2. Bundesliga: Karlsruher SC – SV Elversberg

23.11.2025
13. Spieltag 2. Bundesliga
Karlsruher SC - SV Elversberg
Wildparkstadion
Endergebnis: 2:3 (0:1)
Zuschauer: 31.909 (2.300 Gäste)
Ticket: 18,59€

Sonntags auswärts in Karlsruhe, und doch klingelte der Wecker um sechs Uhr in der Früh. Passt irgendwie nicht so recht zusammen, hatte aber einen ernsten Hintergrund. Im Zuge der derzeitigen Proteste gegen die angedachten, verschärften Sicherheitsvorkehrungen, die auf der baldigen Innenministerkonferenz beschlossen werden sollen, rief die Gegengerade Karlsruhe zu einer Demo am Vormittag in der Innenstadt auf, zu der auch die aktive Fanszene der SV Elversberg eingeladen wurde. Entsprechend ging es recht früh auf der A5 gen Süden und zunächst zum Stadion, wo das Gefährt seinen Stellplatz für den Tag fand, ehe wir uns gemeinsam mit allen, die kurzfristig die Anreise vorziehen konnten, gen Schwarzwaldhalle aufmachten.

Gut 1.500 Karlsruher und rund 60 saarländische Gäste taten fortan mittels Plakaten und Sprechchören ihren Unmut über die haarsträubenden Maßnahmen kund, über die die Politik fernab jeder Wirklichkeit diskutiert. Gesichtsscanner, personalisierte Eintrittskarten oder Stadionverbote ohne vorherige Beantwortung einer Schuldfrage verursachen nichts außer zusätzliche Kosten für die Vereine und werden in 90% der Fälle Unschuldige treffen. Entsprechend freut es mich persönlich sehr, dass auch der Elversberger Anhang ein Zeichen setzte und sich dem rund zweistündigen Demonstrationszug bis ans Wildparkstadion anschloss. Nur gemeinsam geht es derzeit, denn der Fußball ist und bleibt sicher!

Angekommen am Spielort bei weiterhin knackig kalten minus sieben Grad wärmten Feuerwurst und Glühwein sehr, während sich die Kurven auf den nächsten Schritt des deutschlandweiten Protests vorbereiteten. Zwölf Minuten wurden geschwiegen. Zwölf Minuten, die einmal mehr verdeutlichen sollten, was dem deutschen Fußball fortan blühen kann. Es bleibt nur zu hoffen, dass das laute Schweigen Gehör finden wird. Pünktlich zur 12. Spielminute legte sowohl der ausverkaufte Heimbereich des Wildparks als auch der top gefüllte Gästeblock los. 2.300 Saarländer sind mal eben mehr als bei den beiden, vorherigen Auftritten an gleicher Stelle zusammen. Bockstark!

Ebenso stark war das heutige Blockbild des affengeilen Auftritts. Pausenlos wehte eine stattliche Anzahl Schwenker, von denen einige an diesem Sonntagmittag ihre Premiere feierten. Richtig stark zudem die generelle Mitmachquote und Lautstärke. Was ich auf Schalke noch bemängelte, war heute die größte Stärke. Vor allem die Klassiker fegten mit einer unfassbaren Lautstärke über den Rasen. Bester Auswärtsauftritt dieser Saison, und zwar mit großem Abstand!

Die Gegengerade Karlsruhe machte ebenfalls einen hochmotivierten Eindruck. Starkes Fahnenbild über die volle Distanz, das am heutigen Tag durch etliche der Protest-Doppelhalter flankiert wurde und zu keinem Zeitpunkt wirklich nachließ. Auch war die sichtbare Beteiligung erneut bombastisch. Da springen dann auch gerne Mal zwei Drittel der kompletten Stehränge auf und ab. Auch aufgrund des besseren Gästeblocks kamen am heutigen Tag aber nicht alle der Gesänge auf der Gegenseite an, wenngleich sich die lautstarken Momente, an denen sich auch weitere Teile des Stadions beteiligten, vor allem in Durchgang zwei häuften. Immer wieder klasse, wenn auch die Tribünen häufiger als nur bei der Hymne leidenschaftlich mitziehen!

Auf dem Rasen konnte man im ersten Durchgang noch nicht ahnen, welch unglaubliche Wendungen dieses Spiel erfahren würde. Neben dem geschenkten Treffer zum 0:1 durch Ebnoutalib ließ die SVE allerdings die beileibe verdiente Vorentscheidung vor der Pause liegen und machte es nochmal spannend. Der KSC kam nach dem Pausentee auch tatsächlich zum Ausgleich, ehe Petkov mit einem schönen Schlenzer die erneute Führung besorgte. Doch wieder war es der KSC, der in der Schlussphase den Ausgleich erzielte und die Köpfe im Gästeblock schwer werden ließ. Lässt man sich schon wieder um den verdienten Dreier berauben? Ein letztes Anrennen der SVE in der Nachspielzeit, alles nochmal nach vorne. Lattentreffer durch Schmahl in der 93., laute Gesänge aus dem Gästeblock.

Dann die letzte Situation. Schnelly legt quer auf Keidel, der zieht flach ab – und die Kugel rollt ins Netz. 94. Minute, Ekstase in Schwarz-Weiß! Ein denkwürdiges Ende eines Spiels, das die SVE sowas von verdient, aber auch viel zu knapp gewinnen konnte. Ach, die liebe Chancenverwertung… Allerdings würde ich nichts in der Welt gegen einen solchen Moment eintauschen wollen. Diese Ekstase, diese Freude. Diese Sekunden und Minuten, die einfach alles andere vergessen lassen. Utopischer Jubel der 2.300 Schwarz-Weißen, die den ersten Punktgewinn im Wildpark seit 25 Jahren feierten. Wahnsinn. Das ist Fussball, dafür lohnt sich einfach alles. Und diese Momente lassen wir uns niemals nehmen!