2. Bundesliga: SV Elversberg – 1.FC Nürnberg

02.08.2025
1. Spieltag 2. Bundesliga
SV Elversberg - 1.FC Nürnberg
Waldstadion an der Kaiserlinde
Endergebnis: 1:0 (0:0)
Zuschauer: 9.307 (1.500 Gäste)
Ticket: Dauerkarte

Ganz so lange wie in den Vorjahren fiel die Sommerpause in diesem Jahr nicht aus, Relegation und wirklich benötigte Verschnaufpause vom gesamten Trubel im Anschluss sei Dank. Und dennoch flammte sie schnell wieder auf, die Lust auf die neue Saison. Eine Spielzeit mit vielen neuen Gesichtern, auf dem Platz und an der Seitenlinie. Nach etlichen Jahren der Kontinuität wahrlich ein größerer Umbruch, allerdings stimmten die qualitativ hochwertigen Neuzugänge recht positiv. Nicht nur jung und wild, sondern auch einige gestandene Kicker mit Erfahrung in höheren Ligen. Mehr Licht als Schatten, zumindest was das subjektive Gefühl mit Blick auf die ganzen Transfers betraf.

Daher blickten wir dem Auftakt auch absolut gespannt entgegen, der zum ersten Mal seit vielen Jahren an der Linde steigen durfte. Und selbstredend direkt ausverkauft vermeldete, wie wahrscheinlich jedes andere Spiel der Saison. Neue Dauerkarten nur im Losverfahren unter Mitglieder zu verteilen ist eine Praktik, die ich bisher nur von den ganz großen Clubs am Rande mitbekam. Aber in Elversberg? Selbst Tageskarten wird es in der kompletten Saison nicht im freien Verkauf geben. Die Euphoriewelle sollte also weiter anhalten. Als erster Gegner der Spielzeit 25/26 musste der Glubb aus Nürnberg an die Linde, mit dem erst im Mai zuletzt die Klingen gekreuzt wurden. Damals, wie auch im Hinspiel, mit besserem Ende für die SVE. Was das wohl heute wird?

Über Vorzeichen lässt sich ja bekanntlich streiten, doch die Grundstimmung an der Linde war generell recht positiv. Die Sonne schien, der gegrillte Lyoner schmeckte und die herrlich frische Luft des Saarlands erfüllte unsere Lungen. Schön, wieder im heimischen Wohnzimmer zu sein! Im Vergleich zum Kader fielen die Veränderungen am Stadion nicht allzu groß aus. Dennoch konnten wir einige Fortschritte begutachten: Im Westen wurden Oberrang und der letzte, kleine Block im Unterrang den VIPs geöffnet, während sich ein Bagger im Norden an den alten Katakomben zu schaffen macht. Ob die ehrgeizige Fertigstellung im Dezember 2026 da wirklich hinhaut, gerade mit Blick auf den aufzufüllenden Hang dahinter? Abwarten, aber schön, dass sich was bewegt. Wird auch mal Zeit, den Anblick von brauner Erde durch den auf graue Traversen und später hoffentlich volle Tribünen zu tauschen!

Voll waren unterdessen die anderen drei Tribünen der Linde, wobei vor allem Block C in feinem Gewand erstrahlte. Mittlerweile macht der Zaun echt was her und erstreckt sich von Eckfahne zu Eckfahne mit den Fetzen der verschiedenen Fanclubs. Zwar könnte der Anteil gemalter Stoffe in den Randbereichen noch deutlich höher sein, aber im Vergleich zu den letzten Jahren eine echte Steigerung! Gleiches galt für die Stimmung, die für einen Saisonauftakt deutlich über Normalniveau lag. Insbesondere die ersten zehn Minuten, die Schalparade sowie anfängliche Klatscheinlagen waren von einer grandiosen Mitmachquote geprägt. Starkes Bild und ebenso starke Lautstärke!

Top aber auch der Nürnberger Anhang, der beim insgesamt vierten Gastspiel an der Linde seinen bisher besten Auftritt verbuchte. Der volle Gästeblock zeigte sich dabei nicht nur dicht geschmückt in rot-schwarzen Farben, sondern auch bis in jede Ecke komplett motiviert. Da passte einfach alles, vom optischen Tifo bis zur Mitmachquote, die beinahe pausenlos den kompletten Steher und mindestens 80% der Sitze einschloss. Wuchtig vor allem die Schlachtrufe sowie Sprungeinlagen, die deutlich auf der Gegenseite vernommen wurden. Definitiv ein richtig starker Auftritt der Glubb-Fans!

Gespannt blickten die Augenpaare auch auf den Rasen, zierten doch einige neue Hoffnungsträger die Startformation. Wie klappt da das Zusammenspiel, insbesondere vor dem Hintergrund der ergebnistechnisch bescheidenen Vorbereitung? Ums kurz zu fassen: Nach den ersten 20 Minuten fing sich die Abwehr so langsam und Klärungsversuche wirkten nicht mehr wie glückliche Zufallsprodukte, während die Offensive erst mit den Wechseln im zweiten Durchgang in Schwung kam. Und nicht nur auf dem Rasen ging in der letzten halben Stunde deutlich mehr, auch die Elversberger Kurve drehte gegen Ende nochmal richtig auf. Starker Support in der Schlussphase, der durch ein nicht mehr für möglich gehaltenes Phänomen belohnt wurde: Ein Tor nach einem Eckball. In der 90. Minute eines typischen 0:0-Spiels. Nach einer gesamten Saison ohne Standard-Tor kaum zu begreifen.

Maximilian Rohr stieg nach Keidels scharf getretener Ecke am höchsten und köpfte ins Elversberger Glück. Der Torjubel schien beinahe größer als jene in finalen Partien der vorherigen Saison. Fünf Minuten war danach noch Zittern angesagt, ein vom VAR einkassierter Elfmeter für die Gäste inklusive, ehe der erste Auftaktsieg der Elversberger Zweitligahistorie in trockenen Tüchern war. Stark! Zwar passte es hier und da in der Abstimmung zwischen den einzelnen Kickern noch nicht wirklich und viele Pässe versandeten im Seitenaus, doch insgesamt stimmte die Leistung zuversichtlich für die kommenden Aufgaben. Ansprüche, so durchzustarten wie im letzten Jahr, sollte hier sowieso keiner haben. Eine unbeschwerte Saison wäre definitiv Erfolg genug!

Alleine eine dritte Saison um Unterhaus angehen zu können, solche Momente wie der Torjubel in der 90. sowie die anschließende Siegesfeier mit der Mannschaft erleben zu dürfen… waren einfach jede Sekunde des Wartens während der Sommerpause wert! Emotionen pur, die den Alltag wie eine andere, weit entfernte Welt erscheinen lassen. Bevor es am Abend wieder zurück nach Frankfurt in eben jenen Alltag ging, machten wir am Nachmittag noch einen spontanen Abstecher in die Landeshauptstadt und genossen die Vorzüge der heimischen Küche. Gefillde, so groß wie ein Fussball. Damit ließen sich die drei Punkte am besten genießen!