2. Bundesliga: SV Elversberg – SG Dynamo Dresden

14.09.2025
5. Spieltag 2. Bundesliga
SV Elversberg - SG Dynamo Dresden
Waldstadion an der Kaiserlinde
Endergebnis: 2:2 (1:2)
Zuschauer: 9.307 (1.600 Gäste)
Ticket: Dauerkarte

Mei Nerve, was ein Krimi! Da kickst du das dritte Heimspiel in Folge einen ansehnlichen Fußball, doch die entscheidende Kugel aufs Tor will erst nach der 90. Minute im Netz zappeln. Aber genau diese Szenen, diese Jubelorgien sind doch einfach die schönsten, die überhaupt existieren! Und es waren erneut Momente, nach denen es lange Zeit nicht wirklich ausschaute. Denn mit Dynamo war ein Aufsteiger zu Gast an der Linde, mit denen sich die SVE ja traditionell schwer tut. Trotzdem waren die Ränge bis auf den letzten Platz gefüllt, während die Spätsommersonne die Traversen deutlich über das erwartete Niveau wärmte. 1.600 Dynamos machten sich dabei im Gästeblock breit und schmückten den Zaun mit unzähligen Fetzen in Gelb-Schwarz. Top Optik, wenngleich auf eher wenige Schwenker gesetzt wurde.

Dafür war die gezeigte Schalparade eine der dichtesten, die ich jemals hier gesehen habe. Stichwort Schal: Mitte der zweiten Hälfte erspähten die Augenpaare der Heimseite am Zaun rund um UD einen Block C Schal der Marke Uralt. Vorneweg 12 Jahre, wenn nicht sogar noch älter. Auf welchem Weg das Teil allerdings nach Dresden wanderte, blieb schleierhaft. In Sachen Support übertraf Dresden beinahe selbstredend den Auftritt an gleicher Stelle aus dem Jahr 2023, dank des nun vorhandenen Daches auch so zu erwarten. Allerdings blieb der anfangs oberkörperfreie Haufen leicht hinter den subjektiv hochgesteckten Erwartungen. Vor allem die Klassiker und Schlachtrufe im ersten Durchgang schepperten teils brachial durch die Linde, doch in Halbzeit zwei ging, trotz wahrnehmbarer Komplettbeteiligung, lautstärketechnisch wenig. Dennoch Daumen hoch fürs Mitnehmen von tatsächlich ALLEN Gästefans über große Teile des Spiels!

Die Elversberger Kurve, nach einer Malaktion in der Länderspielpause mit frisch gestrichenen Stufen unter den Füßen, erwischte an diesem Sonntag allerdings auch beileibe keinen Sahnetag und blieb doch recht deutlich hinter den bisherigen Heimspielen gegen Nürnberg und Lautern zurück. Wenig Zug in den Gesängen und selbst die Mitte kratzte nur selten am vorhandenen Potenzial. Lag wohl auch am Spielverlauf, was aber mal wieder recht schade ist. Feiern kann jeder. Aber die Mannschaft genau dann nach vorne peitschen, wenn sie hinten liegt und den Motivationsschub gebrauchen könnte? Daran gilt es weiter zu arbeiten. Allzu schlecht wars dann aber auch wieder nicht und zumindest in Drangphasen gelangen ein paar solide Momente, in die auch die anderen Tribünen mit einstiegen.

Und Offensivphasen gab es auf Elversberger Seite erneut so einige, wenngleich bereits in der dritten Minute der erste Dresdner Treffer einen gewissen Dämpfer bedeutete. Ausgerechnet Younes Ebnoutalib versenkte die Pille nach einem scharf geschossenen Freistoß mit einem Abstauber und glich die flotte Partie noch in der Anfangsphase aus. Doch die Sachsen blieben weiter gefährlich, auch weil die spielerische Lösung in den Elversberger Abwehrreihen nicht den gewünschten Effekt erzielte. Gelinde gesagt: Die Vorarbeit zu den meisten Dresdner Großchancen wie auch zum 1:2 leistete die Abwehr der SVE durch haarsträubende Fehler selbst. Erst nach dem Pausentee schien die Standfestigkeit zurück und eine 45-minütige Drangphase begann, in der die Gäste kaum noch Zugriff finden sollten.

Die Führung für Schwarz-Gelb stand jedoch auch nach 90 Minuten noch auf der Anzeigetafel. Bis, ja, bis Younes Ebnoutalib erneut frei vorm Tor richtig stand und direkt vor der eigenen Kurve den Ausgleich erzielte. Erneut ein emotionaler und lautstarker Jubel – nicht nur aufgrund des späten und höchst verdienten Ausgleichs. Vielmehr für Younes selbst, der seinen zweiten Doppelpack im zweiten Spiel erzielte und sich dabei selbst das wohl beste, nachträgliche Geburtstagsgeschenk machte. Der Junge ist derzeit nicht zu bremsen! Wenig später erfolgte der letzte Pfiff einer turbulenten Begegnung, an deren Ende die Saarländer deutlich mehr zu feiern hatten als die Sachsen.

Mal keine Niederlage gegen einen Aufsteiger, dazu zwei Mal einen Rückstand aufgeholt. Zehn Punkte nach fünf Spielen markierten zudem einen hervorragenden Saisonstart – immerhin bereits ein Viertel des Weges zum Klassenerhalt! Da gratulierte auch der Torjäger des Vorjahres, Fisnik Asllani, den es trotz seines eigenen Spiels am Vortag in Berlin an diesem Sonntag an die Kaiserlinde verschlagen hatte. Du bist immer wieder herzlich in Elversberg willkommen! So endete der Nachmittag mit einer kleinen Feier mit der Mannschaft, während sich der Gästeblock recht schnell leerte und den Blick auf frisch tapezierte Wände offenbarte. Ich wäre echt froh, wenn andernorts ebenfalls so viel Freiheit mit Blick auf Sticker herrschen würde wie hier in Elversberg. Gehört nämlich genauso zur Fußballkultur wie Fahnen und Fangesänge!