2. Bundesliga: SV Elversberg – SC Paderborn

03.05.2026
32. Spieltag 2. Bundesliga
SV Elversberg - SC Paderborn
Waldstadion an der Kaiserlinde
Endergebnis: 5:1 (4:0)
Zuschauer: 9.027 (1.200 Gäste)
Ticket: Dauerkarte

Ich bin ehrlich: So wirklich positiv war das eigene Gefühl bezogen auf den Spielausgang am Sonntagvormittag nicht. Zu inkonstant die vorherigen Leistungen, zu wackelig insbesondere die Auftritte gegen Darmstadt und Schalke. Heute gegen Paderborn verlieren, während Hannover mit Sicherheit gegen das Schlusslicht aus Münster gewinnen würde, und die Saison wäre gelaufen. Vielleicht war es auch diese geringe Erwartungshaltung, die mich im Verlauf des Sonntags komplett aus der Bahn werfen sollte. Denn was an diesem Tag mal wieder an der Kaiserlinde abgehen sollte, verdient erneut nur einen Begriff: utopisch.

Da war der Anpfiff kaum erfolgt, schon trifft die SVE ausgerechnet nach einer Ecke zur frühen Führung. Was aufgrund der daraufhin folgenden Chancen für den SCP noch nach einer kleinen Überraschung duftete, untermauerte Schwarz-Weiß mit einem Tor durch Mokwa sowie einem Doppelpack von Petkov noch vor der Pause. 4:0 gegen den Tabellenzweiten zur Halbzeit. Übertrieben. Durfte auch Ehrengast Giovane Élber in seiner Halbzeitanalyse anerkennen, der aufgrund des zweigleisigen Sponsorings der Firma Hylo beim FC Bayern regelmäßig ins Saarland gekarrt wird. Nach dem Pausentee gelang Paderborn zwar der Anschluss, gefährlich wurde es aber nicht mehr, sodass der eingewechselte Raif Adam mit seinem ersten Zweitligatreffer in der Nachspielzeit den alten Abstand wiederherstellte.

Fünf Buden gegen Paderborn, dazu die dominanteste Halbzeit seit dem Heimspiel gegen Fürth – das schwappte natürlich auch auf die Ränge über. Top die Quote insbesondere in der Mitte des Block C, die eigentlich gar keine Hänger vorzuweisen hatte, sondern vielmehr konstant durchdrehte. Viele Sprung- und Klatscheinlagen sowie unfassbar laute Gassenhauer, in die auch häufig die Haupttribüne und gar Block E einstiegen, prägten den Nachmittag. Eine greifbare Euphorie, die sogar die Regel des eigentlich behäbigen Supports an Sonntagen aushob. Ganz starker Mittag!

Nicht unerwähnt bleiben sollte aber auch der blau-schwarze Gästeblock, wenngleich ich mich im Vorfeld über die vielen Restkarten wunderte. Klar, als Elversberger hier den ersten Stein zu schmeißen klingt vermessen, aber aus neutraler Sicht hätte ich dem Anhang des SCP schon zugetraut, die 1.500 Karten für ein so wichtiges Spiel komplett abzusetzen. Knapp 1.200 waren es am Ende, verhältnismäßig für den üblichen Schnitt der Ostwestfalen natürlich dennoch Spitze. Dicht auch der Zaun, wenngleich mir die etlichen Gruppenfahnen, die kaum größer als ein Schal ausfallen, über der prägnantesten Zaunfahne nicht sonderlich gut gefallen. Lieber große Fetzen als so ein Stückwerk, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Unter Begleitung von reichlich Pyro wurde auch hier ein ordentlicher Abriss veranstaltet, und zwar trotz des Spielverlaufs komplett durchgängig. Man weiß augenscheinlich auch auf der dortigen Seite mit einer solch starken Saison umzugehen, ganz gleich wie sie auch enden mag. Lautstärketechnisch bekamen wir auf der Gegenseite zwar kaum etwas mit, dafür war durchgehend viel Bewegung auszumachen, während die Mitmachquote beständig gute Dreiviertel des Stehers einschloss. Die Fackeln machten vor allem bei den Klatsch- und Sprungeinlagen was her, während die einzeln gezündeten Rauchdosen als organisierte Rauchshow wahrscheinlich besser gewirkt hätten. Dennoch ein guter Auftritt auch hier.

Wenn ich aber ganz ehrlich bin, schweiften die Augen mit voranschreitender Spieldauer immer mehr vom Geschehen auf den Rängen hin zur überragenden Leistung auf dem Rasen. Dazu funkte immer irgendjemand die Wasserstandsmeldung aus Hannover in die Menge. Führung Münster, zweites Tor für die Preußen, Ausgleich 96 vor der Pause. Dann Führung für die Roten kurz vor Schluss, ehe Sekunden vor Ende des eigenen Spiels der erneute Münsteraner Ausgleich für Jubelorgien ähnlich eines eigenen Treffers sorgte.

Fußball, was bist du nur für ein kranker Sport. Gerade mit Blick auf meine Gefühlswelt und Einstellung vom Vormittag. Heute verlieren und es ist vorbei. 90 Minuten später wurde daraus ein „Scheiße, wir könnten das Ding nächsten Sonntag tatsächlich ziehen“. Aber dafür müsste Paderborn am Freitag, Hannover am Samstag, wir am Sonntag und und und… Ziemlich viel Konjunktiv, aber eines ist sicher: Das wird noch ein ganz wilder Ritt zum Saisonende!

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