29.12.2025
23. Spieltag Football League One
Bolton Wanderers FC - Mansfield Town FC
Burnden Way Stadium
Endergebnis: 0:1 (0:1)
Zuschauer: 22.320 (1.306 Gäste)
Ticket: 21£ (~24€)
Nachdem das Wochenende nach Weihnachten mit der Familie rund um Southampton in gemütlicher Manier verbracht wurde, hieß es Montagfrüh erneut aufsatteln und unseren vollgepackten, gelben Mini gen Norden treiben. Lediglich ein kurzer Zwischenstopp bei der goldenen Möwe am Vormittag unterbrach die entspannte Fahrt über die breiten Motorways des Landes, die sich heute erfreulicherweise nicht allzu gefüllt zeigten. Nur Birmingham bereitete die üblichen Probleme in Form verstopfter Autobahnen, die aber beileibe nicht so schlimm ausfielen wie erwartet. Beziehungsweise hier schon mal erlebt. Chillige Fahrt bei exakt 70 Meilen pro Stunde, die nur äußerst selten aufgrund der permanenten Videoüberwachung für Überholvorgänge überschritten wurden, ehe wir nach etwas über vier Stunden das Ziel für die nächsten beiden Tage erreichten: Manchester, die sich stetig wandelnde Metropole im „Norden“. Frage mich bei der Beschilderung immer wieder, als was denn da Newcastle durchgeht, wenn die Gegend hier bereits als nördliche Spitze Englands tituliert wird.
Von weit her grüßten bereits die immer höher und immer zahlreicher wachsenden Glastürme der Skyline, ehe wir einen kurzen Stopp bei DEM Pflichtprogramm für uns in Manchester einlegten: Dem Happy Valley Cafe. Bester kantonesischer Laden außerhalb Hongkongs. Wer sich für die dortige Küche interessiert, bekommt hier Authentizität pur! Gesättigt flogen anschließend die Koffer in ein gebuchtes Travelodge unweit der Innenstadt, ehe wir eine kurze Runde durch selbige drehten. Zehn Minuten bis zur Chinatown, zehn Minuten wieder zurück und den Entschluss gefasst, am nächsten Tag dann doch einen etwas ausgedehnteren Spaziergang durchs Zentrum auf den Plan zu setzen. Da hat sich in den zwei Jahren seit unserem letzten Aufenthalt entweder viel verändert oder ich hatte die schicken Ecken einfach nicht zu sehen bekommen.
Nun aber war erneuter Aufbruch angesagt, hatten wir doch Glück mit den Ansetzungen am Montagabend und konnten uns am reichhaltigen Buffet der englischen Ligapyramide bedienen. Die Entscheidung fiel, am Ende nicht zuletzt aufgrund der guten Erreichbarkeit mit dem Auto (und der schlechten mit den Öffis) auf Bolton gegen Mansfield. Beides schonmal gesehen, allerdings jeweils auswärts. Mansfield machte in Leyton nicht den schlechtesten Eindruck und Bolton war damals in Millwall zu Gast, als ich meine erste Partie überhaupt auf der Insel zu Gesicht bekam. Stimmte erstmal genauso positiv wie die fairen 20 Pfund, die die Wanderers für die Partie aufriefen. Eine gute halbe Stunde mussten wir uns durch den abendlichen Berufsverkehr schlängeln, dabei auch Bolton selbst hinter uns lassen, ehe schließlich das kleine Städtchen Horwich erreicht wurde.

Hier zimmerte man 1997 den Neubau auf ein freies Feld, der nun von allerhand Geschäften und sonstigen Superstores umringt wird. Immerhin Parkplätze gab es dadurch zu Genüge, für die an Spieltagen allerdings läppische 8 Pfund fällig werden. Aber egal, der Mini stand sicher und wir durften uns über den ersten Blick auf die schicken Flutlichtmasten des Stadions freuen. Einen traditionellen Namen hat der Neubau im Übrigen nicht vorzuweisen, dafür erhielt die Straße den Namen der alten Spielstätte, die im Anschluss weichen musste. Kaum erwähnenswert, dass das auch geographisch deutlich nähere Heranrücken an das verhasste Wigan in Bolton nicht gut ankam. Mittlerweile hat man sich anscheinend arrangiert, zumindest strömten auch heute die Massen trotz des Termins unter der Woche in Richtung Stadion.
Mit viel Zeit auf der Uhr schauten wir kurz beim Fanshop vorbei und staubten einen Schal für die Sammlung ab, ehe wir die Fanzone einem frühzeitigen Eintritt auf die Ränge vorzogen. War dann auch beileibe die richtige Entscheidung. Nicht nur erfreute eine via Beamer übertragene Liveübertragung der Partie aus Coventry die Meute, auch die Verpflegung konnte sich hier sehen lassen. Eine absolut überragende, frisch zubereitete Pizza direkt aus dem Steinofen und zwei Pints Brewdog fanden so den Weg in unsere Hände und ließen die Mundwinkel nach oben schnellen. Bestes Stadionfutter bisher in UK!
Eine Viertelstunde vor Anpfiff wurde schließlich die Perspektive gewechselt. Statt Blick auf die starken Flutlichtmasten von außen erfreute uns nun das Innere der Bude mit einem recht einmaligen Anblick (vorausgesetzt, man war noch nicht in Huddersfield). Highlight auch hier die starke Flutlichtkonstruktion, die sicherlich den absoluten Blickfang stellt. Aber auch die geschwungenen Dächer und die somit halbrund geformten, steilen Oberränge des durchgängig doppelstöckig ausgebauten Stadions machten einen starken Eindruck. Für einen relativen Neubau (wobei die Bude im nächsten Jahr bereits ihren 30. Geburtstag feiert) eine echt ansehnliche Geschichte!

Die vorhandenen 28.723 Plätze lassen aber auch erahnen, dass die derzeit bespielte dritte Liga keineswegs als gewöhnliches Zuhause den Hausherren dient. Denn tatsächlich hatten wir es hier mit einem der historischen Giganten des englischen Fußballs zu tun. 1874 als Christ Church F.C. gegründet, erhielt der Club nach Streitigkeiten bereits 1877 den heutigen Namen: Bolton Wanderers. Der Namenszusatz „Wanderers“ entstand im Übrigen (ähnlich wie „Rovers“ als auch „Rangers“) bei Clubs aus der damaligen Zeit, die Schwierigkeiten hatten, eine eigene Spielstätte zu finden und daher Saison für Saison die Heimstätte wechselten, quasi umherwanderten. 1888 zählte Bolton zu den Gründungsmitgliedern der EFL und damit zu den ersten zwölf Vereinen überhaupt, die den Grundstein für den professionellen Fußball auf der Insel legten.
Der ganz große Wurf in Form einer Meisterschaft blieb den Trotters zwar verwehrt, allerdings blieb das Oberhaus bis in die 1960er Jahre mehr oder weniger gesetzt. Nach einigen sportlich weniger erfolgreichen Jahrzehnten blühten die Wanderers zu Beginn des aktuellen Jahrtausends nochmal auf, ehe seit 2012 ein Niedergang bis in die vierte Liga inklusive Beinahe-Insolvenz verdaut werden muss. Trotz der insgesamt vergleichsweise geringen Ausbeute an Titeln und Trophäen zieren doch einige besonders schöne Exemplare die hiesige Vitrine. Vier Mal konnte unter anderem der FA-Cup gewonnen werden, wobei der erste Titel aus dem Jahr 1923 in die Geschichtsbücher einging.
Offiziell waren es 126.047 Zuschauer, die dem Finale in Wembley gegen West Ham beiwohnten. Inoffiziell gingen die Schätzungen von etwa 300.000 aus. Der vor Spielbeginn durch die viel zu große Anzahl an Besuchern geflutete Rasen konnte dabei nur durch den Einsatz einer Reiterstaffel von den Zuschauermassen befreit werden, wobei das Bild eines weißen Pferdes namens „Billie“ inmitten eines niemals enden wollenden Ozeans aus Menschen zum Inbegriff des Tages wurde. An das „White Horse Final“ erinnert noch heute die bekannte Brücke, die vom Bahnhof zum Wembley-Stadion führt. Ein starkes Stück englischer Fußballhistorie, die den heutigen Abend in der League One selbstredend zu einem absoluten Nichts verpuffen lässt.

Und ja, die sangesfreudigen Massen der damaligen Zeit hätte ich mir, und selbst in stark abgespeckter Form, auf den abendlichen Traversen gewünscht. Neben der absurd hohen offiziellen Zuschauerzahl, von der gut und gerne ein Drittel abgezogen werden kann, war nämlich auch in Bolton wieder tote Hose angesagt. Die paar Nasen an der Eckfahne im Osten machten nämlich kaum Anstalten, ihre Stimme für etwas anderes als zum Pöbeln zu erheben. Ganz, ganz selten, vielleicht zwei Mal am gesamten Abend, ging mal ein lauter Gesang durch die Bude. Leider erneut eine extrem schwache Heimseite.
Bedeutend besser gefielen da die Gäste aus Mansfield. Über 1.300 machten sich an einem Montagabend auf den Weg und füllten ihren Block mehr als ordentlich. Erster Unterschied: Eine Trommel und sowas wie Organisation und Koordination. Und das tat den Ohren aber mal so richtig gut. Nach anfänglich etwas gelbem Rauch legte der Anhang richtig gut los, wobei sich recht schnell ein größerer Kern in der oberen Hälfte abzeichnete, der eben nicht nur die typische, eine Runde eines Liedes sang, sondern die Gesänge teils über mehrere Minuten am Leben hielt.
Erfreulich zudem, dass nicht nur die typischen Chants und Rufe durch die Bude schallten, sondern auch einige ungewöhnlichere Melodien im Repertoire steckten. Richtig gut drehte dabei „That’s the Way (I Like It)“ insbesondere im zweiten Durchgang seine Runden, der wiederum beinahe im Dauersupport mündete. Dazu blieb noch die Melodie von „The Lion Sleeps Tonight“ hängen. Für hiesige Verhältnisse ein echt starker Auftritt!

Allerdings hatten die Gäste bei den sonst so heimstarken Wanderers auch berechtigten Grund zu feiern, setzten sich die blau-gelben Kicker doch äußerst knapp gegen die pausenlos anrennenden Hausherren durch und sorgten somit für etliche Minuten der Eskalation im Gästeblock. Für Bolton hingegen endete eine seit April andauernde Serie von ungeschlagenen Heimspielen. Bei der fahrlässigen Chancenverwertung aber auch echt nicht unverdient. Nach der kurzen und lautstarken Feier der Gastmannschaft mit ihren Anhängern konnten wir recht zufrieden einen Haken an das schicke Stadion machen. Der größte Dank gilt aber den Gästen – endlich wieder ein guter Auftritt auf den Rängen hier!
Wieder raus auf dem Parkplatz war nun natürlich Chaos angesagt, baute man die Geschichte hier doch genauso, dass sich alle Autos auf dem Weg zur Autobahn an einer Kreuzung treffen. Fluch und Segen von Parkplätzen so nah am Spielort… Am Ende dauerte der Stau genauso lange wie die Fahrt zurück nach Manchester, wo der lange Tag im leider zur Straße hin nicht schallisolierten Hotelzimmer endete.















