2. Bundesliga: 1.FC Magdeburg – SV Elversberg

05.10.2025
8. Spieltag 2. Bundesliga
1.FC Magdeburg - SV Elversberg
Heinz-Krügel-Stadion
Endergebnis: 0:4 (0:2)
Zuschauer: 21.884 (130 Gäste)
Ticket: 19,25€

Auswärts mit dem Bus, Zug oder gar Flugzeug? Uns deutlich zu langweilig, denn wir stehen bekanntlich auf echte Abenteuer! So oder so ähnlich fühlten wir uns, als wir den Auftritt in Magdeburg für einen lange geplanten Test nutzten: Langstrecke mit einem Elektroauto. Für die eine Hälfte der Leser jetzt wahrscheinlich nichts Neues, weil ein solches Gefährt bereits via Kabel mit der eigenen Hauswand verbunden ist, während die andere Hälfte nur beim Gedanken an den fehlenden Benzintank Blutdruck bekommt. Zähle mich eigentlich auch eher zur zweiten Kategorie, aber testen muss man so eine Kiste ja mal, gerade wenn die nicht ausgeschlossene Option existiert, ein solches Gefährt bald von Seiten des Arbeitgebers auf den Hof gestellt zu bekommen.

Ums kurz zu fassen: So recht überzeugt hat mich die Geschichte nicht. Über 400 Kilometer pro Strecke bedeuteten je zwei Stopps auf Hin- und Rückweg, doppelt so viele wie gewöhnlich. Während ich darüber aber noch einigermaßen hinwegsehen könnte, da die notwendigen 15 Minuten fix am Handy verdaddelt wurden, schockten die Preise an den Ladestationen trotz Tankkarte enorm. Da verbraucht so ein Kasten auf 100km auch noch doppelt so viele Euronen an Strom wie unser französischer Renner an toten Dinosauriern. Experiment vorerst gescheitert, würde ich sagen.

Die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt erreichten wir am Ende dennoch, wenn auch etwas hinter dem eigentlichen Zeitplan. Fix auf dem VIP-Parkplatz, der in Teilen den Gästen zur Verfügung stand, abgeparkt und schnell hinein ins HKS, ertönten von außerhalb bereits die donnernden Schläge explodierender Raketen. Drinnen allerdings noch tote Hose, Block U bis auf die bereits hängende Zaunbeflaggung komplett verwaist. Ein weiterer Böller später stürmte die Kurve schließlich hinein, voller Motivation, die rote Laterne an diesem Tag abzugeben. Dann war wieder Ruhe und wir konnten diese abartig blöden Stufen entlang der Sitzplätze des Gästeblocks erklimmen. Da bist du gefühlte zehn Minuten unterwegs, ehe die oberen Reihen mit bester Sicht in die Bude erreicht werden.

Trostlos war die Geschichte unterdessen am Verpflegungsstand. Ein Paar Wiener oder vorab verpackte Schnitzelbrötchen – was ‘ne Auswahl. Portionsweise war Letzteres zwar für die 4,50€ absolut in Ordnung, aber kalt, trocken und insgesamt sehr lieb- und geschmacklos. Nach der positiven Offenbarung in Braunschweig sprechen wir hier eher vom anderen Ende der Skala. Dass der Grill ausblieb, lag vielleicht aber auch am ausgerufenen Nachhaltigkeitsspieltag. Mehrwegbecher mit schönen Motiven wie im Heimbereich suchte man dennoch vergebens für die Sammlung, aber 80 Cent Pfand auf Einwegbecher, die dann hinter statt vor dem Tresen im Müll landeten, retten die Umwelt eben auch…

Nachhaltig beeindruckt waren wir lediglich von der bockstarken Leistung des Block U sowie vom gesamten HKS, wenn auch einige Plätze aufgrund der sportlichen Lage frei blieben. Eine wahrlich unfassbare Geschlossenheit in der eigenen Kurve, die in keiner Situation die 100% unterschritt. Schlichtweg brachiale Schlachtrufe und Gassenhauer, die teils gemeinsam mit anderen Tribünen, teils im Wechsel, für eine unfassbare Atmosphäre sorgten. Auch bei unserem nunmehr vierten Besuch (der dritte davon im Gästeblock) blieb uns gerade anfangs fast der Atem weg, so dermaßen laut peitschten die markerschütternden Gesänge auf uns ein.

Joa, und dann stehst du dieser Wand mit 130 Hanseln gegenüber. Kaum erwähnenswert daher, dass der Support des trotzdem recht geschlossenen Haufens aus Elversberg den Zaun des eigenen Blocks nicht immer erreicht haben dürfte. Durchgezogen wurde trotzdem, ehe ein Notfall auf der Haupttribüne im ersten Durchgang dem Treiben auf den Rängen ein jähes Ende setzte. Gespenstisch still wurde es, während sich die Sanitäter um das Wohl eines blau-weißen Anhängers kümmerten. Eine echte Scheiß-Situation, die ich absolut nicht brauche. Da werde ich lieber von 20.000 Kehlen niedergesungen als dass ich einem Notfall im Stadion beiwohnen muss. Gute Besserung an der Stelle!

Beschwerlich war daher der erneute Einsteig in den Spielsupport, der erst nach der werbe- und musikfreien Halbzeitpause wieder anlief, auf der Heimseite aber nicht mehr das Niveau der Anfangsphase erreichte. Lag selbstredend auch am Spielverlauf, sodass sich die Gäste immer häufiger im leiser werdenden Rund Gehör verschaffen konnten. Block U drehte dem Rasen später gar den Rücken zu und feierte vielmehr die eigenen Farben als die derzeitige Mannschaft, die diese nicht gerade glorreich auf dem Feld repräsentierte. Die Saarländer gegenüber konnten hingegen ihr Glück kaum fassen, überstanden die eigenen Mannen doch eine offensive und skurrile erste Drangphase des FCM, inklusive eines Abseitstors und eines Freistoßes innerhalb des eigenen Sechzehners.

Mit Contés Kopfballtreffer schwappte das Momentum allerdings unverzüglich auf die Seite der SVE, die in Form von Zimmerschied noch vor der Pause erhöhen konnte. Ein Doppelschlag von den jungen Wilden Stange und Malanga besiegelte schließlich den deutlichen Auswärtserfolg bei teils erschreckend schwachen Magdeburgern. Das Stadion leerte sich bereits ab der 80. beachtlich und selbst Block U baute noch vor dem finalen Pfiff ab und verließ die eigenen Ränge. Eine wirklich schwierige Situation für die Größten der Welt so früh in der Saison, denn Blau-Weiß geht mit lediglich drei Punkten als Tabellenletzter in die Länderspielpause. Partystimmung dagegen beim frisch gebackenen Spitzenreiter namens SVE. 19 Punkte aus 8 Spielen. Superlative reichen da nicht mehr. Einfach grandios, was die Jungs hier leisten!

Entsprechend ausgiebig auch die Feier der treuen Auswärtsfans mit ihren Kickern, die zudem die Vertragsverlängerung von Ole Book zelebrierten. Schön, dass er bei uns noch nicht fertig ist! Beinahe komplett verwaist waren die Ränge des HKS, bevor sich der Gästeblock langsam leerte und auf den langen und stauverseuchten Weg zurück in die Heimat machte. Mal wieder ein klasse Auswärtsspiel, wenngleich ich mein Schlusswort aus Braunschweig wiederholen muss: Fahrt auswärts! Es lohnt sich!