1. Česká fotbalová liga: FC Viktoria Plzeň – FK Jablonec

26.07.2025
2. Spieltag 1. Česká fotbalová liga
FC Viktoria Plzeň - FK Jablonec
Stadion ve Štruncových sadech
Endergebnis: 1:1 (1:0)
Zuschauer: 10.152 (28 Gäste)
Ticket: 350 Kč (~14€)

Eine Woche vorm Saisonstart der heimischen Profiligen ergab sich nochmal ein gute Möglichkeit für einen Blick über den Tellerrand. Tschechien sollte es mal wieder werden, genauer gesagt die westliche Stadt Pilsen. Häufiger auf dem Weg nach Prag mal dran vorbei gefahren, doch für einen Stopp reichte es bisher noch nicht. Ließ sich auch gut mit einer Übernachtung machen, sodass es am frühen Samstagmorgen für gut fünf Stunden gen Osten ging. Mit dem eigenen Gefährt, versteht sich, zumal die Zug- und Flugpreise inmitten der Ferienzeit und bei der Kurzfristigkeit der eigenen Planung exorbitante Höhen erreichten. War aber auch so recht entspannt, zumal es ohne Vignette ab der Grenze ein wenig über Land ging, ehe wir schließlich pünktlich unsere Bleibe unweit des Stadions erreichten.

Fix eingecheckt, Sachen ins Zimmer und am Anblick der Flutlichtmasten aus dem Fenster des Hotels erfreut. Zudem lag die Brauerei von Pilsner Urquell ebenfalls in der Sichtachse. Blick also auf alles, was man bei einem Wochenende in Tschechien so braucht! Zu Fuß ging es anschließend auf den lediglich fünfminütigen Anreiseweg bis zum Spielort, wo die fehlenden Schlangen an einem Fanshop fix zum Erwerb eines Schals für die Sammlung genutzt wurden. Noch alles recht übersichtlich rund ums Stadion, aber machte ja nix. Äußerst schnell waren wir daher auch durch die Kontrollen der Gegengeraden und drinn im Umlauf, wo bereits der erste halbe Liter frisch gezapftes Gambrinus für 50 Kč, also zwei Euro, die Seelen erfreute. Fast drei Jahre schon nicht mehr im gelobten Land gewesen. Und das schmeckte man Schluck für Schluck.

Dann gings auch schon rein in die gute Stube. Gegengerade, Block T10, erste Reihe. Perfekte Sicht auf alle relevanten Bereiche der kompakten Bude. Passt! 11.700 Plätze fasst der, nach einem südkoreanischen Mischkonzern benannte, All-Seater, der seit 2016 im aktuellen Gewand am Rand der Altstadt thront. Bis dahin wurden Gegengerade, die Hintertortribünen als auch die beiden größeren Gebäude mit Logen in den Ecken errichtet, während lediglich die doppelstöckige Haupt von der vergangenen Form zeugte. Auf alten Bildern zieren Betonkurven das damalige Rund, das in der Spitze bis zu 35.000 Zuschauer beherbergte. Davon zeugen heute lediglich die alten Eingangstore etwas abseits der Südtribüne, die von den Abrissbaggern verschont blieben. Für einen Neubau ist die Geschichte allerdings echt ok, zumal der Anblick der Haupttribüne mitsamt den geknickten Flutlichtern dem Stadion einen gewissen Charakter verleiht.

Charakter hatte übrigens auch die Klobása, die mit zwei Scheiben Brot und wahlweise Senf oder Ketchup daherkam. Mundete hervorragend und machte Lust auf mehr! Top zudem die 2 für 1 Aktion am Bierstand, da sich hier niemand einfachste Bestellungen merken konnte. Auch nicht für zehn Sekunden. Da bezahlst du eins und bekommst von der exakt gleichen Verkäuferin deine zwei Bier hingestellt. Na, danke dafür und Na zdraví! Mit den Halben Zwei und Drei im Kopf ließ sich auch der Starkregen aushalten, wenngleich wir in der ersten Reihe aufgrund des Windes nochmal Glück hatten. Anders sah es auf der gegenüberliegenden Seite aus, wo sich der Großteil in die wenigen, trockenen Reihen verkriechen musste. Sollte aber auch überall genug Platz sein, denn für ein ausverkauftes Match klafften doch erschreckend große Lücken in allen Bereichen. Auswirkungen der Kombi-Ticket Aktion mit dem Quali-Match zur Championsleague gegen Genf wenige Tage zuvor. Klar, dass da ein Name wie Jablonec im Vergleich nicht so sehr zieht.

Auch wenn ich von der genannten Zuschauerzahl gute 2.000 nochmal abziehen würde, gehört der 1911 gegründete FC Viktoria Plzeň zu den größten Vereinen des Landes. Nicht zuletzt aufgrund der Erfolge in der jüngeren Vergangenheit. Zwischen 2010/11 und 2021/22 konnten sämtliche der sechs Meistertitel der Vereinshistorie errungen werden, während die Rot-Blauen auch im internationalen Geschäft Saison für Saison eine nicht unerhebliche Rolle einnehmen. Entsprechend zahlreich strömt der eigene Anhang auf die Traversen, der sicherlich zu den Top 4 des Landes zählt (gemeinsam mit Baník, Sparta und Slavia). Und das nicht nur quantitativ, was die Kurve rund um Sektor-P zu Beginn der Partie bewies.

In der Mitte der Kurve wurde an Seilzügen das Logo zum fünfjährigen Jubiläum des Blockzusammenschlusses hochgezogen, während die rechts und links auf den Betonabsperrungen positionierten Sturmhauben in farblich passenden Ponchos für die pyrotechnische Untermalung sorgten. Starkes Bild! Der Rauch kämpfte derweilen mit dem Starkregen um die Vorherrschaft in Sachen Sichtbehinderung, während die Kurve nach schöner Schalparade zu den ersten Gesängen ansetzte. Gespannt waren wir darauf allemal, zumal wir uns mit der Fanszene von Viktoria vorab noch nie so wirklich beschäftigten. So waren die Eindrücke frisch, unverfälscht und durchweg… ok.

Kaum Fahnen in der Kurve, die für optische Akzente gesorgt hätten und eine Lautstärke, die eigentlich stetig das Gefühl von angezogener Handbremse vermittelte. Nur selten schwappten richtig laute Töne in unsere Richtung, die eigentlich nur durch Wechselgesänge mit dem sonst passiven Publikum auf den anderen Tribünen erzielt wurden. Da hätte ich bei der zur Verfügung stehenden Masse in der Kurve definitiv mehr erwartet. Melodisch wars aber durchaus, bediente man sich in Sachen Liedgut an bekannten, guten Klängen. Von L’Amour Toujours, über den Preußenmarsch, dem Knaller von Paganese bis hin zu den naheliegenden Gassenhauern aus Nürnberg, wo man sich definitiv so einige Sachen abschaute. Unterm Strich wars recht ok, zumal einige Momente aufzeigten, was hier dann doch gehen kann und könnte.

Aus Jablonec reisten lediglich 28 Grün-Weiße an, wovon sich auch nur die Hälfte hinter einem Fetzen auf der Treppe versammelte. Bis auf ein paar Schlachtrufe in Momenten, in denen die Heimkurve nicht supportete, war Stille angesagt. Auch hier hätte ich definitiv mit mehr gerechnet, allerdings sollte der kleine Mob am Ende gut was zu feiern haben. Denn der Favorit aus Pilsen tat sich lange Zeit schwer, erzielte erst tief in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs die Führung und verpasste es, nach dem Pausentee den Deckel drauf zu machen. So durften schließlich die Gäste, ebenfalls tief in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte, den nicht unverdienten Ausgleichstreffer bejubeln. Ekstase somit zu unserer Linken, während alle, die es mit der Heimelf hielten, bedient zu den Ausgängen strömten.

Wir ließen uns aufgrund des erneut einsetzenden Regens unsere Zeit, was allerdings auch nicht wirklich half. Daher stapften wir vor der angedachten Stadtrunde zunächst zur Bleibe, trockneten uns ab und schnappten einen Schirm, ehe wir uns auf die Suche nach etwas zu Beißen machten. Schwieriges Unterfangen an einem Samstagabend ohne Reservierung, doch ein Etablissement am südlichen Rand der übersichtlichen Altstadt hatte dann doch einen Tisch für uns. Erneut den Bierdurst gestillt und die erhoffte, sehr gute Portion Svíčková verspeist, endete der lange Tag schließlich in den bequemen Federn.

Sonntags schien tatsächlich die Sonne, sodass wir uns, nach reichhaltigem Hotelfrühstück, auf eine erneute Runde durch Pilsen machten. Vorbei am alten Eingang zum Stadion und einem schick bepinselten Tunnel liefen wir ein wenig die Gassen ab, begutachteten Theater und Kathedrale von Außen und ließen die lebendige Stadt auf uns wirken. Aushalten lässt es sich hier für einen Tag ohne Frage. Anziehungspunkt schlechthin ist jedoch die Brauerei von Pilsner Urquell, der wir am Ende einen kurzen Besuch abstatteten. Im kleinen Shop wanderten ein paar Dosen der hervorragenden Brauerzeugnisse der Marken Kozel und Gambrinus in den Kofferraum, ehe es im Reiseverkehr in gut fünf Stunden zurück nach Frankfurt ging. Netter Kurztrip, der die Lust auf Tschechien nochmal immens befeuerte. Klar, auf den Tribünen ist nicht Polen oder sonst was, aber ich mag es einfach hier. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wieder Jahre dauert, bis wir uns zwischen gutem Bier und gegrillter Klobása wiederfinden!