26.12.2025
22. Spieltag Football League One
Luton Town FC - Wycombe Wanderers FC
Kenilworth Road Stadium
Endergebnis: 4:0 (2:0)
Zuschauer: 11.596 (1.092 Gäste)
Ticket: 30£ (~35€)
Der mittlerweile zur Tradition gewordene Dezember-Trip auf die Insel startete in diesem Jahr deutlich später als zunächst geplant, doch bei den möglichen Partien, inklusive einem absoluten Kracher in der Premier League, schoben wir die Geschichte äußerst gerne in die berühmte Zeit „zwischen den Jahren“. Los ging es entsprechend am Morgen des 25. Dezembers, als die vom Raclette-Käse beschwerten Körper frühmorgens an den weihnachtlichen Frühstückstisch im ruhigen Elversberg verfrachtet wurden. Ein paar Happen später fanden wir uns bereits auf den leeren Autobahnen gen Frankfurt wieder. Fix in der Wohnung den einen Rucksack gegen den anderen getauscht, weiter zur S-Bahn und pünktlich den beinahe menschenleeren Frankfurter Flughafen erreicht. Nix los an den Kontrollen, noch weniger im Bereich der Gates.
Nur unser Flieger war selbstverständlich ausgebucht, doch die Sitzplatzlotterie meinte es immerhin gut mit uns und loste uns Plätze am Notausgang zu. Viel Platz also in der guten Stunde bis Heathrow, wobei der größte Flughafen Londons absolut nicht wiederzuerkennen war. Menschenleer, als wären wir irgendwo in Nordkorea gelandet. Verwaist waren sogar die berüchtigten Pass-Kontrollen. Da konnten wir vom Flieger bis zum ersten Stopp am M&S in weniger als drei Minuten durchlaufen. Viel zu früh und einen Meal Deal später standen wir auch schon beim Mietwagenanbieter, der allerdings auch keine Anstalten machte, uns jetzt noch großartig warten zu lassen. Am 25. will bekanntlich jeder schnell heim, sodass wir zügig und problemlos unseren gelben Mini ausgehändigt bekamen. Befremdlich leer war nun auch die M25 (passiert neben dem 25. sonst nur während der Apokalypse), sodass wir Southampton am Ende des Tages gut eineinhalb Stunden vor der geplanten Ankunftszeit erreichten und auch mit der anderen Hälfte der Familie die Festtage verbringen konnten.
Die erneut gut gefüllten Mägen dankten es uns aber, dass es am 26., pünktlich zum „Boxing Day“, mal nicht nur um Futtern ging. Denn heute stand endlich wieder englischer Fußball auf dem Programm! Vorfreude? Aufs Stadion allemal. Daher früh aufgesattelt und zurück gen London, rauf auf die M25 – und schon war er wieder da, der Hass auf diese Autobahn. Fünf Spuren Stau, und zwar mehr oder minder konstant. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Besser wurde es auch auf der Strecke nach Luton nicht, sodass wir kurz vor dem Ziel „über Land“ fuhren. War dann natürlich so eine einspurige Landstraße mit fünf Meter hohen Hecken an beiden Seiten. Dennoch ohne Tempobegrenzung, versteht sich.

Zwischen den ansässigen Sébastien Loebs, denen nur in wenigen dafür vorgesehenen Buchten ausgewichen werden konnte, und der ständigen Sorge um plötzlich auftauchende Schafe machte aber auch die hügelige Landschaft hier und da was her, ehe wir schließlich Luton erreichten. Vorbei am Flughafen, rein in die Innenstadt, abgeparkt in der zentralen Mall. Damit hätten wir noch vorm Aussteigen alles Spannende der Stadt gesehen. Daher waren wir auch nicht allzu traurig über den staubedingt aufgebrauchten Zeitpuffer und schlemmten fix in einem zentralen Nando’s, ehe wir per Pedes zum heutigen Spielort aufbrachen. Das liebe ich an der Insel ja: Die top Lage der allermeisten Buden, ganz gleich ob Premier League oder Non League. Alles zentral, zumeist an Ort und Stelle der ersten, historischen Spielstätte der jeweiligen Vereine. Da läufst du durch ein Wohngebiet und in der Mitte blinzeln die Flutlichtmasten zwischen den Kaminen hervor. Zudem sind die Straßen frei, da am Spielort selbst sowieso keinerlei Parkplätze zur Verfügung stehen. Stadionromantik in Reinform!
Auch hier in Luton, wo sich die Massen zum kleinen Stadion schoben und an jeder Ecke ein paar Pints vernaschten. Viel Gewusel rund um den großen Kenilworth Stand im Osten, wo wir den kleinen Fanshop zwecks Schalkauf verorteten. Ein ausgebauter Container reichte hier und erfüllte seinen Zweck. Um anschließend zu unseren Plätzen auf dem nördlichen Bobbers Stand zu gelangen, zwängten wir uns durch eine schmale Gasse, die die angrenzenden Häuser vom Stadion trennt. Highlight hier natürlich die Blicke auf die ikonischen Häuserzeilen, deren Wände keinen Meter vom Stadion entfernt beginnen. Starker Anblick, der sich auch im Inneren fortsetzte. Jede der insgesamt fünf Tribünen der 1905 eröffneten Kenilworth Road stammt aus einer anderen Zeit, jede wirkt absolut einzigartig.

Angefangen beim großen Kenilworth Stand hinterm Tor, über die zur Bahntrasse hin abflachenden Haupttribüne mit ihren beiden Rängen bis hin zum schrägen David Preece Stand, der die beiden Seiten miteinander verbindet. Hinter dem anderen Tor steht das Oak Road End, das vielmehr für seinen ikonischen Eingang bekannt ist, der die darauf situierten Gäste durch die Gärten der angrenzenden Häuser führt. Ein Blick, der uns heute leider verwehrt blieb. Neu ist hingegen der 2023 renovierte Bobbers Stand, auf dem wir heute unsere Plätze in Kopfhöhe der Spieler fanden. Vorher als reine VIP-Tribüne errichtet, bieten die neuen Sitze den perfekten Blick auf all die alten Areale der schicken Bude mit ihren 12.056 Plätzen, von denen beinahe jeder durch Flutlichter oder andere Stützen als sichtbehindert durchgeht. Kurzum: Ein echter Traum von einer Bude, der zuletzt durchaus die Runde machte.
Denn der 1885 gegründete Luton Town FC schaffte zuletzt eine kleine Sensation und stieg, nach einem Absturz in die fünfte Liga, seit 2014 kontinuierlich auf und schaffte 2023 den Sprung ins Oberhaus. Der tat den Hatters allerdings nicht nachhaltig gut, denn nach nur einem Jahr ging es zurück in die zweite Liga, ehe ein weiteres Jahr später sogar die drittklassige League One rief. Mit steilen Aufstiegen und ebenso steilen Abstürzen kennt man sich hier nördlich von London allerdings historisch gut aus, weshalb auch an diesem Tag die Traversen beinahe komplett gefüllt waren. Und das lag nicht nur am Boxing Day, versuchten wir doch schon vor einiger Zeit deutlich weniger erfolgreich an die begehrten Tickets für das orangene Team zu kommen.

Allerdings belässt es das Publikum hier beileibe nur beim Fußballschauen. Luton war noch nie sonderlich für eine mitreisende Atmosphäre bekannt, selbst nicht für hiesige Verhältnisse. Die Qualitäten lagen zwischen den 80ern und Anfängen der 2010er vielmehr auf den Straßen rund um die Kenilworth Road, vor allem unter Führung der Luton Town MIGs (Men in Gear). Insbesondere Duelle mit Watford und Millwall gingen aufgrund von Straßenschlachten in die Geschichtsbücher ein, wobei der „Luton Riot“ aus 1985 den Fußball an der Kenilworth Road für immer verändern sollte. Fünf Jahre wurden in dessen Folge so gut wie keine Gästefans zugelassen, alle Stehplätze zu Sitzen umgebaut und Zutritt zum Stadion nur noch mit Mitgliedskarte gewährt.
Ein Großteil der Einschränkungen ist heutzutage glücklicherweise Geschichte, während die immer häufiger installierten „Standing Zones“ die Stadien Stück für Stück vom unnötigen Sitzzwang befreien. Brachte die Stimmung hier aber auch nicht zum Kochen. Ein absolut passives Publikum, das sich lediglich im Bereich des Oak Stands und dem angrenzenden Block der Haupttribüne zu ganz sporadischen Gesangseinlagen stimulieren ließ. Trotz des Ergebnisses (für England ein absolutes Schützenfest) war das Ganze aber einfach unterirdisch. Da wurde nach dem vierten Torjubel noch nicht ein Gesang angestimmt. Mit das mieseste, was ich bisher auf der Insel sehen musste. Und ich war an einem Mittwoch in Swansea…

Die Gäste rissen es leider auch nicht sonderlich raus, auch wenn die ersten zehn Minuten noch einigermaßen ok waren. Am lautesten waren da noch die Pöbeleien gegen die Hausherren („I want to go home, Luton is a shithole, I want to go home“ – bezogen auf die Stadt konnten wir uns ein Lachen nicht verkneifen), wobei trotz der geringen Distanz zwischen Luton und High Wycombe nicht von einem Derby gesprochen wird. Aber man pöbelt in England ja sowieso gegen jeden. Spielbedingt flachte der Support im Gästeblock allerdings sehr zügig ab und spätestens ab dem dritten Gegentreffer verabschiedete sich die Hälfte auf den Heimweg.
Somit blieb uns lediglich der Blick auf das schöne Stadion sowie die Beobachtung des flotten Kicks, in dem sich die Hausherren auch tatsächlich dem Ergebnis entsprechend präsentierten und die Gäste spielerisch komplett überrollten. Auch dank eines Lapsus des Schlussmannes der Gäste war die Geschichte zur Halbzeit schon durch, ehe zwei weitere Buden für das torreichste Endergebnis unserer bisherigen England-Touren sorgten. Bei 20 Spielen. Beste Liga und so…
Pünktlich mit Schlusspfiff machten wir uns wieder auf den Weg zurück zur Mall, lösten das gemietete Gefährt für gar nicht mal so viele Pfund aus und reihten uns erneut in den Stau Richtung London ein. Einmal noch über die M25, ehe schließlich Southampton nach guten zwei Stunden grüßte. Auch wenn’s atmosphärisch mal wieder gar nichts war, waren wir mit dem Besuch dann doch sehr zufrieden. Einfach ein starkes Stück englischer Stadion-Geschichte, über dessen weiteren Werdegang ja auch ein größeres Fragezeichen schwebt. Hoffen wir einfach mal, dass die Bude selbst im Falle eines Neubaus erhalten bleibt. Hat in Everton ja auch geklappt.

























