2. Bundesliga: SV Elversberg – SV Darmstadt

30.11.2025
14. Spieltag 2. Bundesliga
SV Elversberg - SV Darmstadt
Waldstadion an der Kaiserlinde
Endergebnis: 0:0
Zuschauer: 9.307 (1.500 Gäste)
Ticket: Dauerkarte

Spätestens, wenn im Stadion die erste Runde des Klassikers von Wham! ertönt, weiß ein jeder, dass alsbald die gemütlichste Zeit des Jahres anbricht. Und glücklicherweise bleibt auch in diesem Jahr die erste Kerze auf dem Adventskranz das einzige, was in Elversberg brennt. Ein Platz recht weit oben in der Tabelle und bereits zwei Drittel der für den Klassenerhalt notwendigen Punkte versprühen das festliche Motto á la keine Termine und stets leicht einen sitzen. Entspannte Tage, die es absolut zu genießen gilt!

Denn das drohende Unheil könnte mit dem Abschneiden der eigenen Mannschaft beileibe nichts zu tun haben, sondern sich in der laufenden Woche auf der Innenministerkonferenz zusammenbrauen. Daher setzten auch an diesem Spieltag wieder sämtliche Fanszenen Deutschlands ein vereintes Zeichen und schwiegen die ersten 12 Minuten. Hoffentlich zum letzten Mal für lange Zeit. Schmeißt die Verschärfungen einfach dorthin, wo sie hingehören: Auf den großen Müllberg der ach so tollen anderen Ideen, mit denen immer wieder der geliebte Sport von allen Seiten torpediert wird. Zum Glück bisher noch einigermaßen erfolglos.

Pünktlich zur 12. Spielminute nahmen sowohl der Gästeblock als auch Block C den Spielsupport auf. Nach einem kräftigen „Fußballfans sind keine Verbrecher!“ zeigte sich die Elversberger Kurve an diesem Sonntag im Vergleich zum letzten Heimspiel gegen die 96er etwas schwächer, überzeugte allerdings mit einem erkennbaren Zuwachs an neuen Schwenkfahnen. Da weht mittlerweile eine ordentliche Anzahl über die volle Distanz! Stimmungstechnisch konnten dagegen keine Bäume ausgerissen werden. Immerhin die Mitte zog gut mit, wenngleich auch hier in Zukunft die eine oder andere Schippe obendrauf gepackt werden darf. Ordentlich war die Geschichte aber dennoch, nur der eigene Anspruch wächst mit jedem Sahneauftritt immer mehr.

Gleiche Geschichte mit dem Gästeblock. Ich erinnere mich noch gut an die Saison 13/14, als der SVD im Dezember an der Linde gastierte und im Gästeblock für den besten Auftritt der Saison sorgte, schicke Glitzer-Choreo inklusive. Heute war es zunächst eine dichte Schalparade, die den Start in den Support markierte, ehe einige lautstarke Gassenhauer angestimmt wurden. Allerdings schafften es die Gesänge nur selten bis auf die Gegenseite. Gute zwei Drittel der Stehränge beteiligten sich durchgehend, teilten auch mal den Mob und sangen gegeneinander an und sorgten mit einem schicken Fahnenbild für eine klasse Optik. Nur die Sitzplätze wurden zum ersten Mal seit ihrem Bestehen auch als solche genutzt. Bisschen passiv, der Anhang außerhalb des gut aufgelegten Mobs.

Das optische Highlight folgte dann zu Beginn der zweiten Hälfte: Etliche blaue und weiße Fähnchen formten ein dichtes Balkenmuster, unterstrichen mit dem Namen der südhessischen Stadt. Ein simples, aber auch schickes Bild, das für meinen Geschmack nur etwas zu kurz den grauen Novembertag erhellte. Sonst blieb noch ein lautes „Allez les Bleus“ hängen, das gegen Ende seine Runden drehte. Ebenfalls ins Auge stach ein Spruchband gegen die britische Polizei. Hintergrund ist die Verhaftung von insgesamt acht Anhängern aus Bern nach dem vergangenen Auswärtsspiel bei Aston Villa, wovon einer gar eine zweimonatige Haftstrafe auf der Insel verbüßen muss.

Sportlich war die Geschichte absolut auf Augenhöhe. Zunächst starteten die Lilien wacher in die Partie, ehe sich die SVE mehr Spielanteile und Chancen erkämpfte. Ein munteres Hin und Her, das für den Taktikfreund allerhand zu bieten hatte, allerdings auch kaum Raum für Fehler bot. Ohne Fehler aber auch keine Tore, das 0:0 somit die logische und verdiente Konsequenz. Ein Punkt, den man selbstverständlich gerne mitnimmt, war er doch gleichbedeutend mit dem erneuten Sprung auf Platz 3.

Ruhige Tage an der Linde, zumindest nach dem Abebben der letzten Gesänge. Dann zog die graue Stille wieder ein. Nur der leichte Nieselregen beschwerte die Luft. Ein Spiegelbild unserer derzeitigen Gefühlswelt, kreisten unsere Gedanken recht schnell wieder um die Geschehnisse in Tai Po. Auch wenn weder Freunde noch Familie direkt betroffen waren, bewegt das Schicksal derer doch sehr. Stark bleiben, HK!