Oberliga: SC Victoria Hamburg – TSV Sasel

27.02.2026
25. Spieltag Oberliga Hamburg
SC Victoria Hamburg - TSV Sasel
Stadion Hoheluft
Endergebnis: 2:2 (1:1)
Zuschauer: 273
Ticket: 6€

Mit der anstehenden Partie des eigenen Vereins bei den Störchen aus Kiel war recht schnell die Frage der Unterkunft verbunden, beehrten wir die Stadt bereits vor zwei Jahren und liefen dabei so ziemlich alle der ehrlicherweise rar gesäten interessanten Ecken ab. Ein erneuter Aufenthalt war damit vom Tisch und der Fokus rückte recht schnell auf Hamburg, zumal es uns diese Hansestadt in den letzten Jahren dann doch sehr angetan hat. Mit Feststehen der Ansetzung waren Unterkunft und Bahnfahrt gebucht und die Freude auf den Trip gen Norden gewaltig. Los ging es derweil schon Donnerstagnachmittag. Laptop zugeklappt und in den Rucksack gepackt, ab nach Frankfurt und nach einem feinen Besuch beim koreanischen Fachmann für frittiertes Hühnchen den Zug der Schweizer Bundesbahn gen Norden bestiegen. Auch eine andere Definition von Sauberkeit, wenngleich das Thema Pünktlichkeit selbstredend auch bei schweizer Zügen am deutschen Streckennetz scheitert.

Aber das nun gewährte Flexticket sowohl auf der Hin- als auch Rückfahrt war quasi bei der Buchung schon einkalkuliert. Wenn man sich bei der Bahn nämlich auf etwas verlassen kann, dann ist es, dass man sich nicht auf sie verlassen kann. Spätabends erreichten wir schließlich die gewählte Unterkunft an der Lübecker Straße, in der auch gleich der komplette Freitag am Arbeitslaptop durchgeackert wurde. Abwechslung brachte der Tapetenwechsel natürlich dennoch in den Alltag, zumal in einem Etablissement der Kette Schweinske ein günstiges Mittagsmahl die Bäuche füllte. Pünktlich zum Feierabend erreichten wir zudem recht fix die Innenstadt, liefen zwischen Stadthausbrücke und Binnenalster ein paar Straßen ab und erfreuten uns an den letzten Sonnenstrahlen des Tages. Auch ein guter Start ins Wochenende!

Komplexer war lediglich die Anreise zum gewählten Kick am Abend. Liegt das Stadion Hoheluft so schon weitab von jeglicher Anbindung via Schiene, machte der Streik im ÖPNV die Sache im Vorfeld fast unmöglich. Lediglich einer dann doch spontan verkehrenden Buslinie sei Dank klappte die Anreise am Ende problemlos, sodass ich mit großer Vorfreude 6€ gegen ein überdimensioniertes Papierticket eintauschte und den Kult-Ground enterte. Der besticht außen bereits mit viel Farbe, was sich auch im Inneren nahtlos fortsetzt.

Überall dominieren die blau-gelben Vereinsfarben, von den Kassenhäuschen bis zur Haupttribüne, die natürlich den absoluten Blickfang darstellt. An die 1.000 blaue Sitze finden sich hier unter dem markanten Holzdach, zu deren Füßen sich zudem die kleine Vereinskneipe erstreckt. Daneben schrauben etliche Stehränge an der Kapazität, seien es die Plätze direkt neben der Tribüne, der Bereich hinterm Tor oder auch die massive Gegengerade, auf der zudem der Gästeblock situiert ist. Nur der eingezäunte Kunstrasen inmitten der historischen Ränge passte nicht wirklich ins Bild, ermöglichte allerdings wahrscheinlich überhaupt erst den abendlichen Besuch nach dem ganzen Winterwetter in den Vorwochen.

Der Rest versprühte allerdings das Gefühl von Tradition pur. Zum einen das Stadion Hoheluft, das bereits seit 1907 an gleicher Stelle steht und, neben fünf Länderspielen, als Austragungsort für Endspiele der deutschen Meisterschaft diente. Hier krönte sich 1912 Holstein Kiel zum deutschen Meister, während 1948 gar 37.000 Menschen die Ränge zum Stadtderby bevölkerten. Auch der seit 1895 bestehende SC Victoria, Gründungsmitglied des DFB, kickte damals in der höchsten Klasse und lockte die Massen auf die Ränge, unter anderem beim Erreichen des Halbfinals um die deutsche Meisterschaft 1907. Heute ist die Oberliga Alltag für die Blau-Gelben und die Bude höchstens bei Regionalliga-Partien der ebenfalls hier kickenden, zweiten Mannschaft des HSV oder aber bei Finals des Hamburger Pokals gut gefüllt.

Und dennoch war das Publikum, wie so oft bei den kleinen Traditionsvereinen der Hansestadt, auch am heutigen Abend irgendwie spannend. Da zechen Punks neben Kutten, Leute mit St. Pauli Pullover stehen an Wellenbrechern voller Sticker der diversen Ultra-Gruppen des HSV. Dazu machten ein paar Kids mit Trommel und Tröten hinterm Tor hier und da Stimmung und überraschten mit einem dann doch recht breiten Gesangsspektrum. Kurzum: Ließ sich sehr gut aushalten hier!

Sportlich wurde die Oberliga hingegen schnell ersichtlich. Schmackhaft war anders, doch die Comeback-Qualitäten der Hausherren sorgten für emotionalen Jubel, gelang doch in wirklich allerletzter Sekunde der jeweiligen Nachspielzeiten der Ausgleich. Schöner Einstand ins Wochenende, der glücklicherweise auch mit fahrenden Bussen nach Schlusspfiff beendet werden konnte.

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.