2. Bundesliga: Hannover 96 – SV Elversberg

29.07.2023
1. Spieltag 2. Bundesliga
Hannover 96 - SV Elversberg
Niedersachsenstadion
Endergebnis: 2:2 (1:2)
Zuschauer: 29.200 (ca. 200 Gäste)
Ticket: 14€
Fotoalbum

Exakt acht Wochen, nachdem mit dem Double die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte abgeschlossen wurde, ertönte der Ruf des Unterhauses mit dem Auftaktspiel im Niedersachsenstadion gegen Hannover 96. Noch immer schwer zu fassen, gegen welche traditionsreiche Größen des deutschen Fußballs mein kleiner Heimatverein in dieser Spielzeit antreten wird. Logisch, dass wir die SVE auf einem Großteil dieser Reise begleiten werden, da es sich auch um ein auf Zeiten einmaliges Abenteuer handeln könnte, so viel Realismus bringen wir dann doch mit. Somit buchten wir uns, direkt mit Bekanntgabe der zeitgenauen Ansetzung des ersten Spieltags, für moderate 16€ pro Person und Strecke in einen Flixtrain und fieberten der frühen Abfahrt am Samstagmorgen entgegen.

Vom Frankfurter Westbahnhof ging es in knapp unter drei Stunden bis in die niedersächsische Landeshauptstadt, wobei unsere persönlich erste Tour mit dem grünen Fernverkehrsunternehmen auf der Schiene überraschend pünktlich und reibungslos über die Bühne ging. Einzig das Zusammentreffen zweier JGAs verschiedenen Geschlechts im sowieso schon übervollen Wagen stellte die Geduld am frühen Morgen auf die Probe. Werd ich mein Leben nicht verstehen, wie man sich nur so zum Affen machen kann. Pünktlich schließlich Hannover erreicht und ebenso fix mit der Stadtbahn in Richtung Stadionbrücke, wo eine kurze Regenpause für den Fußweg in Richtung Gästeblock genutzt werden konnte.

Gut neunzig Minuten vor Anpfiff enterten wir schließlich den S17 und erfreuten uns am tollen Blick auf die in meinen Augen äußerst schöne Bude aus einem der besten Gästeblöcke der Liga. Exakt 49.000 Plätze umfasst das Niedersachsenstadion derzeit, glänzt dabei allerdings mit einem sehr hohen Anteil an Sitzen. Abseits einiger Stufen im Oberrang der Nord erblickt man eigentlich nirgendwo Betonstufen, denn selbst der Gästeblock besteht aus einem „Safe Standing“ Bereich. Ausbaupotential somit sicherlich vorhanden. Ganz so voll wie bei unserem letzten Besuch im Jahr 2019, als sich hier Werder Bremen zu einem Bundesligamatch die Ehre gab, wird es derzeit im Unterhaus bei den 96ern aber sowieso nicht, auch wenn die heutige Kulisse den persönlichen Rekord für ein Spiel mit Elversberger Beteiligung aufstellte.

Bis zum Anpfiff verbrachte man die Zeit bei guter Currywurst, einigen Brauerzeugnissen der lokalen Gilde Brauerei sowie etlichen Gesprächen über die anstehende Saison. Schön, viele der bekannten Gesichter nach gut zwei Monaten nochmal zu sehen, da war man recht froh über das frühe Eintreffen vor Anpfiff. Währenddessen strömten exakt 29.200 Schaulustige auf die Traversen und gaben dem ersten Spieltag einen ordentlichen Rahmen, während im Gästeblock gut 200 für die schwarz-weißen Farben sangen. Aufgestellt am oberen Ende des verhältnismäßig viel zu großen Gästeblocks und per Plastikrohr-Konstruktion angeflaggt, präsentierte sich ein guter Haufen der Elversberger im kompakten Block, ließ einige Schwenker zu Beginn kreisen und lieferte einen durchgängigen Auftritt ab.

Ab und an losgelöst vom Spielgeschehen am Freidrehen, dann wiederum mit Einklatschen der Ecken eng an der Partie dran, erwischte der Haufen einen ordentlichen Auftritt, auch wenn zahlenmäßig zum ersten Zweitligaspiel der Vereinsgeschichte einige Nasen mehr den Weg nach Niedersachsen hätten finden können. Aber auch der kleine Haufen wurde mit einer unfassbar guten ersten Halbzeit belohnt, die viel nackte Haut in der schwülen Hitze aufblitzen ließ.

Und dennoch wirkte die gegenüberliegende Nordkurve wie eine andere Dimension. Bis auf den letzten Platz gefüllt, zeigte die Szene Rund um die Ultras Hannover eine starke Anfangsphase, die mit einem dichten Schalintro, etlichen Schwenkfahnen sowie einer kleinen Doppelhalter-Aktion der Gruppe Unterrang („Auf geht’s!“) ein tolles Bild abgab. Die ersten Lieder der neuen Spielzeit schepperten laut, die Wechselgesänge blieben tief im Gehörgang und auch die Klatscheinlagen, an denen sich über die Hälfte der Kurve beteiligte, ergaben ein eindrucksvolles Bild. Auch der optische Tifo bliebt durch viele große Schwenker über die volle Distanz auf ordentlichem Level, während der akustische Support spielbezogen im Verlauf des ersten Durchgangs stark nachließ.

Eine tolle Kurve, die meinen Eindruck aus 2019 nochmals bestätigte, und dass eine Liga tiefer gegen einen für die lokale Szene sicherlich unattraktiveren Gegner. Zwei Spruchbänder sollen auch noch Erwähnung finden: Einmal wurde der Sek SV Mut zugesprochen, das andere Mal sich für den Erhalt der Eintrittskarte ausgesprochen. Sicherlich ein wichtiges Thema, bietet der HSV doch gar keine Tageskasse mehr an. Ob man damit einfach nur Personalkosten sparen will oder scharf auf die Daten der Stadiongänger ist ist das eine, aber wer hebt sich schon gerne so einen ausgedruckten Wisch als Erinnerung auf?

Sportlich sollte es das erste Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften seit dem Erstrundensieg der SVE im DFB-Pokal 2010 sein, nun also Premiere in der Liga. Starten sollte es mit etlichen Angriffen der Heimseite, ehe sich das Spiel noch während des ersten Durchgangs in ein Offensivspektakel der SVE verwandelte. Großer Jubel nach dem ersten Zweitligator durch Marcel Correira, Ungläubigkeit nach dem 2:0 durch Neuzugang Faghir nur wenig später. Dann aber auch Frust pur, als der Unparteiische zur VAR-Entscheidung ansetzte und auf Strafstoß für die Hausherren entschied, die diesen zum Anschluss verwandelten. Elversberg blieb offensiv dran, doch im zweiten Durchgang ließ 96 seine Qualität aufblitzen und traf früh nach der Pause zum Ausgleich. Danach blieb es ein Spiel auf sportlich hohem Niveau und nach Chancen ausgeglichen.

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Trotz weiterer guter Spielzüge und einem Lattentreffer durch Faghir blieb es am Ende bei der Punkteteilung, die unterm Strich absolut in Ordnung ging. Allein das Gefühl, das hier ein Sieg drin gewesen wäre, beflügelte die Vorfreude auf die kommenden Wochen. Entsprechend lautstark verabschiedete der Gästeblock die eigenen Mannen auf dem Rasen, ehe schließlich die Rückreise anstand. Selbige wurde, nach kurzem Zwischenstopp am Hannoveraner Hauptbahnhof zwecks Nahrungsmittelaufnahme, ebenso unspektakulär mit dem grünen Zug zurück in die Mainmetropole bewältigt, sodass am Abend Düsseldorf gegen Hertha auf der Kiste flimmerte. Und ja, auch die spielen in unserer Liga. Es ist und bleibt unfassbar…