08.08.2020
6. Spieltag 1. Līga
FK Dinamo Riga - Saldus SS / Leevon
RTU stadions
Endergebnis: 1:0 (0:0)
Zuschauer: 153
Fotoalbum
Nach den beiden schicken Grounds am Vortag musste natürlich noch ein Gammelkick daher, um mit dem Kapitel Riga für diesen Besuch abschließen zu können. Sprich wir hatten am Samstag touristisch eh schon alles abgefrühstückt, das Wetter war ganz in Ordnung und Fussball wird in der Heimat zwischenzeitlich selbst bei Bares für Rares hoch geschätzt. Was soll’s, also Kunstrasenkick in der zweiten lettischen Liga eingeplant und ab.
Für den richtigen Pegel sorgte im Vorfeld noch ein Besuch der für sehr geil befundenen Bar Labietis im Nordosten der Stadt, ehe uns ein Bus auf direktem Weg an die Haltestelle Klingeru iela kutschierte. Von da aus sind es nur wenige Meter bis zum Ground, den man ohne irgendwelche Kontrollen oder Kosten betrat. Warum wurde auch schnell klar, denn der Kunstrasen glänzte mit einer kleinen, aus sieben Sitzreihen bestehenden Stahltribüne in Höhe der Mittellinie, sonst nüscht. Gut, das Industriepanorama konnte was, aber ja. Zweite Liga eben. Den Ground dürften wohl unfreiwillig auch noch einige andere in den kälteren Monaten gemacht haben, da der Riga FC ab und zu hierhin ausweicht, denn das Skonto stadions besitzt über keine Rasenheizung.
Zur eigenen Verwunderung verliefen sich über 150 Interessierte, davon geschätzt 20 Deutsche, ohne irgendwelche Abstände auf die Traversen und schauten einem russischen Kind beim Spielen mit seiner Bazooka zu. So nah an der Grenze probt man eben früh für den Ernstfall. Die weiteren Hintergrundinfos sind jetzt auch nicht so interessant, zumal in der aus neun Mannschaften bestehenden 1. Līga keine großen Namen spielen. Mit den heutigen Gästen, dem Saldus SS / Leevon, gab’s mal wieder eine neue „Fussballschule“ zu bestaunen (Gründungsjahr 2019), während der FK Dinamo Riga bereits von 1940 bis 1961 existierte, in seiner jetzigen Form, wie auch im Vereinslogo verewigt, aber erst 2005 neugegründet wurde.
Tatsächlich gab’s während des Spiels sogar was auf die Ohren. Gäste reisten bestimmt um die 20 an, die dann auch eine Trommel und ein paar Klatschpappen mitbrachten. Mehr als unzählige „Leevon“-Rufe gabs von der sitzenden Meute aber nicht zu vermelden. Noch krasser war natürlich der Hardcore Dinamo Fan, der im Volloutfit mit seiner Trommel den Alleinunterhalter abgab und selbst Illertissen vor Neid erblassen ließ. Dabei malträtierte er die Trommel bei so gut wie jedem Pass des Gegners als auch bei Spielzügen Dinamos. So lange, bis seine Hand augenscheinlich Blasen schlug. Wahre Hingabe sag ich euch…
Leider suchte man einen Verpflegungsstand vergeblich, um sich die Grütze von Fussball irgendwie schönzusaufen. Da half nur die Tanke nebenan, an der sich zur Halbzeit lange Schlangen bildeten. Macht bei einem Supermarkt direkt neben der Seitenlinie auch irgendwie Sinn. Wie schon erwähnt, begeisterte uns der Kick nur so semi, an dessen Ende die Heimmannschaft im Kampf Letzter gegen Vorletzter die Nase vorn behielt. Lange nicht mehr so auf einen Schlusspfiff gefreut wie an diesem Tag…
Das war’s dann auch schon mit Fussball in Lettland, da man am letzten ganzen Tag lieber den Gang zum Strand antrat. Stellte sich, beim späteren Blick auf die Ergebnisse, auch als die bessere Entscheidung dar.
