2. Bundesliga: SV Elversberg – SC Preußen Münster

17.05.2026
34. Spieltag 2. Bundesliga
SV Elversberg - SC Preußen Münster
Waldstadion an der Kaiserlinde
Endergebnis: 3:0 (2:0)
Zuschauer: 9.307 (1.500 Gäste)
Ticket: Dauerkarte

Zwei Nächte sind seit dem furiosen Sonntag nun vergangen. Zwei Tage, an denen ich mehr als nur einmal auf meinen Bildschirm starrte. Das Dokument, in das ich zumeist meinen mal mehr, mal weniger gepflegten Dünnpfiff zum letzten Spiel rein hacke, zeigte eine leere Seite. Wo fange ich überhaupt an? Wohin mit all den Gefühlen, mit all den Emotionen, mit dieser Achterbahn seit der Niederlage in Düsseldorf? Mehr als nur eine schlaflose Nacht prägte die angespannten Tage bis zum finalen Wochenende der Saison. Die Ausgangslage für die SVE war dabei so klar wie vorteilhaft: Zu Hause gegen Preußen Münster gewinnen, und weder Paderborn noch Hannover könnten uns ohne kreisligamäßigen Kantersieg noch einholen. Einfach auf uns blicken und durchziehen. Ja, es hörte sich so einfach an.

Und trotzdem: Nur unter gehörigen Mengen alkoholischer Substanzen war die Nacht zum Sonntag mit so etwas wie Schlaf überbrückbar. Um kurz nach fünf war auch dieser Versuch beendet, sodass wir zeitig die altbekannten Autobahnen ins Saarland abspulten. Wärmend schienen die Sonnenstrahlen wenig später auf die beständig wachsende Menge schwarz-weißer Anhänger auf dem alten Markt, die sich zum liebgewonnenen, traditionellen Fanmarsch zum letzten Heimspiel versammelten. Das Ur-Pils floss schon da in Strömen, die Stimmung lag irgendwo zwischen Vorfreude und positiver Anspannung. So nah würden wir wohl nie wieder an die Bundesliga kommen. Wenn nicht heute, wann denn dann?

Lautstark und mit viel Feuer in den Händen zogen die tausenden Anhänger durch die Dorfmitte und besangen ihre Farben. Stets ploppten Rauch und Bengalen, ständig schepperten Raketen im blauen Nachmittagshimmel. Ein stolzes Gefühl erfüllte mich, auch wenn die durchgehende Filmerei diverser Medien und Schaulustigen tierisch nervte. Warum muss ständig mit dem Handy draufgehalten werden, statt einfach mal den Moment zu genießen? Aber anderes Thema, und um mich darüber aufzuregen fehlte mir an diesem Tag sowieso der Fokus.

Voller Euphorie ging es anschließend hinein ins Wohnzimmer. Zum vermeintlich letzten Mal in dieser Saison mundete der gegrillte Lyoner hervorragend. Das beste Stadionessen des Landes, nun auch bald im Oberhaus? Bis dahin lagen allerdings noch einmal neunzig Minuten Fußball vor uns und den 9.307 Zuschauern, die die Kaiserlinde bis auf den letzten Platz (und darüber hinaus) mit Leben füllten. Jedes Heimspiel im Heimbereich ausverkauft – auf sowas hätte ich hier bis vor einigen Jahren auch im Leben nicht gewettet.

Die bereits in der Vorwoche sportlich abgestiegenen Münsteraner wurden ebenfalls von stattlichen 1.500 Anhängern begleitet, die sich gebührend aus dem Unterhaus verabschiedeten. Unter dem Motto „Ultras Liberi“ erfüllte ein astreines Chaos-Intro aus Konfetti-Shootern, Fackeln und dunkelgrünem Rauch den Stehbereich des Gästeblocks, während einige abgeschossene Leuchtclips gefährlich nahe an den gerade losrennenden Einlaufkindern auf dem Rasen einschlugen. Haarscharfe Geschichte, die die Linde entsprechend mit einem Pfeifkonzert quittierte.

Sonst zeigte sich der Gästeblock allerdings von einer durchweg positiven Seite. Seien es die Mitmachquote beim Spielsupport, der Tifo-Einsatz oder auch der komplett vom Spielgeschehen losgelöste gesangliche Auftritt, der einmal mehr vom langsamen, melodischen Liedgut der Adlerträger geprägt war. Da wurde stolz die langsam ablaufende Zugehörigkeit zur zweiten Liga gefeiert, ohne wiederum die Feierlichkeiten der Heimseite zu crashen. Großen Respekt dafür und viel Erfolg in der kommenden Spielzeit!

Das, was die Heimseite an diesem Tag wiederum ablieferte, kann mit Elversberger Brille eigentlich nur mit Superlativen beschrieben werden. Unfassbar die Schalparade zur Hymne, bombastisch das Vereinslied in a cappella. Bockstark der spätere Spielsupport, der, getragen von der frühen Führung, keine leise Sekunde erleben sollte. Immer mehr pushte Block C, immer häufiger stimmten weite Teile der Haupttribüne und Block E in die Gassenhauer und Schlachtrufe mit ein. Keine Grenzen kannte der Jubel nach dem frühen Tor durch Conté, noch spektakulärer die Szenen nach Mokwas Treffer nur vier Minuten später. Das frühe 2:0 gab Sicherheit und blendete den Blick auf die anderen Plätze komplett aus.

Gerade als Münster in der zweiten Hälfte offensive Anstalten machte, war es erneut Mokwa, der mit dem dritten Treffer das Tor zu einer wahr werdenden Realität aufstieß, von der ich nie zu träumen wagte. Jubelorgien auf den Rängen, alle lagen sich in den Armen, Tränen flossen in Strömen. Die letzten Minuten, die letzten Lieder eines siegreichen Nachmittags fetzten über die Ränge. „In einem kleinen Dorf“, „2022, an einem Tag im Mai“… schließlich ertönte er, der letzte Pfiff der Saison 25/26. „Bundesliga“ prangte auf großen Lettern vor einem Block C, der nun Stück für Stück den Rasen flutete. Zunächst unter heftiger und unverständlicher Gegenwehr der Armee von Ordnern, schließlich geordnet und in großen Massen.

Da stand ich nun, erneut auf dem Rasen des geliebten Wohnzimmers und verstand die Welt nicht mehr. Was ist hier bitte gerade passiert? Nach einer bereits so phantastischen abgelaufenen Saison, die so bitter in der letzten Sekunde der Relegation endete. Leistungsträger gingen, der Trainer suchte sich ebenso einen Praktikumsplatz im Norden für ein paar Wochen. Und die SV Elversberg? Schusterte sich einfach eine neue Truppe zusammen und zog das Ding namens Aufstieg. Ins Oberhaus. Als Teil der besten 18 Vereine des Landes. Utopisch.

Erneut spürte ich das rutschige Grün unter meinen Füßen, zum nunmehr dritten Mal binnen fünf Jahren. 2022 der hart erkämpfte Aufstieg in die dritte Liga. Lange erklärtes Ziel, da wollten wir wieder hin. Endlich wieder raus aus dem Südwesten und auf in die Republik. Noch heute singen wir von eben jenem Tag. 2023, nur zwölf Monate später, standen wir wieder hier. Wieder an einem Tag im Mai, die Gesichter geprägt von einer kaum zu fassenden Freude. Zweite Liga, Elversberg ist dabei!

Und nun, drei Jahre später, ist der als sicherer Absteiger gehandelte Club dort, wovon ich selbst in Kindertagen nicht zu träumen wagte. In der ersten Bundesliga. Eine Realität, die ich wahrscheinlich erst in ein paar Wochen wirklich fassen kann. In einer Liga mit den größten Vereinen des Landes. An der Linde gegen Bayern und Dortmund, auswärts in Stuttgart, bei Union und wie sie alle heißen. Mit den schwarz-weißen Farben um den Hals und voller Stolz die Fahnen schwingend. Auch wenn es ganze 13 Wochen bis zum Saisonstart sind, zähle ich schon jetzt voller Vorfreude die Tage und werde sicherlich jede Sekunde eines jeden Spiels genießen. So wie in jedem Jahr, so wie in jeder Saison.

Den Schlussstrich der Spielzeit bildet der übliche, kurze Blick auf die Statistik: Von den 36 Pflichtspielen (34 Liga + 2 Pokal) wurden in dieser Saison endlich mal wieder alle besucht, auch wenn die goldene Saison aufgrund der Vorkommnisse in Bochum bereits am zweiten Spieltag abgeschrieben werden musste. Vorm Stadion ist halt nicht im Stadion, sodass letztlich eine dennoch ordentliche 35/36 in die Bücher wandert. Auf dass diese Zahl in 26/27 zumindest nicht unterboten werden wird!

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