18.04.2026
34. Spieltag 3. Liga
1.FC Schweinfurt - FC Hansa Rostock
Willy-Sachs-Stadion
Endergebnis: 0:0
Zuschauer: 7.676 (4.000 Gäste)
Ticket: 27€
Dass der Ausflug des 1.FC Schweinfurt in den Profifußball ein kurzer werden würde, zeichnete sich recht früh in der diesjährigen Drittligasaison ab. Umso größer war der Wunsch, die Heimspielstätte der Schnüdel vor der Rückkehr in die Regionalliga Bayern zu besuchen. Und was passt da bitte besser in den Tee, als das Duell gegen Hansa Rostock? Lang ist’s her, als wir die Blau-Weiß-Roten von der Ostsee außerhalb von Partien des eigenen Vereins besuchten, zudem deutete sich aufgrund der vorhandenen Aufstiegseuphorie eine große Masse an Auswärtsfahrern an. Gemeinsam mit der top Ansetzung an einem Samstagnachmittag Gründe genug für die knapp zwei Stunden Anfahrt bis in die Kugellagerstadt in Unterfranken.
Bei bestem Wetter genossen wir auch den halbstündigen Fußmarsch vom Zentrum bis zur Spielstätte, wobei die heimischen Farben zumindest an den Einfallstraßen überraschend wenig präsent waren. Echt Wahnsinn, bis in welche Hemisphären sich die Einflusszone der Anhängerschaft des FCN ausdehnt… Einige besprühte Stromkästen bekamen wir dennoch vor die Linse, deren grün-weiße Farbgebung samt FCS-Kürzel den Saarländer in mir maximal verwirrte, ehe wir die heutige Spielstätte erreichten. Bis auf den Namen änderte sich ziemlich wenig am 1936 eröffneten Willy-Sachs-Stadion, wodurch vor allem die schön gemauerten Eingangstore bis heute ihren Dienst verrichten.

Und auch das Innere des Runds atmet weiter aktiv seine Geschichte. Äußerst schick kommt noch immer die Haupttribüne daher, die vor einiger Zeit neue Sitze in den Vereinsfarben spendiert bekam. Sonst ziehen schlichtweg flache Stufen einen Kreis um den Rasen, die in Teilen eigens für die dritte Liga mittels temporärer Stahlrohrtribünen ein paar zusätzliche Sitze spendiert bekamen. Gemeinsam mit dem Baumwall, der das Stadion umgibt, sowie den schrägen Flutlichtmasten eine echt schöne Bude, deren Baustil im heutigen Profifußball leider zu einer echten Rarität verkommt. Umso schöner, dass die Traversen an diesem Samstag nur so von Leben strotzten – auch wenn ich mir nicht sicher war, ob die recherchierte Kapazität von 12.000 hier auch reinpassen würde, schienen doch so ziemlich alle Bereiche durch die letztlich knapp 8.000 Schaulustigen bestens gefüllt. Beachtlich, zumal die Hausherren bereits sportlich die Segel streichen mussten.
Für Schweinfurt, Gründungsmitglied der zweiten Bundesliga, bedeutete diese Spielzeit die erstmalige Rückkehr in den Profifußball seit 2001/02, als die vierte und bisher letzte Saison im Unterhaus mit Abstiegen und einer Insolvenz endete. Und auch wenn die Saison sportlich dermaßen gegen die Wand gefahren wurde, hinterließ das Jahr positive Spuren auf der Gegengerade in Höhe der Mittellinie, dem Bereich der aktiven Fanszene. Denn da ging heute trotz des feststehenden Abstiegs einiges! „Niemand ist größer als der Verein“ prangte zu Beginn auf einem Spruchband, während die vorher hochgezogene Blockfahne bereits vermuten ließ, was den prägnanten Satz untermalen sollte. Zunächst erfüllte grünes und weißes Konfetti die Luft, ehe die Vereinsfarben in dichten Rauschschwaden über die Menge zogen. Starke Pyroshow in einem viel größeren Ausmaß als anfangs vermutet!
Der mit Maleranzügen ausgestattete Täterkreis mischte sich kurz darauf wieder inkognito unters Volk, woraufhin auch die akustische Unterstützung startete. Top die Klatscheinlagen sowie die Wechselgesänge zwischen Kurve und Capo, bei denen eine beachtliche Menge an Sangeswilligen mitzog. Auch Schalparaden und Tifo-Einsatz machten was her. Echt eine positive Überraschung, wenngleich die hohe Mitmachquote nicht in Gänze erhalten blieb. Einige der teils melodisch ansprechenden Lieder brauchten etwas Anlauf und ein paar Pausen fanden ebenso Einzug, doch für die Gegebenheiten und das sportliche Abschneiden (dazu auch das Spruchband „Wir tragen euch durch jede Schlacht – doch ihr habt’s selbst kaputt gemacht“) war der Support aller Ehren wert!

Im Gegensatz zur Schweinfurter Szene, die wir an diesem Samstag zum ersten Mal erlebten, wussten wir, was wir von Hansa erwarten durften. Die Messlatte lag entsprechend hoch – und wurde am Ende dennoch übertroffen. Etwa 650 Kilometer trennen die beiden Städte von Stadion zu Stadion. 2.500 Zuschauer fasst der derzeitige Gästeblock in Schweinfurt. Alleine schon utopische Zahlen für die dritte Liga, und doch sollten die Karten bei Weitem nicht ausreichen. Schätzungsweise weitere 1.500 Hanseaten deckten sich mit Tickets für den Heimbereich ein und färbten alle Bereiche bis auf die Gegengerade und die Haupttribüne in Blau-Weiß-Rot. Der absolute Wahnsinn, was Rostock in jeder Ecke der Republik mobilisieren kann!
Mit im Gepäck hatte der Anhang ebenfalls eine optische Aktion im eigentlichen Gästeblock, wobei etliche Blockfahnen auch hier weit im Voraus ankündigten, worauf sich ein Großteil der neutralen Besucher freute: Eine schicke Choreo im Schatten der Bäume. „Für die Farben Blau und Weiß – Geben wir alles – Machen uns heiß!“ lautete das Motto auf den Choreospruchbändern vor und hinter der Kurve, die mittig von einer weiteren „Hansa“-Blockfahne geziert wurde. Daneben färbten Folienschals zunächst den Block in eben jene Farben, ehe kurz darauf ein Böllerschlag den Startschuss für den pyrotechnischen Teil der optischen Aktion legte. Dichte, dunkelblaue Rauchschwaden stiegen empor, garniert von Raketen, Heulern, Böllern und etlichen Fackeln, die das gerade angepfiffene Spiel für einige Momente unterbrachen. Sollte uns recht sein, denn so konnten wir das bockstarke Bild in voller Gänze genießen. Richtig geiles Bild und genau das, was sich der gemeine Pöbel erhofft, wenn Hansa zu Gast ist!

Gleiches galt für den Spielsupport über die volle Distanz. Lautstark und maximal geschlossen. Einfache Gesänge, die beileibe keinen Innovationspreis gewinnen, dafür aber umso brachialer den Nachmittag in ein Rostocker Heimspiel verwandelten. Dazu die Wechselgesänge mit den im ganzen Rund verteilten Hansa-Fans, die Sprung- und Klatscheinlagen… Trotz der Gegebenheiten (kein Dach, breite Kurve) ertönten die Gesänge stets in einer Stimme und ohne Kanon. Maximalen Respekt für diese Vorstellung!
Das war es dann aber auch an Unterhaltung, denn der Kick geizte beileibe mit Höhepunkten. Der Favorit von der Ostsee tat sich schwer und vergeigte jede noch so gute Chance, was vor allem gegen Ende an Slapstick grenzte. Von eben jener Spannung, ob Schweinfurt nicht doch noch ein Gegentor eingeschenkt bekommt, lebte das Ganze hier, aber unterm Strich war der sportliche Part so trocken wie die angebotene Käsebrezel. Ehrlich, nehmt hier lieber die Rindswurst, denn die mundete im Gegenzug hervorragend. Gar nicht mal so schiedlich-friedlich endete der torlose Kick mit Jubel im Heimbereich und Pfiffen von Teilen der Gäste, die im Rennen um die zweite Liga einen herben Dämpfer hinnehmen mussten.
Nachdem das Chaos bei der Becherrückgabe und an den Ausgängen etwas nachließ, machten wir uns absolut zufrieden mit dem Spielbesuch auf einen kurzen Abstecher in die Altstadt, die allerdings, im Gegensatz zum Stadion, nicht wirklich viele sehenswerte Ecken vorzuweisen hatte. Gut gespeist wurde noch am Marktplatz, ehe es am Abend wieder zurück ins Rhein-Main-Gebiet ging.














































