Eredivisie: PSV Eindhoven – Sparta Rotterdam

09.08.2025
1. Spieltag Eredivisie
PSV Eindhoven - Sparta Rotterdam
Philips Stadion
Endergebnis: 6:1 (3:0)
Zuschauer: 34.300 (ca. 400 Gäste)
Ticket: 50€

Wenn ich ehrlich bin, mag ich die Niederlande eigentlich schon. Gepflegte Städte, nette Leute und jeder spricht Englisch. Dazu gutes Bier in den allermeisten Etablissements. Doch mit dem Fussball in den dortigen Breitengraden kann ich nichts anfangen. Zu hoch die Hürden für einen Stadionbesuch in der obersten Liga, die stimmungstechnisch zudem nur knapp über der Insel zu verorten ist. Und da wir aus familiären Gründen sowieso häufig in England unterwegs sind, brauche ich keine ähnliche Destination zwecks Abwechslung am Wochenende. Den BeNeLux-Vergleich gewinnt Belgien zumindest bei uns in 10 von 10 Fällen. Da rund um das Auswärtsspiel in Bochum allerdings weder in der Wallonie noch in Flandern etwas sinnvolles zu holen war, fiel die Wahl dann doch auf die Niederlande. Die große Bude in Eindhoven zählte dabei zu der Handvoll Stadien, die ich dann trotzdem im flachen Land mal gesehen haben will, zumal ich während eines Schulausflugs vor geraumer Zeit sogar mal davor stand.

Allerdings ist das Thema Tickets echt so eine Sache. Viele Partien in der Eredivisie sind ausverkauft oder lediglich mit Club Card zu besuchen, wobei man sich nur bei einem Verein registrieren kann. Wenn dann mal was im freien Verkauf zu haben ist, dann meist auch nur für Besitzer einer niederländischen ID. Frust pur, aus dem man sich beim PSV ein schönes Geschäft strickte. Denn hier verkauft man explizit an Ausländer gerichtete „Packages“ sogar Wochen vor dem Start des heimischen VVKs. Bedeutete: Du willst eine Karte in der Ecke des Oberrangs für normale 37,50€? Sehr gerne, sie kostet für dich allerdings 70€ inklusive 20€ Gutschein für den physischen Fanshop! Macht einen Ticketpreis von lockeren 50 Tacken, also mal eben ein Drittel über dem für Einheimische. Wie war das nochmal mit Gleichberechtigung? Und warum dürfen die niederländischen Wohnmobil-Karawanen weiterhin kostenlos über deutsche Autobahnen schippern? Anderes Thema, allerdings könnte sich gerne mal eine Institution um diese dobrindtsche Abzocke ausländischer Fußballfans kümmern.

Wir wollten am Ende aber dennoch hin, weshalb die 140 Taler für zwei Karten wohl oder übel überwiesen wurden. Immerhin 40 Euro konnten ja in den sowieso eingeplanten Kauf von Mitbringsel reinvestiert werden, so ganz zufrieden war ich damit aber dennoch nicht. Zumal man beim Kauf noch nicht einmal seine Sitze selbst auswählen konnte. Nein, die bekommt man erst 2 Tage vor der Partie zugewiesen und im Anschluss das E-Ticket zugeschickt. Allerdings hatten wir zumindest dabei Glück und die Tickets mitsamt Wunschperspektive ausgedruckt in Händen. Damit ging es samstags nun auf die Autobahn gen Westen, umrahmt von den bereits erwähnten Kolonnen niederländischer Wohnmobilbesatzungen. Unfassbar, was da an Massen gelber Kennzeichen auf dem Weg nach Hause waren.

Dennoch erreichten wir unsere Bleibe im Zentrum Eindhovens recht pünktlich, fanden dank defekter Schranke gar einen kostenfreien Parkplatz und flanierten anschließend durch die roten Gassen der übersichtlichen Innenstadt. Klein aber fein trifft es wohl am Besten, denn obwohl wir so ziemlich alle interessanten Ecken innerhalb einer halben Stunde abliefen, fühlten wir uns sehr wohl im lebendigen Treiben. Viele Kneipen, viele Bars und viele überdachte Sitzmöglichkeiten auf den Plätzen. Da durften es auch gerne zwei Runden leckere Bierchen sowie eine gute Mahlzeit sein, ehe wir uns, nach erfolgreichem Stopp im Fanshop (die 40 Tacken mussten ja irgendwie ausgegeben werden), mitsamt der rot-weißen Masse in Richtung Philips Stadion aufmachten. Da schien wirklich die halbe Stadt auf den Beinen zu sein, wobei die Anreise per Pedes auch die einzig sinnvolle Option darstellte, liegt die Bude doch wirklich direkt am Rand der Innenstadt. Eine Lage zwischen Wohnhäusern, die, wie auch der Anblick von Außen, sehr stark an England erinnerte. Aber auch einfach deutlich stimmiger wirkt als die Neubauten an der Autobahnausfahrt in der Heimat.

Rein ging es schließlich in den Block GG, dem Oberrang der Ecke im Westen, wo wir unsere Plätze in der zweiten Reihe in Richtung der Haupttribüne verorten konnten. Top Sicht auf alle relevanten Bereiche der Bude inbegriffen! Die präsentierte sich auch in ihrem Inneren im englischen Stil, zumindest mit Blick auf die tief hängenden Dächer, die die Sicht aus höheren Bereichen der Oberränge auf andere Traversen versperren. Sonst sind die gut 35.100 roten Sitze des All-Seaters die einzige Konstante des stark asymmetrischen Baus, der über die Jahre und durch unzählige Renovierungen gewachsen ist. So stellen die Ecken die neuste Erweiterung dar, die allerdings höher ausfielen als die Hintertortribünen und somit etliche Plätze unbenutzbar machen. Dafür kommen die Bereiche, im Gegensatz zu den Oberrängen hinter den Toren, ohne sichteinschränkende Stützen aus, während in jeder noch so kleinen Ecke des Stadions Platz für Business Logen gefunden wurde. Echt selten so viele teure Plätze in einem Stadion gesehen…

Insgesamt allerdings eine einmalige und schicke Bude, die den bereits seit 1913, also seit Gründung des Werksvereins, bespielten Rasen umgeben. Und auf dem die Eindhovense Voetbalvereniging Philips’ Sport Vereniging zahlreiche Erfolge feiern durfte. Mit 26 Titeln ist der drittgrößte Verein des Landes der zweiterfolgreichste, wobei etliche Weltstars dem Club zu seinem Ruhm verhalfen. Größen wie Ronaldo, Mark van Bommel, Ibrahim Afellay, Arjen Robben, Patrick Kluivert, Ruud van Nistelrooy und Romário schnürten genauso die Schuhe für die Rot-Weißen wie zuletzt ein Mario Götze oder ein Park Ji-sung. Und auch im aktuellen Aufgebot von Trainer Peter Bosz schlummern sicherlich einige bekannte Namen wie die von Ivan Perišić, Ricardo Pepi und Ruben van Bommel. Viele große Namen, viel Erfolg – wie steht’s da um die Fanszene?

Ohne jegliche Erwartungen schauten wir uns das Treiben im Süden erstmal an – und wurden mit einer schicken Choreo direkt positiv überrascht. Eine detailliert gemalte Blockfahne zelebrierte die Meisterschaft in der abgelaufenen Saison, die die zweite in Folge und die 26. der Vereinshistorie markierte. So schön die Blockfahne auch war, so schlimm sah das Papptafel-Muster im Oberrang aus. Zwei Sterne und die Zahl 26 konnten schemenhaft und mit viel Phantasie erkannt werden. Naja, insgesamt aber ein nettes Bild. Im Anschluss an das Techno-Festival durch die Lautsprecher vor Spielbeginn heizten die Gruppen „Lighttown Madness“ und „Boys from the south“ der Bude mehr als ordentlich ein.

Farblich klar in Schwarz und Rot getrennt, allerdings hinter der jeweils anderen Gruppenfahne stehend, waren in etwa 200 – 300 ultraorientierte Jungs am Werk, die mit Schwenkfahnen, Trommeln und einigen Capos über die volle Distanz gut durchdrehten. Viele Klatsch- und Sprungeinlagen dominierten das Bild, während die Gesänge durch die Bank dem kontinentaleuropäischen Standard entsprachen. Per se ja nicht schlecht, hatte ich anfangs einen stärkeren, britisch angehauchten Support-Stil erwartet. Bis auf diesen Block war die Geschichte aber echt mau. Nur selten zog das restliche Stadion mit, das im Übrigen von einer immensen Grundlautstärke durch Unterhaltungen und Kommentare erfüllt war. Ganz selten wurde es mal so richtig laut, allerdings flachten die Lieder meist nach einer Wiederholung wieder ab. So blieb uns die meiste Zeit nur die Beobachtung des, im Verhältnis zur Größe der Kurve, recht kleinen Haufens auf der Heimseite, dessen Gesänge folglich nicht immer zu uns durchdrangen.

Von den etwa 400 Gästen aus Rotterdam bekamen wir noch weniger mit, was allerdings primär an deren gewähltem Standort direkt an der Plexiglasscheibe lag. Schemenhaft konnten wir hier permanentes, oberkörperfreies Abdrehen wahrnehmen, gehört haben wir den Haufen, der an diesem Abend Unterstützung von Zulte Waregem erhielt, allerdings nicht ein einziges Mal. Dennoch Daumen nach oben für den Dauersupport trotz des Spielverlaufs, kamen die Kicker aus Rotterdam doch gehörig unter die Räder. Gleich am ersten Spieltag präsentierte der amtierende Meister einen Auftritt, der diesem Titel absolut würdig schien. Ein Zauberfußball, mit dem die Gäste permanent überfordert waren. Eine Augenweide sondergleichen, die sich auch auf der Ergebnistafel widerspiegelte. Für unsere Augen eines der schönsten Spiele des laufenden Jahres! 6:1 war letztlich der Endstand, der aufgrund eines Notarzteinsatzes in der Heimkurve nicht in aller Fülle gefeiert werden konnte.

Top Partie, in Teilen gute Stimmung und ein schönes Stadion, so das Fazit nach 90 Minuten. Anschließend machten wir uns auf den Weg nach draußen und schwammen mit den Massen zurück in die Innenstadt. Da hier wirklich jeder per Pedes oder Fahrrad anreist, wurden sämtliche Straßen für die abreisenden Zuschauer gesperrt. Effiziente Regelung und kein Stau an den Ampeln! So waren wir lediglich 15 Minuten nach Verlassen unserer Sitze bereits zurück im Hotel und beendeten den erfolgreichen Tag. Das sollte am Ende leider der einzige Kick des Wochenendes bleiben, denn tags drauf in Bochum hatte die Staatsmacht bekanntlich etwas gegen unseren Besuch…