2. Bundesliga: FC Schalke 04 – SV Elversberg

08.11.2025
12. Spieltag 2. Bundesliga
FC Schalke 04 - SV Elversberg
Arena Auf Schalke
Endergebnis: 1:0 (1:0)
Zuschauer: 61.818 (2.500 Gäste)
Ticket: 20,35€

Vier Uhr in der Früh. Das Klingeln des Weckers riss uns nach der kurzen Nacht aus dem Schlaf. Soweit so normal für eine Auswärtsfahrt, doch der Ausblick aus dem Fenster war alles andere als gewöhnlich. Schemenhaft hoben sich die grauen Wohnblöcke Belgrads vom ebenso dunklen Nachthimmel ab. Beim Öffnen des Fensters kroch sofort eine Mischung aus Kippengeruch und Abgasen in die Nase. Ostblock, wie er stereotypischer nicht sein könnte. Fix flogen anschließend die paar Sachen in die Rucksäcke, ehe wir uns wenig später an der Hotelrezeption ein Taxi zum Flughafen bestellten. Da in den Tagen zuvor das Thema ÖPNV nur bescheiden klappte, wollten wir uns die einzig mögliche Busverbindung eher schenken. Gute 20 Minuten Überschreitung sämtlicher Tempolimits durch unseren wortkargen Fahrer später erreichten wir den Flughafen Nikola Tesla.

Dieser ertrank bereits um kurz nach fünf im organisierten Chaos. Wahnsinn, was hier so früh schon los ist. Pass- und Gepäck-Kontrolle liefen dabei allerdings noch deutlich schneller ab als die Besorgung von einem kleinen Frühstück an einem der einzigen geöffneten Läden, bei gefühlt mehr Leuten als zu Stoßzeiten im T2 von Heathrow. Immerhin das Gate war nicht zu weit weg, sodass wir dort fast ohne Wartezeit in den Flieger von Air Serbia stiegen. Knappe zwei Stunden brauchte dieser, ehe wir im dichten Nebel Düsseldorf erreichten. Zwecks Weiterfahrt definitiv die beste Alternative.

Ab hier ging nun alles ganz schnell: Passkontrolle, Skytrain zum Flughafen-Bahnhof, wo exakt mit unserem Eintreffen ein verspäteter RE in die gewünschte Fahrtrichtung eintraf. Schön, dass man sich auf die Verspätungen der DB so gut verlassen kann. In einer guten halben Stunde nach Gelsenkirchen übergesetzt, dort in eine noch leere Tram gestiegen und schon standen wir vor der Arena. Von Tür zu Tür in gut 5,5 Stunden. Überraschend störungsfreie und runde Geschichte! Fix die Rucksäcke in ein Auto geladen und mit Toröffnung die Arena geentert. Der erste Weg führte uns direkt an die Verkaufsstände, wo wir leider feststellen mussten, dass der Grill noch kalt war. Da wir seit einiger Zeit Hunger schoben, eine äußerst unbefriedigende Situation. 20 Minuten später erfreute aber das Knacken der top Roten umso mehr. Herzhaft, leicht feurig und mit gutem Senf eine wahrlich herrliche Mahlzeit.

Das Bierchen hielt unterdessen wach, während die Elversberger Sticker-Mafia fleißig am Werk war. Da wurden etliche Scheiben an der Seite des Gästeblocks gut zugekleistert. 2.500 Elversberger füllten an diesem Samstag den Gästeblock und setzten alleine aufgrund der Zahl einen eigenen, recht hohen Maßstab in Sachen Stimmung. Optisch passte es auch, zumal der Zaun, so wie hier eben möglich, sowie der Fahneneinsatz über 90 Minuten überzeugte. Allerdings waren Mitmachquote und Lautstärke über weite Strecken unterirdisch. Bodenlos, wie man heute sagt. Klar, mit Mai kann und will ich das ganze hier nicht vergleichen. Aber für eine solche Masse, die in der Vergangenheit schon einige Male schön einen abgerissen hat, war das an diesem Tag viel zu wenig. Da scheint mir der Großteil der Eventfahrer mittlerweile viel zu erfolgsverwöhnt. Somit nur wenige gute Momente des Gästeblocks, der den Nachmittag zumindest mit einigen lauten Runden „Auch wenn wir einmal im Regen stehn…“ beendete.

Von Schalke gab’s wiederum das, was man von der Kurve wirklich erwarten kann. Steigerlied (in das natürlich auch der Gästeblock einstieg), Vereinshymne mit zehntausenden Schals, Fahnenmeer und generell utopische Momente. Wenn da alle Tribünen mit einsteigen, gibt es in Deutschland kaum lautere Stadien als diese Halle. Wahnsinn. Vor allem ab der 60. Minute, nachdem der Support nach einem Notfalleinsatz auf der Süd wieder aufgenommen wurde, war teilweise richtige Eskalation angesagt. Stark, top, Erste Liga in Sachen Support!

Sportlich war der Käse in der 4. Minute bereits gegessen. Elversberg verschlief den Start, Schalke stach einmal zu und stand danach hinten einfach phänomenal dicht. Die SVE fand wenige bis keine passenden Mittel und überzeugte offensiv wieder mal absolut nicht. Die Länderspielpause kommt zur rechten Zeit. Allerdings sah die Geschichte bis zum letzten Pass echt nicht verkehrt aus. Keine Grusel-Vorstellung wie gegen Hertha oder Bielefeld, sondern vielmehr der Kampfgeist von der Begegnung gegen Hannover. Nur die Torjäger bräuchten eine Portion Selbstvertrauen, dann klappt es auch mal wieder mit einem Dreier. Auch wenn tabellarisch alles mehr als im Lot ist, wogen die Köpfe nach den neunzig Minuten doch etwas schwerer. Wer verliert schon gern, und das zuletzt so häufig?

Dennoch gab’s Applaus für die Jungs im schwarz-weißen Dress, während es zwischen den angrenzenden Schalker-Fans und dem Gästeblock zum üblichen Becherwurfwettbewerb kam. Könnte auf Schalke echt olympisch werden, jedes Mal die gleichen Idioten rundherum. Während die Heimkurve die drei Punkte bejubelte, machten wir uns wieder auf den Weg nach draußen. Per Mitfahrgelegenheit ging es zunächst zwecks Essen nach Essen, ehe von dort schließlich der gebuchte ICE gen Frankfurt startete. 1,5 Stunden und eine Uber-Fahrt später (dank Baustelle mal wieder keine S-Bahn, drittes Mal in diesem Jahr, würg) erreichten wir schließlich die eigenen vier Wände und beendeten den Tag womit? Richtig, mit noch mehr Fußball im TV!