Regionalliga: SV Elversberg – TSV Eintracht Stadtallendorf

29.07.2017
1. Spieltag Regionalliga Südwest
SV Elversberg - TSV Eintracht Stadtallendorf
Waldstadion an der Kaiserlinde
Endergebnis: 0:0 (0:0)
Zuschauer: 1.528 (60 Gäste)

Nach der langen Sommerpause und einigen Besuchen im benachbarten Luxembourg war die Vorfreude auf den Start der neuen Regionalligasaison immens. Bei der Bekanntgabe des Spielplans einige Wochen zuvor hoffte man innig auf ein Heim- oder nahes Auswärtsspiel für den ersten Spieltag, da noch einige wichtige Prüfungen anstanden und man die Wochenenden dann eher fürs Lernen einplante. Entgegen aller Befürchtungen meinte es der Verband gut mit uns: Der Saisonauftakt sollte ein Heimspiel gegen den frisch gebackenen Aufsteiger aus Stadtallendorf bilden, das Ganze dann auch noch samstags zur besten Fussballzeit.

Die dieses Mal doch recht deutliche Niederlage in der Relegation gegen Unterhaching war schon seit einiger Zeit verdaut und die Enttäuschung langsam aber sicher durch eine erneute Aufbruchsstimmung abgelöst. Was soll man sich auch über Sachen ärgern, die man nicht mehr ändern kann. Vielmehr verfolgte man gespannt die Zusammenstellung der Mannschaft, die es dieses Jahr richten soll. Viele schmerzhafte Abgänge von Leistungsträgern konnten durch teilweise bekannte Neuzugänge kompensiert werden, während die Rumpftruppe, insbesondere die recht gute Abwehr, über den Sommer hinweg gehalten werden konnte.

Mit Karsten Neitzel wurde ein neuer Trainer ins Boot geholt, dessen Charakter definitiv bodenständiger und sympathischer rüberkommt als der seines eher hochnäsigen Vorgängers. Dieser nahm die allgemein erwartete Favoritenrolle der SVE natürlich an, weiß mit seinen Worten aber überhöhte Erwartungen zu bremsen.

So auch vor diesem Spiel, als er den Gegner definitiv nicht unterschätzte und auch auf die noch fehlende Abstimmung seiner eigenen Mannschaft hindeutete. Und mit Beidem sollte er Recht behalten. Der motivierte Aufsteiger aus Hessen, der in dieser Saison das erste Mal Viertklassig spielt, stellte eine sehr kompakte und defensive Mannschaft auf den Rasen, die sich vor allem auf die Manndeckung konzentrierte.

Somit blieben den offensiven Elversbergern  in der ersten Halbzeit, trotz vieler Bemühungen, richtige Torannäherungen verwehrt. Meistens scheiterte das letzte Zuspiel oder der Abschluss am festen Abwehrriegel der Gäste. Diese konzentrierten sich vornehmlich auf Konter, was kurz vor der Halbzeitpause sogar in einem Torerfolg mündete, der aber aufgrund einer Abseitsposition wieder zurückgenommen wurde.

Auf den Rängen überraschten die Stadtallendorfer mit einer ganzen Busladung voller Gästefans, die sich hinter der „Allendorfer Jungs“ Fahne auch relativ kompakt präsentierten. Sogar ein Capo samt Megafon heizte den kleinen, etwa 15 bis 20 Mann starken Mob an. Das Liedgut war dabei sowas wie ein Best of deutscher Stadien, wobei kein noch so klischeebehafteter Gesang vergessen wurde.

Überraschenderweise erreichte der Gästeblock über Teile hinweg eine ansprechende Lautstärke, auch wenn kein Lied länger als eine Minute gesungen wurde. Auch eine kleine optische Aktion wurde vorbereitet: Zum Einlaufen erfüllten zahllose weiße Schnipsel die Luft und sorgten für einen schicken Anblick. Dafür, dass man eigentlich gar nicht mit Gästen gerechnet hatte, war demnach mehr als genug geboten.

Im Heimbereich blieb der erwartete Zuschauerschwund gänzlich aus, ja sogar das Gegenteil war der Fall. Begrüßte man gegen eher unattraktive Gegner in der Vorsaison kaum mehr als 1.200 Zuschauer, gesellten sich dieses Wochenende ein paar Hundert mehr an die Kaiserlinde. Bei dem Anblick der verhältnismäßig gut gefüllten Tribünen schmeckte das erste Bier der Saison umso besser.

Auch der Support in der ersten Halbzeit konnte sich mehr als sehen lassen. Eine überraschend hohe Mitmachquote und Lautstärke erfüllten das sonnendurchflutete Stadion und machten Lust auf mehr. Leider erhielten die gerade zu Saisonstart üblichen Pausen in der Unterstützung auch an diesem Tag wieder Einzug, wodurch die Stimmung gegen Ende der ersten Halbzeit ein wenig versandete.

Von der zweiten Halbzeit erhoffte man sich daher Besserung auf und abseits des strahlenden Grüns, im Endeffekt jedoch vergeblich. Die zweite Hälfte des Spiels war in Gänze einfach unterirdisch und zählt mit Sicherheit zu den negativen Höhepunkten meiner bisher gesehenen Spiele. Die Elversberger Offensive nahm ein paar Gänge raus und konnte, trotz Ballbesitz und ständiger Belagerung des gegnerischen Strafraumes, keinen erwähnenswerten Chancen generieren. Eine der wenigen Tormöglichkeiten des Spiels wurde auch noch von einem eigenen Mitspieler verhindert, was Beispielhaft für die noch fehlende Abstimmung der in Teilen neuen Mannschaft war. Auch die Fülle der vielen Fehlpässe passten ins Bild eines fußballerisch eher mauen Nachmittags.

Mit der Zeit glich sich auch die Unterstützung der Heimkurve an die Leistung der Mannschaft an, wobei immerhin ein neues Lied eingesungen wurde. Nach 90 Minuten erlöste uns der Schlusspfiff, während die Gästefans mit der Mannschaft den ersten Punktgewinn feierten. Etwas ironisch wurde dabei schon der Durchmarsch in die dritte Liga bei einer Humba skandiert, aber den Anhängern des kleinen Clubs sei es gegönnt. Es bleibt nämlich abzuwarten, ob sie ihren Club auch in den nächsten Spielen weiterhin unterstützen, oder ob dies nur die Feier des ersten Regionalligaspiels darstellte.

Auf der Heimseite leerten sich die Ränge schnell, wobei manch Einer mit zu hohen Erwartungen wohl enttäuscht nach Hause taumelte. Klar, normalerweise müssten am Ende des Tages drei Punkte auf dem Konto stehen, ohne Wenn und Aber. Schaut man aber auf die abgelieferte Leistung, muss man schlicht und ergreifend mit dem Punkt zufrieden sein.

Das Potenzial in der Mannschaft ist da und somit noch viel Luft nach oben. Aber die Saison ist lang. Sehr lang. Dementsprechend sollte man das Ergebnis des ersten Spiels als auch der Folgenden Kracher gegen Saarbrücken und Mannheim nicht zu hoch bewerten.

Am nächsten Mittwoch kommt es dann sehr früh zu einem der Höhepunkte der Saison, wenn am vorgezogenen dritten Spieltag der 1.FC Saarbrücken an der Kaiserlinde zu Gast ist.