2. Bundesliga: Eintracht Braunschweig – SV Elversberg

20.09.2025
6. Spieltag 2. Bundesliga
Eintracht Braunschweig - SV Elversberg
Eintracht-Stadion
Endergebnis: 1:4 (1:2)
Zuschauer: 20.085 (175 Gäste)
Ticket: 20,90€

Braunschweig, Hannover, Magdeburg. Drei Städte und ihre Vereine, die in Teilen nur ungern in einem Satz genannt werden wollen. Für die SVE und ihren Anhang haben alle drei aber eines gemeinsam: Es handelt sich schlichtweg um das Bermudadreieck in Sachen Auswärtsfahrten. Sprich: Kein Schwein fährt hin. Zu weit für die meisten Eventler, nicht weit genug für die Wochenendtouristen. Was bleibt ist eben nur der kleine Allesfahrer-Kern und somit ein gewisser Gradmesser für die Entwicklung der Szene. Denn mich interessiert recht wenig, ob jetzt 3.000 oder 4.000 auf den Betze fahren. Vielmehr, ob die 115 in Magdeburg aus dem Vorjahr übertroffen werden. Und eben, wie viele es nach Braunschweig verschlägt.

Wir bauten uns derweil rund um das Auswärtsspiel ein ganzes Wochenende in Niedersachsen, buchten eine Unterkunft und machten ebenso Tickets für den Sonntag in Hannover (Havelse) klar, sodass es am frühen Samstagmorgen mit einer guten Portion Vorfreude die gut dreieinhalb Stunden ab Frankfurt bis an die Hamburger Straße ging. Geparkt direkt vorm Gästeblock, bisschen Sonne tanken und wenig später ab hinein in die gute Stube. Wobei, bei fast 21(!) Tacken für den Steher hätte man eigentlich in der Nacht zuvor die Spielstätte ordentlich demolieren müssen, oder? Hab gehört, das versteht sich so in Niedersachsen…

Bis auf die horrenden Preise war’s aber erneut eine runde Sache hier. Ein kaltes Bierchen kühlte ein wenig ab, während das Schnitzelbrötchen absolute Bestnoten einheimste. Mit so krosser Panade und sogar Röstzwiebeln drauf ein einmaliges Teil, das nach reiflicher Überlegung sogar den Platz an der Sonne in der Kategorie Schnitzelbrötchen in deutschen Stadien einheimsen durfte! Und auch die Mantaplatte, von der ich probieren durfte, bekam zwei ausgestreckte Daumen nach oben.

Gut gesättigt schlug immerhin die Betrachtung des Gästeblocks nicht allzu sehr auf den Magen. 175 Nasen, verstreut auf zwei Blöcke. Alles nur nicht zweitligareif. Ohne Ausreden. Ja, es waren mehr als die letzten beiden Male. Aber in keinem Verhältnis zur derzeit möglichen Mobilisierung im Radius von 300 Kilometern. Immerhin der dezimierte Haufen positionierte sich einigermaßen kompakt unterm Dach und zog über neunzig Minuten durch was eben ging. Hauptsächlich kurz gehaltene Klassiker und Gassenhauer, die meist zwei bis drei Runden gut liefen, dafür aber umso häufiger im Verlauf des Nachmittags wiederholt wurden. Support wie früher in der Regionalliga, dazu Notbesetzung an der Trommel. Maximal ok war’s insgesamt, mehr aber auch nicht. Leute, fahrt auswärts!

Denn nur live im Stadion kam die dichte Schalparade der Hausherren vor Anpfiff zur Hymne so geil rüber. Das kann keine Kamera, keine Perspektive auch nur annähernd in dem Ausmaß einfangen, wie man es hier erlebt. Top zudem mittlerweile der Zaun der Braunschweiger Südkurve, den ich in der Vergangenheit das ein oder andere Mal kritisierte. Nun sind alle Lücken dicht und die Hauptfahne des Zusammenschlusses der zentralen Gruppen kommt perfekt zur Geltung. In Sachen Tifo konzentrierte sich die Geschichte jedoch weiterhin auf eben jenen, mittigen Block. Kompakter, dichter Schwenkfahneneinsatz und viel Bewegung prägten dabei die Mitte, doch nur wenige Meter neben den Zäunen ließ die Aktivität spürbar nach. Von den Gesängen kam ebenfalls nicht wirklich viel im Gästeblock an, wobei die Akustik des weiten Runds auch nicht sonderlich förderlich schien. Subjektiv betrachtet ein eher schwacher Auftritt der Braunschweiger Szene, der um Welten von den Auswärtsspielen an der Linde sowie vorherigen, besuchten Partien im Eintracht-Stadion entfernt schien.

Stand vielleicht auch im direkten Zusammenhang mit der Leistung der Löwen auf dem Rasen, denn bereits in der 12. Minute schlug Elversberg in Form von Younes Ebnoutalib eiskalt zu und netzte zur frühen Führung. Nach einer guten halben Stunde glich zudem Jan Gyamerah (s)einen Fehler zum zwischenzeitlichen Ausgleich aus, ehe die Gelb-Rote für die Hausherren nach einer Stunde den weiteren Verlauf der Partie vollends besiegelte. Erneut Younes (sechste Bude in den letzten drei Spielen!) und Schmahl, beide nach Vorarbeit von Otto Stange, machten im Glutofen von Braunschweig letztlich alles klar. Im Ergebnis mitunter etwas zu hoch, zumal die Löwen auch so einige Hochkaräter herausspielten. Doch über gestiegene Effektivität in der Elversberger Offensive möchte ich mich ungern beschweren. War ja schließlich in der Vergangenheit öfter mal der Knackpunkt.

Laut waren sie am Ende, die „Spitzenreiter“-Rufe des Gästeblocks, der den verdienten Sieg in der Ferne zelebrieren durfte. Extra Applaus zudem für Younes. Wieder ein Doppelpack. Im dritten Spiel hintereinander. Wahnsinn! Richtig starkes Spiel aber auch von Otto Stange, aber auch von allen anderen. Allein dafür lohnte sich die Fahrt! Nach Verabschiedung der Kicker ging es für uns weiter in Richtung der schönen Braunschweiger Altstadt. Einchecken im Hotel, anschließend Abendessen unter freiem Himmel. Da schmeckte der kroatische Grillteller nochmal eine ganze Ecke besser! Ein paar leckere Bierchen an der top Adresse namens Liquid Story wurden ebenso vernichtet, ehe der lange, aber umso erfolgreichere Tag sein Ende fand. Fahrt auswärts, denn das sind die Erinnerungen fürs Leben!