14.02.2026
22. Spieltag 2. Bundesliga
SG Dynamo Dresden - SV Elversberg
Rudolf-Harbig-Stadion
Endergebnis: 1:2 (1:0)
Zuschauer: 29.155 (500 Gäste)
Ticket: 19,80€
Zweieinhalb Jahre musste Elversberg im Unterhaus kicken, ehe der Verband auch die schwarz-weißen Farben einmal für die Vergabe eines Topspiels am Samstagabend berücksichtigte. So der gängige Tenor in der Heimat, dem ich mich eigentlich nur bedingt anschließen wollte. Denn, mal ganz ehrlich: Heimspiele auf der Baustelle kannst du im TV schlecht verkaufen und auswärts fährt am Ende eh keiner mit, wenn der Kick bequem auf der heimischen Glotze verfolgt werden kann. Im Jahr 2026 war es nun aber soweit. Zwei Samstagabendpartien für die SVE. Einmal auf dem Betze – grandios! Einmal in Dresden – warum? Ausgerechnet eine der weitesten Strecken der Saison, dazu auch noch an Fasching im närrisch geprägten Saarland. Ehrlicherweise rechnete ich mit maximal 200 Gästen am Tag der Liebe in Elbflorenz und nicht wirklich mit einer Wiederholung der Massenfahrt nach KL.
Wir planten unterdessen gleich ein ganzes Wochenende im Osten, tüteten sonntags noch einen Abstecher nach Tschechien ein und fuhren mit einer gewissen Portion Vorfreude auf die kommenden Tage am Samstagmorgen über die A4 gen Sachsen. Dem bunten Treiben entfliehen ist sowieso das alljährlich gesetzte Ziel für diese Jahreszeit und allzu oft kamen wir in den letzten Jahren ja auch nicht in die östlichen Hemisphären des Landes. Knappe fünf staufreie Stunden später erreichten wir zunächst die Dresdner Neustadt, labten uns dort in einer Lokalität an der angepriesenen, taiwanesischen Küche und bezogen anschließend unser Hotel unweit des Hauptbahnhofs.
Bis auf die gesperrten Brücken, Straßen und Parkplätze schien sich wenig im Vergleich zu den vergangenen beiden Ausflügen in die sächsische Landeshauptstadt verändert zu haben. Und der etwas andere Karnevalsumzug, der durch diverse Areale der Stadt zog, war auch nicht so bunt wie die in der Heimat. Und Süßigkeiten flogen dabei anscheinend auch nicht in die Zuschauerbereiche… Dem unfassbaren Aufgebot der Staatsmacht konnte im Gegenteil zu den diversen Demos kaum entgangen werden, weder auf der kurzen Runde durch die Altstadt noch auf dem anschließenden Weg durch dunkle Wohngebiete bis zum Rudolf-Harbig-Stadion. Da war gefühlt jedes zweite Auto auf den Straßen ein blau-weißer Sprinter. Erst am Gästeblock wurde es diesbezüglich etwas ruhiger.

Nach ungewohnt lascher Kontrolle ging es für uns dabei zum erst zweiten Mal seit fast genau zehn Jahren in den hiesigen Neubau, während wir die Traversen des Gästeblocks zum ersten Mal überhaupt betraten. Tolle Sicht auf den Platz und alle relevanten Bereiche der gelben Bude inbegriffen. Während wir so einige Male am Bierstand vorstellig wurden, füllte sich die Bude bis zum Anpfiff in beachtlichem Maße. Klar, hier und da klafften einige Lücken in den Heimbereichen, doch für die aktuelle sportliche Situation passte die Kulisse absolut.
Und auch der Gästeblock füllte sich deutlich über den gesetzten Erwartungen. Am Ende säumten über 500 Saarländer den Eckblock. Sehr stark für unsere Verhältnisse, insbesondere vor dem Hintergrund der Distanz! Und auch der Spielsupport lief über weite Strecken auf durchaus passablem Niveau. Eine gute Optik sowie eine ordentliche Mitmachquote im Kern hinterließen einen verhältnismäßig starken Gesamteindruck. Klar, sämtliche der Touri-Fahrer konnten nicht durchgängig mitgenommen werden, doch insgesamt war das eine recht runde Sache hier!
Gegen den K-Block war selbstredend dennoch kein Kraut gewachsen. Wahrscheinlich schafften es die Elversberger Gesänge gegen eine solche Übermacht noch nicht mal bis zur Eckfahne. Denn was der Anhang der Schwarz-Gelben an diesem Abend fabrizierte, war erneut ganz großes Kino. Etliche bekannte Lappen zierten die Zäune und Balustraden der Kurve, zahlreiche mittelgroße und große Schwenker wehten dazu über den Köpfen des Anhangs. Immer wieder klackten vereinzelte Fackeln und befeuerten den Support, der lautstärketechnisch vom Vereinslied bis zur letzten Minute wie ein Orkan durch die Bude fegte. Viel Bewegung zudem im Block, der durchgängig an der perfekten Mitmachquote kratzte. Dazu unfassbar viele Wechselgesänge untereinander und mit dem restlichen Stadion. Kurzum: Ein wahrlich phantastischer Auftritt, der unseren ebenso bockstarken Eindruck von einem Derby gegen Aue an Ostern 2016 mehr als bestätigte.

Einzig die anderen Stadionbereiche außerhalb des K-Blocks schienen mir deutlich passiver. Bis auf ganz vereinzelte Pöbeleien in der Nähe der Gäste wurde hier vielmehr das Spiel verfolgt. Und da hatte Dynamo von Beginn an deutlich mehr Zugriff als die SVE, die an diesem Abend die schlechteste erste Halbzeit der Saison fabrizierte. Vorne ungefährlich und hinten offen wie selten. Da kam die Führung von Dresden absolut nicht unerwartet, die ohne VAR auch hätte höher ausfallen können. So ging es „nur“ mit einem 1:0-Rückstand in die Pause, die den eigenen Kickern augenscheinlich Zeit zur Besinnung verschaffte. Denn nach dem Pausentee war Elversberg plötzlich wieder im Spiel.
Zunächst durfte sich Mickelson mit seiner ersten Bude in die Liste der Torschützen für die schwarz-weißen Farben eintragen, ehe in der Schlussphase Petkov mit einem Abstauber die Partie drehte. Schwer zu begreifen in dem Moment, wie wir das Ding überhaupt drehen konnten. Doch das Zittern ging noch eine ganze Weile, denn Dresden rannte nun unaufhörlich an. Am Ende retteten jedoch die Zehenspitzen von Petkov sowie ein herausragender Kristof die drei Punkte in einer wahnsinnig spannenden Partie. Zweites Topspiel, zweiter Auswärtssieg – daran können wir uns gerne gewöhnen!
Lautstark besang der Gästeblock seine Helden sowie die eigenen Farben, ehe im Dresdner Stadtgebiet erneut sowas wie Ruhe einkehrte. Verabschiedet wurden zunächst noch einige Hartgesottene, deren Bus erst am nächsten Morgen in Elversberg ankommen sollte, ehe wir langsam zurück gen Unterkunft latschten. Unterbrochen wurde die Stille lediglich von vereinzelten Kanonenschlägen sowie durch einiges an abgebranntem Feuerwerk. Hier feiert man anscheinend jeden Spieltag von Dynamo, ganz gleich ob bei Sieg oder Niederlage… Achja: Die ominöse 40-Punkte-Marke wurde somit bereits Mitte Februar geknackt. Sehr, sehr geil!































