Statistik ersichtlich: Vier der letzten vier besuchten Partien im Schweizer Oberhaus fanden mit Beteiligung der Rot-Blauen statt. Ist aber auch immer wieder ein verlockendes Argument, die geilen Melodien der Basler live im Stadion zu erleben. Dass der Samstagabend daher das auserkorene Highlight des Trips darstellte, muss ich eigentlich gar nicht mehr erwähnen, doch auch die Zeit bis dahin sollte und wollte mit etwas Sightseeing gefüllt werden.
Und auch am Samstag versprühte Genf ein sehr angenehmes Sommerflair, insbesondere entlang der Rhone bis zum Pointe de la Jonction, der Vereinigung des tiefblauen Abflusses des Genfer Sees mit der schlammgetrübten Arve. Der steile Aufstieg auf die direkt darüber verlaufende Eisenbahnbrücke lohnte sich für einen besseren Blick auf alle Fälle. Besser gefiel uns allerdings die ebenfalls mit steilen Aufstiegen verbundene Altstadt rund um die Kathedrale, wo wir ebenso zwecks Verpflegung fürstlich einkehrten. Schmackhaft ist die aus französischen und deutschsprachigen Einflüssen bestehende Küche hier auf alle Fälle, mehr als eine Mahlzeit pro Tag allerdings recht ungesund für den Kontostand.
Anschließend ging es noch kurz vorbei am Reformationsdenkmal und dem schönen Zentrum rund um Bel-Air, ehe wir einen Bus gen Stadtteil Lancy bestiegen. Dieser brachte uns eine halbe Stadtrundfahrt später an den am Arsch von Genf liegenden Spielort, der immerhin mit einem benachbarten Einkaufszentrum samt Klimaanlage auftrumpfen konnte. Dort noch fix die Körper auf normale Temperaturen abgekühlt und den Fanshop zwecks Schalkauf für die heimische Sammlung beehrt, begrüßten uns beim Verlassen laute Trommelschläge des heimischen Corteos, der sich gerade unter der Brücke in unsere Richtung bewegte. Der heimische Mob hinterließ vom Fleck weg einen starken Eindruck und war definitiv zahlreicher vertreten als anfangs ausgemalt. Ja, von Servette hat man im Vorfeld schon so einiges Positives gelesen und gehört, doch den eigenen Augen und Ohren traut man dann doch am meisten.

Mit viel Vorfreude ging es schließlich auf die noch sehr verwaiste Haupttribüne, wo wir unsere Plätze unweit der Mittellinie im unteren Bereich verorteten. Beste Sicht auf die Heimkurve zu unserer Linken sowie den Gästesektor im Eck zu unserer Rechten. Das granatrote Stadion, ein Neubau aus dem Jahre 2003, konnte dabei getrost als schnörkelloser Kasten aus einem Guss betitelt werden. Schön immerhin der Blick auf die dahinterliegenden Ausläufer der Alpen, während die konsequente Farbgebung jetzt sicherlich auch nicht alltäglich ist.
Sonst ist der Spielort der EM 2008 für die hiesige Liga vor allem eines: Viel zu groß. Etwas über 30.000 Zuschauer fasst die Bude, während die Zuschauerzahl von Servette meist zwischen 6.000 und 8.000 pendelt. An Erfolg mangelt es am Genfersee allerdings mitnichten, waren die 1890 gegründeten Grenats doch bis 2013 das einzige Team der Schweiz, das noch nie sportlich aus der ersten Liga abgestiegen ist. 17 Meisterschaften und 8 Pokalsiege stehen zudem auf der Habenseite des dritterfolgreichsten Teams des Landes, das in den vergangenen Jahren allerdings so einige finanzielle Auf- und Abs inklusive zwei Abstürzen in die Drittklassigkeit verkraften musste.
Immer dabei war jedoch die Kurve, die „Section Grenat“, die genau diese Unterstützung als Motto des Intros an den Zaun kleisterte: „39e saison de soutien inconditionnel“ – frei übersetzt die 39. Saison bedingungsloser Unterstützung, in Anspielung auf die eigene Gründung 1988. Dahinter erfüllten zahlreiche große und kleine Schwenkfahnen in Chaosoptik die nicht wirklich volle Kurve, die in diesem Moment ihren besten Eindruck des Tages hinterließ. Denn nach Anpfiff war eigentlich nur noch der untere Bereich rund um die aktive Szene sowie die Sitzplätze dahinter am Support beteiligt.

Optisch war auf alle Fälle über die Distanz viel geboten, so richtig laut wurde die Geschichte aber nur allzu selten. Bekannte Schlachtrufe wie das „Aux armes“ knallten zwar, genauso wie eine Handvoll anderer Gassenhauer, ganz ordentlich, allerdings legte sich die Beteiligung außerhalb der ersten zehn Reihen meist nach einigen Momenten wieder. Da hätte ich ehrlicherweise mit etwas mehr gerechnet, auch wenn die Liedauswahl sowie das leidenschaftliche Abdrehen der Szene schon recht gut gefiel.
Nicht unerwähnt bleiben soll der Mob der „Les Plus Malins Ultras“, sinngemäß „Die Cleversten“, die sich in den vergangenen Jahren allerdings nicht ganz so clever verhielten und um die Vorherrschaft der Kurve kämpften. Höhepunkt der Streitigkeiten mit der Section Grenat waren der Austausch körperlicher Nettigkeiten bei einem Heimspiel 2025, woraufhin die LPM in die gegenüberliegende Ecke umziehen musste und nun dort, fast schon mit typischer, französischer Mentalität, ihr eigenes Ding dreht und daher erst recht im weiten Rund untergeht. Unterm Strich hätte ich zwar einen kleinen Ticken mehr erwartet, ordentlich war der Auftritt der heimischen Kurve(n) aber trotzdem.
Und dennoch: Selbst während deren lautesten Momenten genügte ein kurzer Schlachtruf der Rot-Blauen aus dem Gästeblock, um die Stimmhoheit ohne große Mühen zu verteidigen. Schätzungsweise 1.000 Basler reisten mit Extrazug und auf anderen Wegen zum Auftaktspiel, flaggten die üblichen Gruppenfetzen an den Zaun und erfreuten uns früh mit einem schicken Fahnenmeer samt Schalparade. Dazu stiegen anfangs gelbe Rauchwolken empor, ehe diese unfassbar geilen Lieder den Nachmittagshimmel erfüllten.

Ich könnte jetzt Stunden über diese bizarren Rhythmen, starken Texte sowie die beinahe konstant maximale Mitmachquote philosophieren, halte mich hier aber kurz: Wir bekamen, was wir erwarteten und worauf wir uns seit vielen Wochen freuten. Ein Gedicht von einem Auftritt, der kurz vor Schluss mit dem Siegtreffer mittels Elfmeter unter Begleitung von Rauch und Fackeln veredelt wurde. Mehr gibt’s zum schwachen Spiel auch nicht zu berichten, denn für viel mehr schienen sowohl die Hausherren als auch die Gäste unter Regie des immerjungen Xherdan Shaqiri nicht imstande.
Mit breitem Grinsen im Gesicht verließen wir schließlich wieder die Bude und latschten zum nahen Bahnhof, wo uns eine S-Bahn zunächst zum Hauptbahnhof beförderte, ehe es mit der letzten Tram quer durchs Viertel Servette zurück zur Unterkunft ging. Der Sonntag startete ausgeschlafen beim eher faden Hotelfrühstück, ehe die Aussicht auf einen Shoppingtrip ins nahe Frankreich für die notwendige Energie für den Tag sorgte. Den Kofferraum mit ordentlich Bier und festen Kohlenhydraten beladen, ging es anschließend auf die lange Heimreise, auf der der Ferienverkehr dann doch deutlich heftiger zuschlug als ausgemalt. Neun Stunden später konnte aber auch dieses etwas nervige Kapitel des unterm Strich absolut runden Trips beim Anblick des heimischen Ortseingangsschildes abgeschlossen werden.




































