HK Premier League: Southern District – HK Rangers

09.09.2017
2. Spieltag HK Premier League
Southern District RSA - HK Rangers FC
Aberdeen Sports Ground
Endergebnis: 2:1 (1:0)
Zuschauer: 326
Fotoalbum

Die Premier League bildet in Hongkong die höchste Spielklasse, trägt diesen Namen nach einer Restrukturierung aber erst seit 2014. Ihr Vorläufer, die First Division, gilt als älteste organisierte Fußballiga Asiens und existiert schon seit 1908. Alleiniger Rekordhalter in Sachen Meisterschaften ist South China AA mit 41 Titeln seit der Gründung der Liga. Momentan spielt der Club, aufgrund finanzieller Schwierigkeiten, allerdings nur zweitklassig.

Die jetzige Premier League beinhaltet nur zehn Teams, was natürlich stark auf die Anzahl der Spieltage innerhalb des Jahres drückt, da keine Doppelrunde gespielt wird. Erfreulicherweise werden die nur fünf stattfindenden Begegnungen an einem Wochenende so gut verteilt, dass man, bis auf wenige Ausnahmen, eigentlich allen beiwohnen könnte.

Auch für uns bildete das erste Wochenende die perfekte Gelegenheit, gleich zwei Stadien abzuhaken, von denen der Aberdeen Sports Ground im namensgebenden Stadtteil den Anfang machte. Mit Southern hatte man es zudem mit einem District-Team zu tun, welche für gewöhnlich eine größere Anhängerschaft um sich scharren können. Selbige konnte man auch schon im März diesen Jahres bei einem Pokalspiel begutachten, sodass dann doch kleinere Erwartungen in Sachen Stimmung aufkamen.

Von unserem Viertel ging es zunächst per MTR ins zentrale Admiralty, wo man die neue South Island Linie in Richtung Süden nahm. Am Ocean Park, einem Zoo/Vergnügungspark, endete auch schon die klimatisierte Fahrt. An der Station deckten wir uns noch mit eiskaltem Wasser ein, bevor uns das schwül-heiße Wetter am Ausgang härter als erwartet traf. Der zehnminütige Fußweg zu den Stadiontoren stellte sich als echte Tortur da. Der Schweiß stand auf der Stirn, während die Sonne ohne Erbarmen auf unsere Schädel brannte.

Am Eingang zur Anlage folgte dann die nächste Hiobsbotschaft: Aufgrund von Sturmschäden blieb die überdachte Haupttribüne geschlossen, lediglich die Gegenseite wurde geöffnet. Na klasse… Das Spiel wollte man dann trotzdem sehen, immerhin war man schon vor Ort.

Für 80 HK$ (etwa 9€) gabs das Ticket und die Gewissheit, dass man definitiv nicht ohne Sonnenbrand nach Hause fahren würde. Denn die Gegengerade lag in der prallen Sonne, gänzlich ohne Unterstellmöglichkeit. Den einzigen Zufluchtsort bildeten drei kleine Pavillons am Stadioneingang, von wo aus die Sicht als maximal unbefriedigend beschrieben werden konnte.

Nach ein paar Fotos liefen wir in Richtung Gegengerade und ließen uns in der obersten Reihe nieder. Doch selbst das Hinsetzen stellte ein Problem dar: Die Stahlböden und –bänke heizten sich so stark auf, dass man auch Eier darauf braten könnte. Somit gabs Hitze von Oben und von Unten, was man im Sitzen keine fünf Minuten aushielt.

Abseits des ganzen Lamentierens aufgrund des Wetters, was eben auch irgendwie zu erwarten war, bot das Stadion an sich aber auch einen ganz netten Anblick. Mit 9.000 Plätzen ist es das drittgrößte Stadion des Landes und verfügt, wie fast alle Anlagen, über eine extrabreite Laufbahn sowie diverse weitere Geräte der Leichtathletik. Ein schickes Holzdach ziert die Haupttribüne, die, wie die große Gegengerade, auf über 20 Sitzreihen kommt.

Eine alte, heruntergekommene Anzeigetafel an einem Ende des Platzes ist genauso Blickfang wie der Freizeitpark am anderen Ende, der die Anlage zusammen mit einer Autobahn einrahmt. Etwas störend empfand man die exakt 17 Flutlichtmasten im Stadion, die den Blick auf das Spielfeld so gut wie immer störten.

Das Stadion im südlichen Aberdeen ist seit vielen Jahren Heimspielstätte von Southern, die in den lezten Spielzeiten recht regelmäßig in der oberen Tabellenhälfte zu finden sind. Der Southern District RSA (Recreation & Sports Association Limited), so der volle Name, existiert erst seit 2002 und spielt seit 2011 in der höchsten Spielklasse. Als selbsternanntes „District-Team“ repräsentieren die Roten den südlichen Bezirk Hongkongs, was ihnen eine größere Anhängerschaft im ansonsten eher schwach besuchten lokalen Fussball verschafft.

In der Praxis bedeutet dies aber keineswegs ein ausverkauftes Haus, sondern vielmehr die Anwesenheit von Fanclubs und –gruppen, die ihre Mannschaft mit ein paar Fahnen und Gesängen unterstützen.

Auf der Gegenseite stand mit dem Rangers FC ein bekannter Name auf dem Rasen, der den seinen tatsächlich dem großen Vorbild aus Schottland verdankte. 1958 von einem Schotten gegründet, spielte der Club lange in der ersten Liga und schaffte 1971 sogar den Meistertitel. Dabei waren die Rangers der erste Club Hongkongs der auch auf ausländische Spieler setzte und mit professionellen Vereinsstrukturen glänzte. Auch wenn die sportlichen Erfolge schon viele Jahre vergangen sind, macht der Club noch heute durch seine exzellente Jugendarbeit auf sich aufmerksam. So viel aber zu den Hintergründen der beiden Teams.

Während man im weiten Rund keine erkennbaren Gästefans wahrnehmen konnte, versammelte sich ein kleiner Haufen Roter hinter einigen Bannern. Zu Beginn gabs zudem zwei Schwenkfahnen und einige Gesänge, die jedoch fast zeitgleich mit dem Anstoss wieder eingestellt wurden. Stattdessen setzten sich die Anhänger auf die Bänke und verfolgten das Spiel schweigend. Ein Hauptgrund dafür, und überhaupt auch für die enttäuschende Zuschauerzahl von gerade einmal 326 Nasen dürfte aber die geschlossene Tribüne gewesen sein.

Auf dem Rasen gab das favorisierte Southern ab Beginn den Ton an und startete gute Angriffe, wollte es aber schon zu früh erzwingen. Nach einer Schwalbe im Strafraum sah daher ein Stürmer der Roten die gelbe Karte anstelle des erwünschten Elfmeters. Die Gegenseite versuchte es vornehmlich mit Kontern, konnte damit aber keine Akzente setzen.

Nach gut zwanzig Minuten war das Wetter so unerträglich, dass wir die gute Sicht gegen einen schattigen Platz unter den Pavillons eintauschten. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Während sich die meisten Fans unter mitgebrachte Sonnenschirme flüchteten, steuerte der ereignisarme Kick langsam aber sicher in Richtung Halbzeitpause.

Immerhin das Verfolgen des Himmels brachte ein wenig Spannung, denn über den Bergen zogen plötzlich dunkle Wolken auf. Während man auf baldige Abkühlung hoffte, netzte Southern kurz vor der Pause aus dem Nichts zum 1:0, was auch gleichzeitig den Halbzeitstand bedeutete.

Mit dem Pausenpfiff öffneten sich alle Schleusen des Himmels und es schüttete ohne Ende. Glücklicherweise konnten wir unsere trockenen Plätze verteidigen und beobachteten die rennenden Massen, wie sie von der Gegengerade in Richtung Eingang liefen. Der geplante Gang zum Stadionkiosk wurde deshalb kurzerhand gestrichen, auf den paar Metern wäre man wohl sonst ertrunken.

Pünktlich zur zweiten Hälfte lies der Regen wieder nach, sodass man keine Angst um einen Abbruch hatte. Kurz nach Wiederanpfiff spielten die Gastgeber stark auf und erzielten das zweite Tor des Tages, bevor ab der 60. Minute der nächste Sturzregen über Aberdeen hinunter ging und jegliche Sicht nahm. Die Gäste nutzten die Verwirrung zunächst eiskalt aus und erzielten den Anschlusstreffer, was dem Spiel endlich zum nötigen Schwung verhalf.

Durch das viele Wasser und den fast schon unbespielbaren Rasen war zwar an schönes Passspiel nicht zu denken, allerdings wussten Zweikampfverhalten und der wiedererstarkte Willen beider Teams zu gefallen. Mit nachlassendem Regen stieg die Spielqualität auf ein nun mehr als ansprechendes Niveau.

Der harte Kern der Heimfans trotzte derweilen den Wetterkapriolen und blieb auf der Gegenseite, wo sie ihre Mannschaft mit einigen kurzen Schlachtrufen anfeuerten. Die Anzahl Supportwilliger überstieg jedoch in keinem Moment die Zahl Zehn, wodurch die ohnehin schon zagen Rufe teilweiße vom Regen überdeckt wurden.

Gegen Ende der Partie rannten beide Mannschaften fast ausschließlich nach vorne, wodurch das hin und her schon fast wie ein Tennis-Match wirkte. Dank der guten Verteidigung der Hausherren überstanden diese aber den Angriffsbemühungen der Rangers bis zum Schluss, sodass Southern als Sieger vom Platz ging.

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Die Feier mit den durchweichten Fans gestaltete sich denkbar kurz, ehe auch wir den Weg in Richtung Ausgang einschlugen. Nach kurzem Fußweg war man wieder an der Metro, die uns in einer guten Stunde zurück in unser Viertel brachte.