League of Ireland Premier Division: Shelbourne FC – Bohemian FC

22.06.2026
25. Spieltag League of Ireland Premier Division
Shelbourne FC - Bohemian FC
Tolka Park
Endergebnis: 0:3 (0:2)
Zuschauer: 5.329 (1.000 Gäste)
Ticket: 45€

Rückblickend kann ich gar nicht so recht fassen, wie viel Glück wir mit dem Juni-Trip hatten. Während in der Heimat die Straßen und Schienen bei immer neuen Temperaturrekorden wegschmolzen, flanierten wir bei gemütlichen 20 Grad durch Nordeuropa und genossen jede auffrischende Windböe, stets mit Gedanken an den eigenen Glutofen namens Dachgeschosswohnung in der Heimat. Aber der Reihe nach. Zog es uns in den vergangenen beiden Sommerpausen jeweils nach Japan, flog diese Option aufgrund des umgestellten Spielplans und der damit auch in Fernost geltenden Pause früh vom Tisch. Also kehrte erneut Europa in den Fokus und somit natürlich der Norden, in dem traditionell im Juni wie auch Juli beinahe durchgespielt wird.

Die temperaturtechnisch milderen Gefilde waren dabei bereits eines der Argumente, während auch die gute Bierauswahl durchweg für eine Reise gen Norden sprach. Finnland hatten wir dabei, auch aus familiären Gründen, schon länger auf dem Zettel und sollte angesteuert werden, erwies sich allerdings für die Gesamtheit der geplanten neun Tage als finanziell nur schwer stemmbar. Also wurde der Trip kurzerhand geteilt und für den Start im illustren Kreis der Nachbarländer geforscht. Problem dabei: Sowohl Schweden als auch Norwegen kickten bei der Verbrecher-WM überm Teich und pausierten somit ihre Ligen und waren daher raus. Noch weiter nördlich hebelte die Argumentation rund um Kohle sparen aus und hinter den Kaukasus lohnte sich zeitlich nicht, blieb nur noch… Irland? Ja, warum denn eigentlich nicht?

Die grüne Insel – Sehnsuchtsort für alle, denen Australien oder Neuseeland nach dem Abi zu weit entfernt liegt. Spaß beiseite, denn auch uns reizten die Städte und Landschaften, weshalb wir überglücklich waren, dass sowohl der anstehende Dreiecksflug (Frankfurt – Dublin – Helsinki – Frankfurt) Sinn ergab als auch der Spielplan den oben genannten Leckerbissen für uns parat hielt. Voller Vorfreude verließen wir daher an einem Samstagmorgen deutlich früher als nötig die stickig warme Wohnung und setzten zum Frankfurter Flughafen über, dessen Klimaanlagen-Eldorado nicht nur für die dringend benötigte Abkühlung sorgte, sondern die Körper auch gleich an die kommenden Tage gewöhnen sollte.

Mit ‘nem Flughafenbier intus verging die Zeit bis zum Abflug wie im Flug (Wortspiel, höhö), ehe uns der Kranich beinahe für lau, den angesparten Meilen sei Dank, bis zum Flughafen Dublin chauffierte. Dort noch kurz auf den Rest der Truppe gewartet, ehe es schließlich zu Viert mittels Mietwagen ins Landesinnere ging. Im Städtchen Mullingar fanden wir am späten Abend unsere nette Unterkunft, in der uns gleich am nächsten Morgen ein paar Kühe durchs Fenster grüßten. Landluft, grüne Wiesen und Ruhe – genau wie erhofft. Die zentrale Lage der Bleibe brachte auch den Vorteil, dass es weder zur West- noch zur Ostküste der Insel weiter als eine anderthalbe Stunde war.

So schauten wir uns sonntags das malerische Galway an, durchstöberten die bunten und mit Touristen gefluteten Gassen und entspannten am Pier beim Anblick einiger Delfine in der Bucht. Gemütlich schlenderten wir zudem entlang des River Corrib bis zur Kathedrale, speisten frische Meeresfrüchte bei einem frisch gezapften Guinness im Zentrum und genossen die sonnigen 20 Grad in der meiner Meinung nach schöneren Version von England. Nachdem am Abend das ein oder andere irische Rind auf den Grill wanderte, widmeten wir uns montags der Hauptstadt Dublin. Fix im Zentrum den Mietwagen abgeparkt, wurde eben jenes per Pedes ausgiebig erkundet.

Vom sehr touristischen Distrikt Temple Bar, über den St. Patrick’s Park bis zum St Stephen’s Green und dem Trinity College machte auch Dublin einen hervorragenden und vor allem gepflegt sauberen Eindruck, wie man ihn von den meisten englischen Städten nicht unbedingt mit nach Hause nimmt. Ich weiß, viele Vergleiche zur benachbarten Insel, doch architektonisch als auch vom Stadtbild allgemein gesprochen sind die Unterschiede wirklich minimal. Nur der vorherrschende Euro verschleiert die teils happigen Preise deutlich schlechter als das schwankende Pfund. Da werden teils wahrhafte Mondpreise für ein Pint aufgerufen, insbesondere in Zentrumsnähe.

Mit ordentlicher Vorfreude blickten wir anschließend der Abendunterhaltung des Montags entgegen, der, genau wie der Freitag, zu den traditionellen Spieltagen der hiesigen Premier Division zählt. Und die Liga hielt für uns einen echten Leckerbissen parat: Das Northside Derby zwischen den beiden Clubs Shelbourne und Bohemian aus dem Norden Dublins. Gerade einmal zwei Kilometer trennen die beiden Heimspielstätten voneinander, entsprechend groß die Rivalität, wobei das Gleiche über eigentlich alle Aufeinandertreffen der vier großen Teams aus der Hauptstadt gesagt werden kann.

Shelbourne meldete für den Abend ein volles Haus und wir hatten mitunter Schwierigkeiten, im nahen Wohngebiet noch einen einigermaßen legalen Parkplatz zu finden, ehe wir entlang der Allee aus Backsteinhäusern zum legendären Tolka Park stapften. Im Herzen des Viertels Drumcondra erblickten wir schließlich den alten Bau, dessen Tore wir ohne großartigen Kontrollen passierten. Lediglich das Ticket wurde gescannt, ehe wir uns frei auf allen drei Tribünen des Heimbereichs bewegen konnten. Eine wahrhaftige Perle, diese Bude.

Vom Blickfang schlechthin, dem nur mittig überdachten Riverside Stand auf der Gegenseite, der direkt am namensgebenden Fluss Tolka abschließt, über die gedrungene Haupttribüne namens Richmond Road bis zum jüngst frisch renovierten Drumcondra End, einer leicht neben dem Tor errichteten Tribüne, konnten wir uns in den ersten Minuten absolut nicht satt sehen an diesen so unterschiedlichen Seiten. Lediglich das Ballybough End für die Gäste wirkte aufgrund gesperrter Stufen und dem fehlenden Dach etwas unfertig, passte aber irgendwie dann doch ins Bild der dahinter situierten, bemalten Backsteinhäuser. Wie viele Nasen insgesamt ins Stadion passen bleibt mir jedoch auch nach dem Besuch ein Rätsel. Zwischen 5.400 und 6.500 schwankten alle als valide für 2026 angepriesenen Angaben.

Außerhalb von Derbys aber sowieso eine im irischen Fußball nur schwer zu erreichende Zahl, weshalb auch die Ticketbeschaffung für die abendliche Partie im Vorfeld keine große Herausforderung war. 23€ für freie Platzwahl, oder eben 45€ für unseren als Premium-Sitze verkauften Sektor in der Mitte der Richmond Road, der nicht nur beste Sicht auf Heim- und Gästefans beinhaltete, sondern ebenfalls die Verpflegung in der Halbzeitpause im kleinen VIP-Raum unter der Tribüne inkludierte. Allein für den perfekten Blickwinkel war es mir die Kohle wert, denn wer nimmt schon so viel Wegstrecke auf sich, nur um beim einzigen Kick zum Länderpunkt lediglich die Hälfte zu sehen? Einzig für die Beine war auf meinem „Padded Seat“ typischerweise kein Platz, sodass meine Knie permanent dem Vordermann im Nacken steckten.

Historisch betrachtet dominieren die vier Dubliner Vereine auch die irische Liga, wobei Shelbourne mit 14 Meistertiteln und 7 Pokalsiegen den geteilt zweiten Platz in der Tabelle der erfolgreichsten Vereine einnimmt. Bereits 1895 traten die Rot-Weißen gegen die Kugel, waren 1921 Gründungsmitglied der League of Ireland und gehörten dieser, bis auf eine zweijährige Unterbrechung in den 30er Jahren, bis 2006 durchgehend an. In 2006 folgte ausgerechnet auf eine Meisterschaft der Lizenzentzug und unruhige Jahre, die sich bis in dieses Jahrzehnt erstreckten. 2022 folgte der jüngste Aufstieg, ehe 2024 der nunmehr vierzehnte Meistertitel errungen wurde.

Genauso zahlreich wie Trophäen in der Vitrine ist auch der Anhang auf dem Riverside Stand vertreten, insbesondere geprägt durch die führenden Gruppen „Briogaid Dearg“ und „Boys 1895“. Gruppen? Ja, so ein wenig mehr Fankultur als auf der benachbarten Insel kann man Irland schon attestieren. Die genutzten Melodien sind zwar grundlegend die gleichen, doch wirkte alles ein bisschen weniger Casual, sondern mehr wie eine echte, ausgelebte Fankultur. So, wie sie auch in England vorherrschen könnte, wären da nicht Richtlinien, Sitzzwang, Preispolitik der Vereine, drakonische Strafen des Verbands…

Denn es brauchte nicht viel, um direkt zu Beginn ein ordentliches Bild zu produzieren. Zahlreiche schicke Schwenkfahnen erfüllten den großen Block, dazu flammten hier und da ein paar Fackeln auf dem Boden auf und sorgten für etwas Untermalung. Stark die ersten Gesänge unter dem tiefen Dach, die ohne Trommel über den Rasen schepperten. Ein vielversprechender Beginn, dessen Niveau leider nicht wirklich lange gehalten werden konnte. Zwar blitzte das Potenzial des Anhangs bei einigen Chancen hier und da mal auf, doch verhinderte wahrscheinlich der Spielverlauf ein stimmungsvolles Gesangsduell mit den Gästen. Sehr übersichtlich insgesamt auf der Heimseite. Leider.

Denn die Gäste vom Bohemian FC zeigten, was hier und heute hätte gehen können. Reichlich Rauch in Vereinsfarben und etliche Fackeln wurden zu Beginn als auch während des Spiels gezündet und teils wild gestikulierend gen Platz als auch Heimseite entsorgt, während die am äußersten Rand situierte Szene in weiten Teilen ordentlich am Rad drehte. Gute Zweidrittel der Partie wechselten sich die typischen englischen Chants mit ein paar kontinentaleuropäischen Melodien ab, die allerdings nicht nur eine Runde zirkulierten, sondern teils über Minuten gen Rasen schallten. Vor allem die Torjubel samt Sprint der gesamten Kurve zu den Geländern waren teils heftig krank, ebenso wie die danach angestimmten Gassenhauer. Das war um einiges besser als vorher ausgemalt!

In die Karten spielte den gut 1.000 Gästen natürlich auch der Spielverlauf und die frühe Führung, die vor der Pause sogar noch ausgebaut werden konnte. Shelbourne stemmte sich nach dem Pausentee zwar nochmal dagegen, doch das 0:3 gegen Ende besiegelte den sportlich absolut verdienten Auswärtserfolg der Gäste. Die setzten nach Schlusspfiff zu einer lautstarken Siegesfeier an, ehe wenig später auch die letzten Chants in der Montagnacht verstummten. Mit Länderpunkt Nummer 32 im Gepäck machten wir uns schließlich wieder auf den Weg zurück zur Bleibe.

Am Dienstag besuchten wir noch das malerische Städtchen Athlone im geographischen Zentrum der Insel und erfreuten uns an der intensiven Landluft bei der Fahrt durch die malerischen Landschaften, ehe am Mittwochvormittag die Fahrt zum Flughafen Dublin das erste Kapitel unserer Reise beendete. Dreieinhalb Tage waren selbstredend beileibe nicht genug, um wirklich viel von Irland zu erkunden. Doch selbst diese paar Eindrücke reichten aus, um den festen Entschluss zu fassen, hier in nicht allzu ferner Zukunft erneut aufzuschlagen. Die tollen Landschaften, die schönen Städte und nicht zuletzt die alten Stadien samt lebendiger Fankultur sind echte Anziehungspunkte, die uns wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren dem heißen Sommer in der Heimat entfliehen lassen werden!

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