27.06.2026
13. Spieltag Veikkausliiga
HJK - Kuopion PS
Töölön jalkapallostadion
Endergebnis: 0:4 (0:1)
Zuschauer: 6.748 (500 Gäste)
Ticket: 20,88€
Auch wenn der Flughafen in Dublin mit einigen anderen Optionen aufwartete, schlürfte ich am frühen Morgen dann doch wieder am bekannten, weiß-dunkelroten Becher der Kette Pret. Die anderthalbe Stunde Fahrt nach dem frühen Aufstehen steckte tief in den Knochen, zumal sich noch einiges an Restalkohol von der vorabendlichen Bierverkostung in die Müdigkeit mischte. Immerhin am Gate konnten die Beine etwas gestreckt werden, ehe wir die Maschine von Finnair, bzw. Jettime bestiegen. Drei Stunden sollte der Flug bis nach Helsinki dauern, woraus am Ende leider etwas über vier wurden. Dazu noch zwei Stunden Zeitverschiebung, sodass der Tag auf der Uhr fast schon vorüber war, als wir in Vantaa landeten.
Immerhin mussten wir so nur kurz auf unseren Fahrer warten, der unser Grüppchen ergänzte, sodass es eingepfercht zu fünft über die weitläufigen, finnischen Autobahnen gen Norden ging. Im Örtchen Valkeakoski machten wir für den Abend halt, allerdings nicht für eine Partie des heimischen FC Haka, sondern für etwas Kultur in Form eines aufgeführten Theaterstücks des nunmehr sechsten im Bunde, der unsere Reisegruppe für die folgenden Tage vervollständigte. Danke an die Einladung, denn wo kommt man schon in den Genuss von finnischer Kleinkunst?

Nach kurzer Rast in Tampere trudelten wir schließlich gegen Mitternacht in unserer Bleibe am Ufer des großen Näsijärvi ein. Eine gemietete Hütte, direkt am See und mitten im Wald. Fast zehn Kilometer bis zur nächsten Landstraße und weitab jeglicher Zivilisation. Kurzum: Genau der richtige Ort für zwei entspannte Tage! Entsprechend genossen wir den kompletten Donnerstag wie auch Freitag bei knapp 20 Grad auf und im Wasser, beim Grillen, bei der Verköstigung der schmackhaften, lokalen Bierauswahl sowie in der Sauna. Abschalten und genießen lautete das Motto rund um die längsten Tage des Jahres, an denen selbst um ein Uhr nachts noch locker ohne Scheinwerfer gefahren werden könnte.
Erst samstags kamen wir wieder unter Menschen, dann aber gleich in wortwörtlich vollen Zügen. Mit der Bahn ging es am Vormittag in gut zwei Stunden hinab in die Hauptstadt Helsinki, wo uns, wie schon 2023 in Oslo, das Ausmaß einer vorab verschlafenen Recherche auf der Straße als auch bei den Hotelpreisen um die Ohren flog. Juni und Juli sind zwar sicherlich die besten Zeitpunkte für Städtetrips in Nordeuropa, aber eben auch gewöhnliche Daten für die Pride Parades. Sprich: Die Städte platzen aus allen Nähten. Nur mühsam konnten wir vorab fürs Wochenende eine einigermaßen bezahlbare Unterkunft ergattern, die wir glücklicherweise recht zentrumsnah erreichten. Dass die eine Nacht dann soviel kostete wie eine Woche Tschechien war die Kröte, die wir für den anvisierten Länderpunkt letztlich schlucken mussten.
Zu diesem ging es kurz nach dem Check-in via Bolt, zumal die Straßenbahnen aufgrund der Parade kaum vorhersehbare Linien fuhren und sich die Preise eh die Waage hielten. Entsprechend fix und entspannt setzte uns das grüne Gefährt nur Meter vom heutigen Spielort ab: Dem Töölön jalkapallostadion, gemeinhin auch bekannt als Bolt Arena. Im Schatten des großen Olympiastadions sicherlich eine der bekanntesten Buden des Landes, in der mit HJK der bekannteste Verein Finnlands beheimatet ist. Von diesem schnappten wir uns auch gleich einen Schal im kleinen Fanshop, ehe wir in Richtung Gegengerade schlenderten.

Schon von Außen wirkte die Bude recht einmalig, wobei gleiches über die Preisgestaltung an den Verpflegungsständen gesagt werden kann. Ein Zehner war mir ein Bier beileibe nicht wert und auch die aufgerufenen Gebühren für Fressalien stellten selbst die Schweiz in den Schatten. Wenngleich die Ticketpreise recht ok gehen, hauen dir Hunger und Durst in einem finnischen Stadion ein ordentliches Loch in die Reisekasse. Danke, aber nein danke. Dagegen überzeugte die Bude von unseren Plätzen durchaus.
Zwar ist der im Jahr 2000 eröffnete All-Seater mit 10.770 Plätzen absolut keine Wucht im Sinne der Größe, wirkt jedoch wie aus einem Guss und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Hervor sticht vor allem die doppelstöckig errichtete Haupttribüne mit über den Rängen hinausragendem Dach, während das restliche Rund etwas kleiner ausfällt. Die braunen Sitze in Holzoptik an den Seiten waren jedoch etwas gewöhnungsbedürftig im sonst blau-weiß gehaltenen Bau.
Ein paar Worte noch zu HJK, dem Helsingin jalkapalloklubi (Helsinkier Fußballklub): 1907 gegründet, in den Farben Blau und Weiß aktiv und mit 33 Meisterschaften so dominant wie Bayern in der Heimat, wenngleich in den letzten Jahren doch so einige andere Clubs an der Vormachtstellung der Hauptstädter rüttelten. Nicht zuletzt die heutigen Gäste aus Kuopion, dem Meister der vergangenen beiden Spielzeiten, die auch in dieser noch recht jungen Spielzeit erneut vor HJK rangierten.

Soweit die Ausgangslage, doch so wirklich ausmalen konnte ich mir die Geschichte rund um Zuschauerandrang als auch Atmosphäre im Vorfeld nicht. Die Zuschauerzahlen aus den letzten Jahren rangierten eigentlich immer im niedrigen, vierstelligen Bereich und Fußball generell schien in Finnland jetzt nicht die Massen ans meist künstliche Geläuf zu ziehen. Joa, da lag die eigene Messlatte in Sachen Erwartungshaltung am Ende ein paar Stufen zu tief, denn so positiv überrascht wurde ich schon lange nicht mehr. Anscheinend geht derzeit ein echter Boom durch die finnische Liga und auch heute vermeldete HJK bereits am frühen Vormittag ein erhöhtes Aufkommen. Die 6.748 Nasen sollten am Ende sogar die bisher größte Saisonkulisse der kompletten Liga stellen.
Einen Gästeblock suchten wir allerdings vergeblich, wenngleich sich gut 500 der gelb-schwarzen Anhänger der Gäste auf der Gegengeraden in unserer unmittelbaren Nachbarschaft und in anderen Bereichen unters Volk mischten. Den Grund bekamen wir erst im Nachhinein mit: Anscheinend müssen Gästetickets bei HJK ab dieser Saison personalisiert werden, weshalb sämtliche Fanszenen des Landes derzeit die Auswärtsspiele beim Rekordmeister boykottieren. Probleme, wie ich sie ausgerechnet hier nicht vermutet hätte. Somit können und konnten wir wenig zum Anhang von KuPS sagen, da die vorhandenen Fans nur ab und an durch kurze Schlachtrufe auffielen.
Umso mehr lag der Fokus auf der für uns bisher noch unbekannten Kurve von HJK, in der sich frühzeitig ein recht ordentlicher Mob abzeichnete. Angeflaggt wurde dabei hinter einem stählernen Podest, das etwas Ähnlichkeiten mit einem Hochregallager aufwies, heute aber keine Benutzung fand. Dafür war der optische Tifo dahinter umso stimmiger. Angefangen bei den Fetzen rund um die führende Gruppe „Usual Suspects Helsinki“ bis hin zu den zahlreichen, teils selbstgemalten Schwenkern und Doppelhaltern machte die Kurve einen mehr als soliden Eindruck. Dazu noch die Schalparade bei der Hymne, die außerhalb der Kurve aber keinen großen Anklang finden sollte. Abseits der beiden zentralen Blöcke der Kurve war generell pures Fußballschauen angesagt.

Dafür überzeugte der aktive Haufen umso mehr! Raue, tiefe Stimmen, die leicht an Polen erinnerten, trugen das durchaus melodisch geratene Liedgut mit einer starken Konstanz über den Rasen und erzeugten, hauptsächlich bei Schlachtrufen, eine durchaus schlagkräftige Atmosphäre. Mit so einem Auftritt hätten wir beileibe nicht gerechnet, wenn ich ehrlich bin. Hut ab!
Denn sportlich geriet HJK auf dem Platz gehörig unter die Räder. Nach einer frühen roten Karte für die Hausherren ging diesen im zweiten Durchgang komplett die Puste aus, sodass KuPS den Kantersieg eintüten durfte. Der Support der Heimseite hielt dennoch bis zum Schlusspfiff an – allerdings auch keine Sekunde länger. In einem Affenzahn wurden Fahnen und Banner eingerollt und anschließend die Blöcke geräumt, noch bevor auch nur ein Kicker der Hausherren den ersten Fuß in Richtung Kurve wagte. Eine durchaus gehörige Ansage an die Mannschaft nach diesem schwachen Auftritt.
Die versprengt sitzenden Gäste feierten hingegen mit den eigenen Mannen die drei Punkte, während wir uns wieder auf den Weg gen Ausgang machten. Mit Länderpunkt Nummer 33 im Gepäck enterten wir erneut ein Gefährt der Firma Bolt und machten uns auf den Weg gen Viertel Kruununhaka, wo wir auf den Rest der Truppe stießen und den Abend im Laden namens Ravintola Kolme Kruunua ordentlich begossen. Feinste Spezialitäten vom Wild und anderem Getier, dem man auf den weitläufigen Landstraßen im finnischen Norden nicht begegnen möchte, wanderten von den Tellern hinab in unsere Mägen. Guter Laden, wenn auch recht bekannt.

Die Uhr zeigte derweil nur noch eine Stunde bis Mitternacht, was uns beim Blick gen Himmel aber nur bedingt auffiel. Das helle Zwielicht rund um Mittsommer nutzten wir daher für einen ausgedehnten Spaziergang entlang des Hafens, schauten sowohl bei der Uspenski-Kathedrale als auch am weißen Dom zu Helsinki vorbei und latschten durch das noch immer wilde und bunte Treiben der Hauptstadt. Da war um Mitternacht noch mehr auf den Straßen los als in manch anderer Großstadt zur besten Mittagszeit.
Die positiven Eindrücke bestätigten sich auch am folgenden Sonntag, dem letzten Tag unserer gesamten Reise. Frühstück in einem Café am Esplanadi und anschließend eine Runde gedreht bis zum Kaivopuisto, ehe es so langsam gen Hauptbahnhof ging. Von dort aus brachte uns eine S-Bahn in gut 20 Minuten zum Flughafen Vantaa, wo erneut der Joker namens gesammelte Meilen gezogen werden konnte. Denn der Kranich verschleuderte mal eben die Business-Klasse für recht wenige der angehäuften Punkte und die Zuzahlung hatten wir alleine durch den Besuch der inkludierten Lounge zwecks Mittagessen wieder raus. Nimmt man dann gerne mal mit! Entsprechend ungewohnt vielfältig dann auch das Verpflegungsangebot während des gut dreistündigen Fluges, ehe die Vorfeldposition am Frankfurter Flughafen uns direkt in den Genuss der abartigen Hitze kommen ließ. Mal eben 20 Grad mehr, während auch der Gedanke an die gebackene Dachgeschosswohnung wenig Lust aufs Nachhausekommen versprühte. Naja, aber die beste Woche für einen Trip in den Norden war es trotzdem!
Denn auch Finnland hat uns absolut begeistert. Vor allem die wunderschönen Wälder rund um die Seen, die idyllischer kaum liegen könnten, hatten es uns echt angetan. Zudem hinterließ Helsinki einen durchaus sehenswerten Eindruck, während auch einige andere Ecken wie Tampere beim Vorbeifahren auf die imaginäre Liste der interessanten Ziele wanderten. Gut möglich, dass wir auch diese Gefilde zur alljährlichen Flucht vor der heißesten Woche erneut aufsuchen werden!































