2. Bundesliga: SV Elversberg – FC Hansa Rostock

05.08.2023
2. Spieltag 2. Bundesliga
SV Elversberg - FC Hansa Rostock
Ludwigsparkstadion
Endergebnis: 1:2 (0:0)
Zuschauer: 8.371 (ca. 1.500 Gäste)
Ticket: Dauerkarte
Fotoalbum

Auch wenn es kein echtes Heimspiel war, freute man sich doch immens auf den ersten Zweitligauftritt der SVE im Saarland. Nicht zuletzt dank des guten Spiels in Hannover schöpfte man Hoffnungen auf den ersten Dreier, während auf den Rängen dank des Gegenübers aus Rostock sowieso genug geboten werden sollte. Leider wurde die Kaiserlinde, trotz des unfassbaren Kraftakts in der Sommerpause, nicht zum Saisonstart fertig, sodass es bereits zum dritten Mal in diesem Jahr in den Saarbrücker Ludwigspark ging. Für zusätzliche Spannung sorgte dabei der Verband, der nach Bekanntgabe des Zweitligaspielplans das Saarbrücker Gastspiel bei den Ulmer Spatzen auf den Sonntag legte. Da sich die beiden Szenen aus Saarbrücken und Rostock überaus gut riechen könne, erwartete man zumindest einen heißeren Nachmittag in und um die Innenstadt. Entgegen aller heraufbeschworener Weltuntergangsszenarien sollte es jedoch durchweg ruhig bleiben, so viel vorab.

Wir nutzten derweilen das ungewöhnliche Privileg der Anfahrt per Bahn, was via Deutschland-Ticket aus Frankfurt in gut drei Stunden via Bad Kreuznach ohne Probleme klappte. Mit dabei einige seltsame Gestalten wie ein mit der Korrektur einer Master-Thesis beschäftigten Profs, der währenddessen eine ganze Flasche Rotwein mit seinem mitgebrachten Glas wegpumpte. Das schreit doch nach einer guten Note! Ab St. Wendel füllte sich der Regionalexpress zusehends mit Elversberger Anhängern, was ich in der Form auch noch nicht erlebte. Einfach ein schönes Gefühl, dass die Fangemeinde Stück für Stück wächst! Nach drei Stunden erreichten wir schließlich den Saarbrücker Hauptbahnhof und stapften den altbekannten Weg hinauf zum Ludwigspark. Dieses Mal allerdings nicht zum Gästeblock, sondern zum Heimeingang, an dessen Pforten bereits etliche Busse aus Elversberg vorfuhren und die überraschend große Zahl an Heimanhängern ausspuckten.

Wir gesellten uns in die Virage Est, begrüßten die bekannten Gesichter und begaben uns wenig später auf eine kleine Foto-Tour, um das erste „Heim“spiel der SVE im Unterhaus aus möglichst vielen Winkeln zu begutachten. Die Elversberger Szene versammelte sich am linken Ende der Virage, flaggte im unteren Drittel des Blocks an und stellte einen der zahlenmäßig besten Mobs der vergangenen Jahre. Gerade anfangs passte so ziemlich alles: Die Schalparade zur Vereinshymne, einige Schwenker und Doppelhalter zum Einlaufen der Mannschaften sowie die ersten Gesänge, die mit einer für hiesige Verhältnisse unfassbaren Lautstärke über den Rasen schallten. Da musste ich teilweise schon zwei Mal hinschauen und -hören um zu begreifen, dass das hier der gleiche Verein ist, für dessen Farben vor zehn Jahren vielleicht 10-15 Leute sangen. In guten Momenten zog gut und gerne die halbe Kurve mit.

Klar war aber auch, dass das gute Niveau nicht lange gehalten werden konnte, sodass vor allem während der ersten Hälfte einige stillere Momente Einzug erhielten. Da fehlte schlichtweg Zug im Mob als auch der unbedingte Wille, einfach mal frei vom Spielverlauf abzudrehen. Im zweiten Durchgang steigerte sich dann aber die Kurve bis hin zur absoluten Ekstase nach der Führung, in der vor allem das „Seit 1907“ sowie das von Catania entlehnte „Vorwärts Schwarz-Weiß“ absolute Höhepunkte markierten. Insgesamt fehlte aber etwas die Abwechslung aufgrund der teils viel zu schnellen Wechsel sowie des Setzens auf die Gassenhauer, sodass das Gefühl aufkam, lediglich fünf Lieder im Repertoire zu haben. Gleichzeitig war der stark spielbezogene Support aber auch hoch emotional und riss sogar die recht volle Gegengerade mit. Allgemein noch ein dicker Daumen nach oben für die großartige Zuschauerzahl, die ich in Saarbrücken niemals so erwartet hätte. Da freu ich mich jetzt schon auf die nächsten Spiele an der Linde!

Erwartungen setzte man auch in den Gästeblock, die dieser von Anfang an erfüllte. Hinter einem schönen Zaun voller großer Fahnen der Hauptgruppen legten die Fans der Kogge mit bockstarkem Einklatschen und einigen Schlachtrufen los, bei denen sich beinahe alle der gut 1.500 beteiligten. Äußerst starke Zahl für die längste Fahrt des Jahres! Auch danach behielten die Gäste ganz klar die Stimmhoheit im Ludwigspark. Mit einfachen, dafür umso lauteren Gesängen wurde den blau-weiß-roten Farben gehuldigt, dem Morgengrauen entgegen gefahren und der zahlreich anwesenden Staatsmacht innige Liebesbekundungen entgegen geschmettert. Ein sehr starker Auftritt, der rein durch die großartige Lautstärke bestach. Denn Schwenkfahnen suchte man, typisch für Rostock, vergebens, während die dichte Schalparade im zweiten Durchgang das optische Highlight markierte.

Sportlich wurde man Zeuge eines der verrücktesten Spiele der gesamten Fankarriere. Wobei, eigentlich könnte man das fast genau vor zehn Jahren bestrittene Duell zu Rate ziehen. Auch damals musste die SVE für ihr erstes Drittligaspiel nach Saarbrücken ausweichen, auch damals ging es gegen Rostock, auch damals nahm Hansa mit einem 1:2 alle Punkte mit an die Ostsee. Doch sicherlich war die damalige Niederlage nicht so bitter wie die Heutige. Elversberg erspielte sich etliche Chancen, erzielte im ersten Durchgang einen Abseitstreffer und blieb auf Augenhöhe, wenn nicht sogar spielbestimmend. Die Führung durch Sickinger vor der eigenen Kurve kurz nach Wiederanpfiff sorgte für Freude pur über die Belohnung der eigenen Leistung, während Elversberg auch danach dominant und spielbestimmend blieb.

Bis, ja, bis zur 90. Minute. Foulelfmeter für die SVE, Rochelt schnappt sich die Kugel, darf nach elend langer VAR-Kontrolle antreten und setzt das Ding direkt auf den Schlussmann. Faghir netzt zwar den Abpraller in die Maschen, doch das 2:0 wird nach erneuter VAR-Entscheidung zurückgenommen. Grund: Faghir war bei Ausführung einen Schritt zu schnell im Sechzehner. Bitter. Danach lief Rostock weiter an, Elversberg konterte und hatte durch Boyamba erneut die Chance, den Sack zu zumachen. Oder Zeit durch eine Ecke rauszuspielen. Es wurde nichts mit beidem, denn plötzlich klingelte es im eigenen Gehäuse. Bitter. Wieder VAR, doch der Treffer zählte. Also alles nach vorne nach Anpfiff – Fehlpass – wieder Rostocks Perea am Ball – 1:2. Unfassbar bitter… Elversberg gibt den sicher geglaubten und ebenso verdienten Sieg durch zwei Gegentore in den Minuten 90+10 und 90+13 aus der Hand. Das tat weh und der Schmerz sollte lange halten. Selten, wenn überhaupt, wurde ein Spiel auf diese Art und Weise verloren.

Wem soll man da einen Vorwurf machen? Wenn überhaupt hoffe ich, dass es einen Lerneffekt bei der eigenen Mannschaft auslöst. In dieser Liga kannst du eben in zwei Spielen führen, die deutlich bessere Mannschaft sein, doch am Ende nur mit einem Punkt da stehen. Zum Glück, muss man sagen, kommt exakt so eine Niederlage sehr früh in der Saison. Da bleibt noch viel Hoffnung, dass die Jungs abgezockter werden, um solche Spiele in Zukunft für sich zu entscheiden. Die Qualität stimmt nämlich, sportlich mithalten konnte man bisher ohne Probleme. Und alles andere als Abstiegskampf wird’s diese Saison sowieso nicht geben.

Hier gibt’s weitere Bilder!

Mit diesen Gedanken ging’s in nahezu Totenstille hinaus aus dem Stadion, am Überaufgebot der Cops vorbei und hinab zum Bahnhof, an dem die Behelmten uns beinahe nicht zum Zug ließen. Da allerdings nicht alle Aufgänge bewacht wurden, schafften wir es dennoch in den Regionalexpress und tourten schließlich via Mannheim zurück in die Mainmetropole. Nach einer ordentlichen Grillplatte und etwas Hochprozentigem sah die Welt auch schon wieder anders aus. Es geht bekanntlich nur nach Vorne und nie zurück!