28.02.2026
24. Spieltag 2. Bundesliga
Holstein Kiel - SV Elversberg
Holstein-Stadion
Endergebnis: 1:1 (0:0)
Zuschauer: 12.086 (270 Gäste)
Ticket: 17,60€
Ganz so schön wie am Vortag wirkte der Himmel am Samstagmorgen zwar nicht, doch spätestens nach dem ersten Franzbrötchen war die Laune wieder auf dem Höhepunkt. Da konnten selbst Streik, Streckensperrungen und Baustellen dem Optimismus wenig entgegensetzen, wenngleich sich die Anreise nach Kiel deutlich ziehen sollte. Von der Unterkunft in der Lübecker Straße zunächst zum Bahnhof, dann nach Altona, dann nach Pinneberg, wo das Chaos aus Zügen, die allesamt mehr oder weniger ohne Zeitplan gen Norden fuhren, kaum zu durchschauen war. Selbstredend setzten wir uns in genau den Zug, der als letzter losfuhr… egal, denn auch die letzte Stunde bis Kiel war relativ schnell abgebummelt. Schließlich brachte uns ein Shuttle bis in die unmittelbare Nähe des Holstein-Stadions, dessen große, neugebaute Tribüne von außen noch immer wie ein Hochregallager wirkt. Bin sehr auf den hier bald startenden Neubau gespannt, denn besser kann dieser Flickenteppich aus Stahlrohr eigentlich auf alle Fälle nur werden.
Der aufkommende Hunger freute sich nach der laschen Kontrolle über wahlweise eine ordentliche Bratwurst oder eine gute Frikadelle im frisch gegrillten und äußerst krossen Brötchen, das für mich sogar das Beste an der Geschichte war. Einzig die nicht vorhandenen Fischbrötchen hier im Norden enttäuschten sehr. Da fährst du so weit und bekommst trotzdem nur Standard-Ware statt regionaler Leckerbissen… Gut war derweil der Blick aus dem verlegten Gästeblock, der nun quasi wieder auf der Seite der alten Kurve situiert ist. Drittes Mal im Kieler Gästeblock, drittes Mal woanders. Nimmt hier langsam Züge an wie in Elversberg, hehe.
Neben der guten Sicht hatte der Block heute den Vorteil der wärmenden Sonne, die, untypisch für Ende Februar, bereits mit viel Kraft das Tragen der Jacke ad absurdum führte. Dazu ertönte zu den ersten Sonnenstrahlen des Mittags auch noch die eigene Hymne, ehe das fetzige Vereinslied der KSV die recht volle Bude für den anstehenden Anstoß einheizte. Den verbrachte die heimische Kurve zunächst überraschend leise. Mittels unzähligen Spruchbändern wurde dem in der Vorwoche entlassenen Trainer Marcel Rapp gedankt, der Holstein bekanntermaßen bis in die Bundesliga führte und somit maßgeblich die Geschichte der Störche prägte. Erst nach einigen das ganze Stadion füllenden Sprechchören, die den emotionalen Höhepunkt der Verabschiedung markierten, ging die Kurve schließlich in den üblichen Spielsupport über.

Auffällig war hier selbstverständlich die Mitte der Kurve, die mit äußerst dichtem Materialeinsatz punktete. Da wehte in so ziemlich jeder möglichen Ecke eine Fahne. Auf den Bereich fokussierte sich auch die durchgängige Mitmachquote, die allerdings nur selten die Traversen neben den Mundlöchern überstieg. Bei Klatscheinlagen und Gassenhauern sowie den zahlreichen Wechselgesängen war gerne mal die ganze Kurve dabei, während das melodische und textlastigere Liedgut kaum auf der Gegenseite zu vernehmen war. Kann auch an Gegner oder der sportlichen Situation gelegen haben, doch viel hängen blieb bei uns ehrlicherweise nicht.
Im Gästeblock machten sich derweil 270 Saarländer breit. In Zahlen und für die zweite Liga natürlich nix, für Elversberg und die Distanz von fast 750 Kilometern einfacher Strecke eine absolut ordentliche Menge. Der Support erinnerte dabei allerdings eher an einen der guten Tage in der Regionalliga vor 5-6 Jahren. Knapp 300, davon 100 mehr oder weniger konstant dabei, ab und an auch mal alle. An sowas zehrte man früher für viele Wochen, doch auch für den heutigen Tag hoch oben im Norden war die Sache ganz ok. Kaum leise Momente, viele Runden bei manchen Liedern und ordentlich Abwechslung im Gesangsbuch. Eine deutliche Steigerung zum letzten Auftritt an gleicher Stelle vor zwei Jahren und das darf als Fazit auch mal reichen.
Hätte ich auch gerne über den fußballerischen Part geschrieben, doch bis aufs Ergebnis waren die Voraussetzungen gänzlich verschieden. Kiel im Keller, aber mit neuem Trainer, Elversberg in der Spitzengruppe mit jüngst positiven Ergebnissen. Auf dem Platz Not gegen Elend. Und zwar von der schlimmeren Sorte. Kein Zugriff, kein Anrennen. Hätte Kiel treffsichere Leute gehabt, wäre die SVE wohl früh einem Rückstand hinterher gelaufen. So blieb es beim torlosen Remis zur Pause, ehe die schwarz-weißen Farben etwas besser aus der Kabine kamen.

Und tatsächlich brachte der erste, gut durchgespielte Angriff direkt die Führung durch Mokwa, die allerdings wenige Sekunden(!) später wieder egalisiert wurde. Bis aufs Zittern um den einen Punkt hätte es aber auch gereicht, sich die beiden Szenen anzuschauen, verpasst hätte man sonst nichts. Immerhin ein Punkt stand nach dem finalen Pfiff zu Buche, der den abstiegsbedrohten Störchen wahrscheinlich weniger hilft als der SVE, die weiter im Dunstkreis der Spitzengruppe schwebt. Es bleibt spannend, was hier in die eine oder die andere Richtung in den letzten zehn Partien noch passieren wird. Mit viel Applaus verabschiedete der Gästeblock die eigenen Mannen, die sich wiederum für die weite Anreise bedankten, ehe auch gedanklich ein Haken an eines der schlechteren Spiele der Saison gemacht werden konnte.
Also wieder raus und rein in den Shuttle bis zum Kieler Hauptbahnhof, wo fix ein weiteres Franzbrötchen weggesnackt wurde, ehe es mittels RE bis Pinneberg und anschließend weiter mit der S-Bahn nach Hamburg ging. Nach einem ordentlichen Abendessen wurde sich in einem im bereits letzten Jahr besuchten Laden auf St. Pauli ordentlich der Salamander aus der Rasenkante geföhnt, ehe das Konter-Franzbrötchen am Sonntagmorgen die einigermaßen verspätungsfreie Rückfahrt nach Frankfurt ermöglichte. Für die nächste Saison würde ich mir auf alle Fälle mehr Fahrten in die Hansestadt wünschen, die uns in den letzten Jahren dann doch sehr ans Herz gewachsen ist. Mal schauen, ob der ein oder andere Verein aus dem Norden dann in der gleichen Klasse kickt wie unsere SVE!


























