Länderspiel: Macau – Indien

05.09.2017
Asian-Cup Qualifikation
Macau - Indien
Estádio Campo Desportivo
Endergebnis: 0:2 (0:0)
Zuschauer: 600 (ca. 50 Gäste)
Fotoalbum

*Dingdingding* – ach, so ein Gewinn im Casino fühlt sich doch nochmal ein ganzes Stück besser an als an einem heimischen Automaten. Das Glück schien an diesem Tag auf unserer Seite zu sein, obwohl der schon seit langem geplante Besuch Macaus einige Tage zuvor noch auf der Kippe stand.

Auslöser für die Unsicherheit war ein verheerender Taifun, der das Land nur eine Woche vorher traf und weite Teile der Küstengegend verwüstete. Da die Aufräumarbeiten nur langsam vorangingen, blieb man lange Zeit skeptisch, ob unter diesen Umständen wirklich Fussball gespielt werden kann. Nachdem man die Nachrichten fast jeden Tag verfolgte, waren zum Glück Anzeichen der Besserung zu erkennen, woraufhin der lange geplante Besuch endlich stattfinden konnte.

Nichtsdestotrotz wurde der ursprüngliche Plan eines längeren Aufenthalts in einen Tagestrip umgewandelt. Dadurch machten wir uns schon früh morgens auf den Weg von unserer Bleibe in Hong Kong zur Fähre, mit der man in einer guten Stunde Macau erreichte. Den Tag verbrachte man zunächst auf der Nordinsel mit allerlei Touristischem, ehe wir nachmittags mit dem Bus auf die Südinsel Taipa fuhren.

Nach einer Tour durch ein paar Casinos gings per Taxi für weniger als drei Euro zum Stadion, vor dessen Haustür gerade eine neue Metrostation errichtet wird. Schon von Außen wirkt das Estádio Campo Desportivo bombastisch, auch wenn wir zunächst vergeblich den Eingang suchten. Nach ein paar Minuten wurden wir schließlich fündig und staunten nicht schlecht, als dort einfach Tickets für lau ausgehändigt wurden. Der schon ausgepackte Geldbeutel konnte erfreulicherweise wieder verstaut und die Treppen zum Eingang erklommen werden.

Beim Eintritt fiel dann erstmal die Kinnlade nach unten: Ein unglaublich geiles Stadion erstreckte sich vor unseren Augen, dass man so bei weitem nicht erwartet hätte. Komplett ausgebaut und mit vielen bunten Sitzen bestückt schon ein Anblick an sich, ist das Panorama hinter den beiden Toren noch das i-Tüpfelchen einer der schönsten Anlagen, die ich jemals besuchen durfte.

Während im Norden die typischen Wohntürme gegenseitig um die Wette ragen, befindet sich im Süden ein gigantisches, goldenes Casino. Gerade diese Perspektive hatte es uns richtig angetan, was man unschwer an den vielen Fotos erkennen kann.

Auch der Rest der 2005 runderneuerten Anlage wusste zu gefallen: So sind beide Seitentribünen überdacht, während die Haupttribüne als einzige doppelstöckig ausgebaut wurde. In deren Mitte befindet sich eine komplett verglaste VIP-Box, über welcher jedoch das Dach durch den Sturm beschädigt wurde.

Zum Spiel der Nationalmannschaft war, aufgrund des erwartet schwachen Andrangs, nur die Hälfte der 16.272 Plätze begehbar. Somit erkundete man das halbe Rund und schoss etliche Fotos, ehe man bemerkte, dass man fast alleine im Stadion war. Nicht nur das: Selbst der Rasen war noch verweist, einzig ein Spielertrainer baute gerade einen Hütchenparcours auf.

Moment, aber in zwanzig Minuten ist doch schon Anstoß? Müsste er selbigen nicht gerade abbauen? Wie es sich herausstellte, wurde die Partie einige Tage zuvor um eine Stunde nach hinten verlegt, wovon man natürlich nichts mehr mitbekam. Das brachte unseren Plan erstmal mächtig durcheinander, da man auch die Rückfahrt auf Grundlage der früheren Anstosszeit plante.

Das Zeitfenster nach dem Spiel, in dem man auch noch Abendessen wollte, schrumpfte somit um eine Stunde auf knapp 45 Minuten, in denen man nicht nur am Fährenterminal in Taipa ankommen, sondern auch durch die Passkontrolle musste. Ach, wird schon klappen. Dann nimmt man eben nochmal ein Taxi.

Zumindest das Abendessen ließ sich ohne Probleme vorverlegen, weshalb man das Stadion wieder verließ. Bei freiem Eintritt musste man sowieso keine Angst haben, mit den vorhandenen Tickets nicht mehr reinzukommen. Nach gutem Futter im nahen Viertel gings wieder zurück, wo man den Anstoß leider knapp verpasste. Was solls, denn auf den Tribünen war sowieso nichts los.

Gut 600 Zuschauer wollten sich das Qualifikationsspiel für die Asienmeisterschaft 2019 ansehen, wovon sogar gut 50 Inder mit ein paar Fahnen anreisten. Während die Gäste sogar ab und an einen kurzen Gesang anstimmten, verspeisten die Heimfans in aller Stille ihr mitgebrachtes Abendessen in einer Art großem Picknick.

In der Nordkurve versammelte sich nach kurzer Zeit eine Gruppe Iren mit mitgebrachter Macau-Fahne, die ab und an einen Gesang im britischen Stil anstimmten. Das einzige Ziel der Jungs schien jedoch der Bierstand unter der Tribüne gewesen zu sein. Nach einigem Umherlaufen entschieden wir uns für Plätze unweit der Eckfahne, natürlich aufgrund des Blickes auf das Casino dahinter. Bei Nacht wirkte die Anlage sogar noch ein Stück geiler, nicht zuletzt aufgrund der Lichtershow auf dem Strip, die man so verfolgen konnte.

Die Sitze waren indes sehr bequem und verfügten nicht nur über Getränkehalter, sondern auch überall über Armlehnen. Während wir von unseren Plätzen aus das muntere Treiben auf dem Rasen verfolgten, hatte der Reinigungsdienst alle Hände voll zu tun, denn durch die subtropische, schwül-warme Luft liefen sämtliche Scheiben der VIP-Boxen ständig von Außen an. Zwei bemitleidenswerten Gestalten wischten die Fenster das gesamte Spiel über trocken, kamen dabei aber nie wirklich zu einer Pause, denn wenn sie an einem Ende angelangt waren, mussten sie von der anderen wieder anfangen. Bei Temperaturen von knapp 35 Grad und einer Luftfeuchte jenseits der 90% mit Sicherheit kein Traumjob.

Das Gleiche kann man auch über die Arbeit der Akteure auf dem Rasen an diesem Abend behaupten. Während uns schon vom bloßen Zusehen der Schweiß auf der Stirn stand, sind die Spieler aus Macau und insbesondere Indien eher an die Wetterverhältnisse gewöhnt, weshalb man gerade von den hochfavorisierten Gästen ein schnelles Spiel erwartete.

Doch anfangs waren es die Hausherren, die mit frechem Angriffsfussball besser gefielen. Nichtsdestotrotz hatte Indien stets das Heft in der Hand, konnte aber selbst nur selten Offensivaktionen generieren, die zudem von der guten Abwehr der Gastgeber (oder der Querlatte) vereitelt wurden. Mit gemächlichem Tempo und ohne viele Höhepunkte gings deshalb in die Halbzeitpause.

Der zweite Durchgang startete ähnlich, bevor die Gäste anscheinend ernst machten. Nach einem weiteren Aluminiumtreffer netzten die Gäste in der 57. Minute zum verdienten 1:0. Der Gästeblock tobte für kurze Zeit, fast alle Inder rannten hinunter zum Zaun und feierten ihre Spieler. Auch danach gabs ein bisschen mehr Krach von den Gästen und eine große Schwenkfahne fürs Auge.

Die verdiente Führung für Indien war aber kein Grund für die Anhänger des Fussballzwergs Macau, die Köpfe hängen zu lassen. Im Gegenteil: Im mit circa 500 Fans gefüllten Heimblock gingen plötzlich mehrere Wellen durch den Block, dazu gabs kurze Schlachtrufe. Das Publikum zeigte sich überraschend willig und machte fast geschlossen bei allem mit, was irgendwer irgendwo anstimmte. Das kleine Grüppchen Iren nutzte die Gunst der Stunde und zog von der Kurve zu den anderen Fans und startete einige Anfeuerungsversuche. Nach gut fünf Minuten endete der kurze Ausflug in Sachen Stimmung wieder und man konnte sich relativ nüchtern dem Geschehen auf dem Rasen widmen.

Nach dem Gegentor zogen sich die Gastgeber weiter in ihren eigenen Strafraum zurück, was den ohnehin schon spielbestimmenden Indern noch mehr in die Karten spielte. Dennoch dauerte es bis zur 82. Minute, ehe die Gäste nach einem klasse Lupfer über den Torwart das zweite Tor bejubeln durften, was gleichzeitig den Endstand der Partie bedeutete.

Kurz vor Abpfiff des Spiels mussten wir leider schon Abschied vom schönen Stadion nehmen, da die Zeit bis zur Abfahrt der Fähre sowieso schon knapp schien. Die Taxisuche vor den Stadiontoren stellte sich jedoch als nächste Herausforderung heraus, da so ziemlich alle Taxis ausschließlich auf der anderen Seite der vierspurigen Straße unterwegs waren. Mit Hilfe eines herbeieilenden Ordners gelang es nach mehr als fünf langen Minuten, endlich ein leeres Taxi auf uns aufmerksam zu machen.

Ab da an schien alles besser, da der Fahrer sich die Attribute „schnell“ und „wir habens eilig“ zu Herzen nahm und mit über 100 durch die Stadt in Richtung Fährenterminal in Taipa raste. Überraschend schnell erreichten wir selbiges und liefen strammen Schrittes in Richtung Passkontrolle, die ebenfalls in Windeseile passiert werden konnte.

Am Ende hatten wir noch gut zehn Minuten auf der Uhr, in denen man sichs auf den Bänken vorm Gate bequem machte. Rückblickend hätte es wohl auch gereicht, wenn man das Spiel zu Ende geschaut hätte, von welchem man jedoch ebenfalls nichts aufregendes verpasste. Eher war man mit der gewählten Strategie in diesem Moment mehr als glücklich, da man zum ersten Mal seit mehreren Stunden in den Genuss einer Klimaanlage kam.

Der Schweiß trocknete so langsam, während die Bilder des Stadions vor dem leuchtenden Casino noch lange im Kopf blieben. Auf der einstündigen Rückreise widmete man sich noch dem Sortieren der Fotos des Tages, ehe man das hell leuchtende Hongkong wieder erblickte. Eine weitere halbe Stunde später erreichten wir endlich wieder unsere Bleibe, wo die kalte Dusche schon sehnsüchtig auf uns wartete.

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Am Ende blieb ein sehr anstrengender Tag in Erinnerung sowie ein Stadion, was man so schnell nicht mehr vergessen wird. In den Tagen danach ließen wir es etwas langsamer angehen, bevor auch schon die nächsten Spiele in Hongkong anstanden.