15.02.2026
22. Spieltag 1. Česká fotbalová liga
FC Slovan Liberec - FC Baník Ostrava
Stadion u Nisy
Endergebnis: 1:0 (0:0)
Zuschauer: 2.746 (ca. 500 Gäste)
Ticket: 300 Kč (~12,50€)
Ganz so häufig kommt es derzeit leider nicht vor, dass uns die zweite Bundesliga in die östlichen Hemisphären der Republik trägt. Umso mehr kribbelt es vor jeder Fahrt in den Osten, umso schneller wandern die Augen über die Ansetzungen in Tschechien und Polen. Was sonst mindestens sechs bis sieben Stunden Fahrt bedeuten würde, lag nun mehr oder weniger einen Steinwurf von der gewählten Unterkunft entfernt. Tschechien sollte es am Sonntag werden, genauer gesagt die optisch absolut einprägsame Bude von Slovan Liberec. Dazu King Baník im Gästeblock, dessen Anhang wir uns endlich auch einmal geben wollten. Kurzum: Die Vorfreude nach dem ausgewogenen Hotelfrühstück auf den Tag war gigantisch!
Einige Kilometer ging es über die A4 gen Osten, anschließend über Land bis Zittau, ehe erst die polnische, dann die tschechische Grenze überquert wurde. Bis auf den kristallinen Beschaffungsverkehr in die Gegenrichtung war am frühen Vormittag wenig los auf den Straßen, sodass wir das Zentrum von Liberec (Reichenberg) etwas früher als geplant erreichten. Das ermöglichte immerhin eine kleine Runde durch die fünftgrößte Stadt des Landes, die bis auf einige Straßen rund ums historische Rathaus allerdings nicht unbedingt mit Highlights glänzte. Immerhin der ab und an erkennbare Berg Ještěd mit seinem markanten Fernsehturm, der im Übrigen das Logo des ansässigen Fußballclubs ziert, sowie die benachbarten Skigebiete lieferten ein durchaus ansehnliches Panorama.
Auf den Bergen rund um die Stadt lässt es sich sicherlich auch gut aushalten, die Zeit hatten wir heute allerdings nicht. Denn Pivo und Svíčková durften zum perfekten Trip ins gelobte Land auch nicht fehlen. Fürstlich speisten wir daher zur mittäglichen Stunde im hiesigen Ratskeller, ehe zumindest einige der zugeführten Kalorien auf dem Weg zum Spielort wieder abgelaufen wurden. Etliche Hügel später erreichten wir das Stadion u Nisy, schnappten uns fix einen Schal für die Sammlung und genossen die wunderschöne Lage direkt am namensgebenden Fluss. Da baute man die Gegengerade nicht nur wirklich direkt ans Wasser, sondern gleich auch noch darüber.

Einen schicken Anblick boten zudem die frisch mit Vereinslogos bemalten Wände der Bude, während sich der Eindruck auch nach Betreten der Gegengeraden fortsetzte. Ikonisch war vor allem der Blick auf die trapezförmige Haupttribüne, die, eingebettet in einen Felsen, den absoluten Blickfang des Stadions darstellt. Die anderen drei Seiten wirkten jetzt nicht ganz so besonders, doch die tiefen Dächer in Verbindung mit der Errichtung unmittelbar am Spielfeldrand gaben der 9.900 Zuschauer fassenden Bude einen recht netten Eindruck.
Erstaunt war ich ehrlicherweise über die Historie des Vereins. Nicht unbedingt über die regional üblichen, turbulenten Gründungsjahre (und die folgenden Jahrzehnte), sondern vielmehr über die Tatsache, dass die Blau-Weißen seit Bestehen der eigenständigen, tschechischen Liga 1993 als einer von nur drei Clubs diese nicht einmal verlassen mussten. Zudem krönte sich Slovan 2002 als erste Mannschaft außerhalb von Prag zum Landesmeister, worauf 2006 und 2012 zwei weitere Titel folgen sollten. Zudem ist Liberec seit 2000 Dauergast im europäischen Fußball und rangiert auf dem dritten Rang der ewigen Tabelle des tschechischen Oberhauses. Und doch lief der Club einige Jahre an meiner Wahrnehmung vorbei. Wahrscheinlich aufgrund der nicht unbedingt vorhandenen Massen, die die Stadien des Landes füllen.
Auch heute lag der Zuschauerzuspruch doch deutlich unterhalb des Ligaschnitts, wenngleich sich der Heimblock rund um die „Supras Core“ und „Supras Unisono“ deutlich besser füllte als zunächst angenommen. Ein paar große Zaunfahnen, vereinzelte Schwenker und die ein oder andere Schalparade erfreuten die Augen, während der Mob recht solide sein Liedgut in den aufklarenden Nachmittagshimmel trug. Ab und an sehr geschlossen und daher gut hörbar, dann aber auch wieder etwas loser und ohne Durchschlagskraft. Immerhin die anderen Bereiche stiegen bei einigen Schlachtrufen mit ein, so wirklich in Erinnerung bleiben wird uns der Auftritt der Heimszene aber nicht.

Lag sicherlich auch an unseren Plätzen unweit des Gästeblocks, der ehrlicherweise auch das auserkorene Highlight des Tages darstellte. Viel hatte ich im Vorfeld von King Baník gehört, etliche Videos und Bilder verschlungen und selbstredend einige lobende Worte gelesen, die die Anhängerschaft aus Ostrava auf eine Stufe mit denen von Sparta und Slavia hieven, ganz unabhängig von der Diskussion einer Reihenfolge. Umso gespannter waren wir auf den kleinen Eckblock, der sich bis Anpfiff gut füllte und mit einigen schicken Zaunfahnen geschmückt wurde. Die erste Schalparade zur angestimmten Hymne offenbarte bereits die Anwesenheit von einigen Kibice aus Katowice und Rybnik, die im Verlauf auch besungen wurde, ehe die ersten, wuchtig tiefen Gesänge durch die Bude peitschten.
Etliche Male besangen die Blau-Weißen ihre Liebe zu Schlesien und zu ihrem Verein und nahmen dabei die komplette Masse an Gästen kontinuierlich mit. Quasi ein top Lautstärkeniveau, das über die volle Distanz gehalten wurde. Der Supportstil erinnerte dabei allerdings vielmehr an Polen: Lautstarke Phasen, schnelle Liedwechsel und brachiale Schlachtrufe, aber auch eine Tonvarianz von vielleicht einer halben Oktave. Da waren einige der durch ganz Europa bekannten Melodien doch erst nach der zweiten oder dritten Runde wiederzuerkennen. Schwenker wehten derweil nur äußerst spärlich im Block, doch der Fokus schien sowieso ausschließlich auf der akustischen Unterstützung zu liegen. Und die war durch die Bank Bombe!
Doch auch fürs Auge sollte noch was geboten werden, kündigte eine hochgehende Blockfahne rund um die 70. Minute doch genau das Tüpfelchen auf dem i an, das dem heutigen Tag noch fehlte: Eine schicke Pyroshow aus etlichen Fackeln, die die Bude gut einnebelte. Für die Durchführung feierten sich die dafür komplett in schwarze Plastiksäcke eingewickelten Akteure im Anschluss minutenlang und entledigten sich erst kurz vorm Ende der Partie ihrer Vermummung.

Abgeschlossen hatte man da wahrscheinlich schon längst mit dem fußballerischen Part des Nachmittags, wobei beide Teams mehr schlecht als recht über den Rasen stolperten. Das war leider erneut ganz großer Käse hier. Passenderweise durften die Hausherren nach ihrem erzielten Treffer kurz nach Wiederanpfiff lockere 5 Minuten auf die Entscheidung aus dem tschechischen, Kölner Keller warten, ehe der zurückgenommene Treffer dann doch zählte. VAR abschaffen, und zwar überall! Das war’s dann auch, denn weder Liberec noch Ostrava schienen mit den notwendigen Mitteln gesegnet, hier noch eine Bude zu erzielen. Jubel somit nach Schlusspfiff auf der einen Seite, aufbauende Schlachtrufe auf der anderen.
Unter den letzten, rauen Klängen der Gäste ging es für uns wieder nach draußen. Kalt war es und entsprechend froh waren wir, nach kurzem Stopp in einem Supermarkt das eigene Gefährt wieder erreicht zu haben. Eine Ladung billiger Sprit floss ebenfalls noch in den Tank, ehe wir die Unterkunft in Dresden am Abend wieder erreichten, bevor es am nächsten Morgen ausgeschlafen auf die unspektakuläre, wenn auch schneeweiße Heimreise ging. Ganz starker Nachmittag in Liberec, sowohl in Sachen Stadion als auch in Sachen Gästeblock. Baník hinterließ dabei bisher den besten Eindruck in Sachen Fanszenen im gelobten Land und wird sicherlich in Zukunft erneut beehrt!



































