Regionalliga: BFC Dynamo – SV Babelsberg

30.08.2025
6. Spieltag Regionalliga Nordost
BFC Dynamo - SV Babelsberg
Sportforum Hohenschönhausen
Endergebnis: 0:4 (0:4)
Zuschauer: 2.138 (400 Gäste)
Ticket: 15€

Samstagmorgen. Die Sonne blitzte durch die zu große Lücke des Vorhangs unseres Hotelzimmers und weckte uns langsam auf. Ein echt erhabenes Gefühl, ausgeschlafen mit drei Punkten im Gepäck die Federn zu verlassen und sich auf den Tag zu freuen! Currywurst zum Frühstück, dazu ein überteuerter Kaffee von einer bekannten, amerikanischen Kette mit extra falsch geschriebenen Namen auf den Bechern. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel mit unserer Laune um die Wette. Ach ja, Berlin. Wir mögens hier! Mit viel Zeit auf der Uhr stapften wir ein wenig durch die Gegend des Alexanderplatzes. Rotes Rathaus, Fernsehturm. Rüber zur Museumsinsel, eine Runde um den Dom und schließlich durchs lebendige Nikolaiviertel zurück zum Ausgangspunkt. Alles schon gesehen und dennoch immer wieder eine kleine Runde wert.

Dann rief König Fußball erneut. Regionalliga Nordost, Anstoß 14.00 Uhr. Das aktuelle Derby hier, Dynamo gegen Babelsberg. Ein Duell, das wir ungelogen bereits drei Mal ansteuerten. Zwei Mal weilten wir bereits in der Hauptstadt, doch Schnee und Eis sorgten für eine Komplettabsage. Ein weiteres Mal waren wir es schließlich, die sich aus Gründen spontan gegen den Besuch und für eine andere Option entschieden. Aber vor allem die wetterbedingten Absagen nervten damals tierisch. Nun also sollte es endlich soweit sein. Sportforum Hohenschönhausen. Ein Name, der mit einer gewissen Erwartungshaltung an den Tag verknüpft war.

Via eigentlich direkter Tram ging es in den Berliner Nordosten, wo wir, aufgrund einer Demo, dann aber doch nochmal die Linie wechseln mussten. Gerade rechtzeitig erreichten wir die weitläufige Anlage, kauften an der Tageskasse ohne Schlange zwei Tickets zu je 15€ samt freier Platzwahl (keine Ermäßigungen da Risiko-Spiel) und enterten kurz darauf die Bude. Und alleine der Fußweg bis zur linken Seite der Haupttribüne war die Tickets wert. Was da für Material herumlief… Nicht von dieser Welt! T-Shirts mit Slogans und Symbolik wie in Polen, Hool-Shirts im VIP-Bereich und ein verlebtes Publikum, das man in diesem Ausmaß wohl nur beim BFC findet. Wir waren bei unserem ersten Besuch 2019, damals im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, schon beeindruckt, heute war das Ganze aber nochmal auf einem anderen Level.

Gleiches galt für die Verpflegung, denn so eine starke Jagdwurst im Brötchen hatte ich bisher noch nicht. Mal nicht in Fett gebraten, sondern frisch vom Gasgrill, mundete das Teil hervorragend! Doch der wahre Hauptgang war selbstredend die Bude. Mit einem Bierchen in Händen pflanzten wir uns ans äußere Ende der Hauptseite und ließen die Augen über die bewachsenen Traversen schweifen. Weite Kurven ziehen sich hier ums saftige Grün, während nur ein kleines Dach den VIPs etwas Schatten spendete. Schnörkellos und in die Jahre gekommen, aber durchaus erhaltenswert.

Die aktive Fanszene des Berliner FC hatten wir dabei schräg gegenüber auf der Gegengeraden im besten Blick. Nach Auflösung der Ultras ziert nun die „Banda Invicta“ das Zentrum des Zauns des mit weinrot-weißen Bändern abgesperrten Support-Bereichs, der sich bis zum Anpfiff ordentlich füllte. Und auch sonst machten wir etliche schöne Stücke Stoff in der Bude aus. Eine sehr lebendige und reichhaltige Zaunfahnenkultur pflegen sie hier! Viel Farbe in Form von Schwenkern und Doppelhaltern zudem im aktiven Bereich, der sich von Beginn an in Bewegung zeigte.

Sprung- und Klatscheinlagen zogen ordentlich, während die Gassenhauer trotz des fehlenden Dachs wuchtig in unsere Richtung schallten. Den Gästen wurden ebenso ein paar Zeilen gewidmet, wenn auch nicht im erwarteten Ausmaß. Lediglich das später gezeigte Spruchband „Die Platte platt machen? Babelsberg 0315!“ wurde mit einigen längeren Hasstiraden untermalt. Aufgrund des Spielverlaufs konnten die ganz lauten Momente ab Mitte der ersten Halbzeit zwar nicht mehr erreicht werden, allerdings wurde bis zur 90. weiter durchgezogen. Daumen hoch für die Mentalität!

Die gut 400 Babelsberger, die, so ehrlich müssen wir sein, in der Südkurve deutlich näher zu unseren Plätzen untergebracht waren, machten unterm Strich in unseren Augen den leicht besseren Eindruck. Viele kleine Gruppenfetzen zierten dabei den vorderen Wellenbrecher, während sich die beiden Capos auf umgedrehten Cola-Kisten vor dem supportwilligen Mob positionierten. Schwenker und Doppelhalter wehten auch hier beständig in der Luft, während die mitziehende Masse der Heimseite etwas überlegen schien.

So empfanden wir die Gäste als klar tonangebend am heutigen Nachmittag. Das textreiche und melodische Liedgut ging gut ins Ohr, während man sich auch hier in Sachen Hassbotschaften weitestgehend zurückhielt. Vielmehr wurde der Sieg der Freunde aus St. Pauli im Stadtduell am Vorabend gefeiert sowie den heutigen Hausherren gar viel Erfolg im Kampf um den Ausbau des Sportforums gewünscht („Damit die Pest HSH (Hohenschönhausen) nicht verlässt – Ausbau Sportforum jetzt!“). Sonst regierte der Spaß im Gästeblock, bei dem gar die Schilder der sich hinter dem Haufen befindlichen, manuellen Anzeigetafel durch die Meute wanderten.

Bei dem Ergebnis allerdings erwartbar. Denn Nulldrei genügten, nach einem verwandelten Foulelfmeter, drei weitere Minuten, um den Vereinsnamen auf die Anzeigetafel zu projizieren. Kurz vor der Pause war mit dem vierten Treffer die Messe komplett gelesen. Keine Spur mehr von den jüngst erfolgreichen Spielzeiten des BFC. Zumindest nicht am heutigen Tag, denn das war sportlich schlichtweg schwach. Quittierten auch die Anhänger der Hausherren mit vielen Pfiffen, während sich die heimische Kurve zunächst in Schweigen hüllte, nur um am Ende nochmal kurze Parolen in Richtung der eigenen Mannschaft zu skandieren. Doch das „Yalla, yalla, yalla SVB!“ erfüllte das Sportforum nun komplett. Während die Blau-Weißen sich feiern ließen, machten wir uns langsam auf den Weg nach draußen. Auch wenn es sportlich eine deutliche Angelegenheit war, machte der Besuch beim BFC dennoch viel Spaß. Einfach ein kultiger Verein mit schicken, historischen Sportstätten.

Mit dem endlich erfolgreich gesetzten Haken ging es nun zurück in Richtung Innenstadt. Abendessen im Tak Kee in Charlottenburg. Authentische, kantonesische Küche in einer Qualität, wie wir sie noch selten in Deutschland bekommen haben. Empfehlung an alle Interessierten! Abends dann noch einen Drink an der Hotelbar gehoben, ehe es sonntags nach dem Frühstück überraschend pünktlich mit der Bahn zurück nach Frankfurt ging. Fast schon voll des Lobes für den ÖPNV an diesem Wochenende, fiel daheim den ganzen Tag über die S-Bahn bis nach Hause aus. Musste ja so kommen…