J3 League: Nara Club – Gainare Tottori

14.06.2025
16. Spieltag J3 League
Nara Club - Gainare Tottori
Konoike Athletic Stadium
Endergebnis: 1:0 (0:0)
Zuschauer: 1.048 (150 Gäste)
Ticket: 2.110¥ (~13€)

Am Mittwochvormittag war erneuter Tapetenwechsel angesagt. Bedeutete entsprechend Abschied nehmen von unserem schicken Haus in Takamatsu, noch einmal Tanken und anschließend den Mietwagen zurück zum Verleiher am Bahnhof zu bringen. Dort für eine dicke Maut-Rechnung geblecht (70€ für 4 Teilstrecken), ehe wir in der Bahnhofsmall zwecks Kaffee kurz stoppten. Da beim Getränk auch gleich ein kostenloses Frühstück inbegriffen war, schenkten wir uns die Besorgung des Reiseproviants. Anschließend ging es mit viel Gepäck mit dem Marine Liner über die langen Brücken nach Okayama, von wo aus uns ein Shinkansen zunächst nach Shin-Osaka brachte. Mehr ging in Sachen Schnellzug mit unseren gewählten JR-Pässen leider nicht. Daher dort nochmal in eine normale JR-Line umgestiegen, mit der wir, nach insgesamt knappen drei Stunden, schließlich die vorerst letzte Etappe unserer Reise erreichten: Kyoto.

Da waren wir zwar erst im letzten Jahr, allerdings jeweils nur für Tagestouren oder zwecks kurzem Stopp auf der Durchreise. Zweieinhalb Tage insgesamt – bei weitem nicht genug zur Erkundung der alten Hauptstadt. Ein vierter Zug bis zur Haltestelle Umekōji-Kyōtonishi war dort noch von Nöten, ehe wir schließlich unsere Bleibe für die nächsten vier Nächte erreichten. Das erste Hotel der Tour, allerdings eines der Kategorie gut und preiswert (im Vergleich zu allem, was im dank der Expo extrem teuren Osaka möglich gewesen wäre), wobei vor allem die ideale Lage in der Nähe des Hauptbahnhofs uns zum Buchen veranlasste.

Nach dem Check-In sowie kurzem Besuch des hoteleigenen Family Mart stapften wir zunächst per Pedes zum Tō-ji, einem Tempel aus dem 8. Jahrhundert samt fünfstöckiger, hölzerner Pagode. Eingefasst von einem schönen Park, dessen Besuch allerdings Eintritt gekostet hätte. Da um fünf Uhr sowieso so ziemlich alle Kassen und auch Pforten dicht machten, begnügten wir uns mit dem Anblick von Außen, erkundeten noch ein wenig die zugänglichen Areale und fuhren ab dem Hauptbahnhof schließlich via Metro weiter nordwärts. Im zentralen Shijō drehten wir eine ausgedehnte Runde durch die geschäftige Innenstadt und durchschritten die für uns bekannte Gegend entlang des Flusses Kamo. Als wären wir erst letzten Monat hier gewesen, und doch gefiel es uns noch immer. Abends gab’s schließlich eine gute Portion selbst gegrilltes Yakiniku. Darf bei einem Trip nach Japan auch nicht fehlen.

Auf dem Rückweg zum Hotel liefen wir noch einigen Trikots vom heimischen Verein Kyoto Sanga über den Weg, die gerade von ihrem Heimspiel in Kameoka kamen. Erste Runde Emperor’s Cup gegen Nara. Schenkten wir uns ganz bewusst, da den Ground und Verein so zu machen einem Trauerspiel geglichen hätte. Nach der Erfahrung in Fukuoka und der erwartbar mickrigen Kulisse auch im Nachhinein eine Entscheidung, die ich immer wieder so getroffen hätte. Dann lieber nochmal hin für ein Ligaspiel am Wochenende, zumal auch bei diesem Mal beileibe nicht alle Sehenswürdigkeiten Kyotos unter Augenschein genommen werden konnten.

Denn auch der folgende Donnerstag zeigte einmal mehr, wie viel diese Stadt zu bieten hat und wie wenig man doch an einem Tag hier hinbekommt. Die Burg Nijō war unsere erste Anlaufstelle, für deren Erkundung sich die fünf Taler pro Nase absolut lohnten. Denn das Areal der ehemaligen Residenz des Shōguns Tokugawa Ieyasu war recht weitläufig, sodass sich die Besucherströme gut verteilten. Auch für den im Anschluss besuchten imperialen Palast im Zentrum brauchten wir eine ganze Weile, wobei sich dieser als echtes Highlight entpuppte. Abgeschirmt ohne Ende (inklusive Kontrollen wie am Flughafen), dafür aber überraschenderweise für lau, konnten wir viele der restaurierten Gebäude der ehemaligen Kaiserresidenz sowie deren schöne Gärten und Parks erkunden. Gefiel uns bisher am besten und schien, trotz der zentralen Lage, fernab der größten Touristenströme.

Das gute Wetter genossen wir zudem am Kamogawa Delta, ehe wir leider den Fehler machten, durch Gion gen Süden zu latschen. Denn die für ihre unzähligen Ochayas (alte Teehäuser) bekannte Gegend wird nur so von Touristen belagert, die in der eigentlichen Foto-Verbotszone mit gezückten Objektiven und mit der Hoffnung, eine Geisha oder Maiko zu erblicken, in Scharen auf den Gassen lungern. Und tatsächlich fuhr wenig später eine schwarze Limousine mitsamt eines solchen Gastes vor, wobei die junge Dame blitzschnell in ein angrenzendes Haus zu entkommen versuchte, dabei allerdings noch schneller von Scharen an Leuten umstellt und zwecks Fotowunsch gar angetippt wurde. Leute ohne Manieren. Einfach eklig. Ein krasser Gegensatz zu den bisher sehr friedlichen Ecken Kyotos, was uns allerdings wiederum ans letzte Jahr erinnerte. Denn eigentlich ist Kyoto touristisch komplett überlaufen, insbesondere der Südosten rund um die bekannten Tempel und Schreine.

Wir stapften etwas schneller südwärts, überquerten den zentralen Fluss und fanden uns schließlich in der Gegend um Shichijō wieder, wo dem Kyoto Beer Lab ein erneuter Besuch abgestattet wurde. Beste Karaage der Stadt und eine top Bierauswahl – so ließ es sich am warmen Mittag gut aushalten! Fürs Abendessen musste die Mall am Hauptbahnhof herhalten, ehe der lauf-intensive Tag sein Ende fand.

Am Freitag war es dann auch schon wieder Zeit, dem Trubel Kyotos zu entfliehen. Eigentlich mag ich die Stadt mit ihren Tempeln, Schreinen, Palästen und der erhaltenen Kultur sehr, doch die Erlebnisse des Vortags haben dann doch gereicht. Umso mehr freute ich mich auf den anstehenden Ausflug in den Norden der Präfektur Kyoto, der mit einem Limited Express der Marke JR angetreten wurde. Gute zwei Stunden schlängelte sich der Zug durch die grünen Täler, ehe wir bei bestem Wetter das erste Tagesziel erreichten: Amanohashidate. Eine über drei Kilometer lange Sandbank, deren Anblick, nach kurzer Fahrt mit einem Sessellift, vor blauem Himmel einfach begeisterte. Eine richtig schöne Gegend hier, ganz gleich ob hoch oben auf dem Berg oder im kleinen Örtchen an sich, das mit guter Kulinarik und einem kleinen Schrein überzeugte. Hier ließ es sich genauso gut aushalten wie auf der Sandbank selbst, die von tausenden Kiefern bewachsen war. Sandstrand und Sonne – ließ das Bedürfnis nach einem baldigen Strandurlaub in uns aufblühen.

Nach dem kleinen Stück Paradies ging es anschließend mit einem lokalen Zug, der kaum größer als ein normaler Bus ausfiel, in Richtung Nishi-Maizuru. Highlight war dabei alleine schon die Fahrt entlang der Küste sowie über die Yurakawa-Brücke. Natur pur und tolle Aussichten, die einfach zum Entspannen einluden. Zu entspannt war es dagegen in Nishi-Maizuru, wo selbst die zentrale Marktstraße wie ausgestorben wirkte. Etwas ziellos liefen wir durch die kleinen Straßen bis ins Viertel Higashiyoshiwara, das ein leichtes Fischerdorf-Flair versprühte, den dafür benötigten Zeitaufwand aber nicht rechtfertigte.

Zudem fühlten wir uns stark beäugt. Kritische Blicke von den Alten und frenetische Begrüßungen von Kindern, die beim Anblick der fremden Gesichter ein paar gelernte Brocken Schulenglisch lautstark zur Schau stellten. Hier verirren sich wohl nur sehr wenige Ausländer her, allerdings auch aus gutem Grund. Denn konstatiert mussten wir feststellen, dass die Gegend hier nix zu bieten hatte. So ging es wenig später zurück zum Bahnhof und hinein in einen Express, der uns in gut zwei Stunden zurück nach Kyoto brachte. Dort beehrten wir die Ramen Street im obersten Stock der Bahnhofsmall, ehe der Tag zeitig endete.

Denn auch am Samstag hielt es uns nicht in der alten Hauptstadt, dieses Mal aufgrund von König Fußball. Nara war die Destination des Tages und der Nara Club Gastgeber des anvisierten Drittligaspiels. Vier Mal dritte Liga hier… und dennoch freuten wir uns wie Bolle! Erneut ging es zum Bahnhof in Kyoto, wo bereits die JR-Linie gen Nara bereitstand. In einer knappen Stunde erreichten wir eine der ebenso historischen Hauptstädte des alten Japans und visierten gleich das erste Ziel des Tages an: Den Nara-Park mit seinen zahlreichen Rehen. Ich mag ihn und komme immer wieder gerne hierher! Ein paar Runden drehten wir, ehe der vorhergesagte Sturzregen unseren Gang zurück in die Innenstadt etwas beschleunigte.

Bei einer ordentlichen Stärkung hofften wir auf eine Abmilderung der Niederschläge, zumal der anvisierte Ground erneut mit nicht für uns nutzbarem Mini-Dach glänzte und wir der Witterung vollends ausgesetzt sein sollten. Doch nix da, es regnete sich mittlerweile so richtig ein, sodass selbst die hundert Meter bis zur nächsten Bushaltestelle die Schuhe komplett durchweichten. Scheißwetter. Dazu ließ auch die Buslinie etwas auf sich warten, was beim ohnehin knapp kalkulierten Anreiseweg nicht unbedingt die Gemüter beruhigte. Sollte allerdings alles gut klappen, sodass wir das nördlich vom Zentrum gelegene Konoike Athletic Stadium etwa 15 Minuten vor Anpfiff erreichten. Fix noch einen Schal am provisorischen Fanshop erstanden, ehe wir uns auf der Nordseite der Haupttribüne zwei Plätze suchten.

Gnädigerweise erlaubte man heute, im Vergleich zum Theater in Kochi, Regenschirme in einem ausgewählten und extra markierten Bereich. Danke dafür! Also fix mit den beiden Schirmen eine Konstruktion gebaut, sodass sowohl die Köpfe als auch Beine trocken blieben, bevor wir uns, unter leichtem Prasseln der Tropfen, endlich der Bude widmen konnten. An sich besteht das Rund in Sachen Ausbau lediglich aus einer recht großen Haupttribüne mit 5.600 Sitzen samt Mini-Dach in der Mitte. Doch die Wiesen auf der Gegengeraden sowie in den Kurven schrauben nochmal ordentlich an der fiktiven Kapazitätsgrenze. Die besagten 5.600 gelten offiziell beim japanischen Verband, doch insgesamt könnten hier 30.600 Karten verkauft werden, was die Bude zur Größten der J3 werden ließe.

Benötigt werden die Plätze allerdings nie, zumal der Nara Club auf eine recht junge Geschichte zurückblickt. 1991 als Tonan Club gegründet, kickte der Verein für viele Jahre unterklassig, ehe mit der Umbenennung zu Nara Club im Jahr 2008 die langsame Professionalisierung startete. Ab 2015 waren die Blau-Roten in der viertklassigen JFL aktiv, aus der man sich 2022 als Meister nach oben verabschiedete. Seitdem spielt Nara in der J3 und strebt durchaus nach mehr, weshalb zuletzt eine Partnerschaft mit dem thailändischen Erstligisten BG Pathum geschlossen wurde. Dessen Eigentümer stieg auch gleich mit 14,98% bei Nara ein. Würde mich also nicht wundern, wenn hier bald eine Klasse höher gekickt wird.

Fantechnisch steckt Nara allerdings (noch) in den Kinderschuhen und stellt im Kansai/Kinki-Großraum die kleinste Szenen. Etwa 70 Leute hielten im Starkregen auf der gegenüberliegenden Wiese dennoch die Stellung, flaggten wie schon in Kochi äußerst zahlreich an (darunter auch eine gemalte „Freundschafts“-Zaunfahne mit BG Pathum samt rotem Herz) und gaben vor allem anfangs gut Gas. Respekt erstmal ans Durchziehen ohne Schirm im Regen, schafft auch nicht jeder. Neben den vier Schwenkern als einzige, optische Stilmittel waren es vor allem die Gesänge, die tatsächlich gut hängen blieben.

Zunächst noch von Schlachtrufen dominiert, wandelte sich der Support vor allem im zweiten Durchgang hin zu einer höchst melodischen Angelegenheit. Teils mehrstrophige Lieder auf noch nie in einem Stadion gehörte Melodien, die in einer guten Lautstärke auf unsere Seite getragen wurden, waren definitiv mehr als wir nach dem Auftritt in Kochi erwartet hätten. Scheint mir hier ein kreativer, kleiner Haufen zu sein, der definitiv positive Spuren im Gedächtnis hinterließ.

Nicht schlecht unterwegs waren aber auch die Gäste, die vor allem zahlenmäßig deutlich mehr auffuhren als vorab erwartet. Gut 150 Neongrüne nahmen die rund dreistündige Anfahrt auf sich und zeigten sich vor allem zu Beginn mit Schalparade und einigen Fahnen äußerst farbenfroh. Auch konnte die Heimkurve mit den ersten Gesängen locker übertönt werden, wenngleich das gute Level nicht lange anhielt. Der Regen zog doch sehr an der Substanz, auch in den Kurven, zumal auf beiden Seiten recht viele Familien anzutreffen waren. Dennoch auch hier ein ordentlicher Auftritt!

Auf dem tiefen Rasen entwickelte sich dann auch so eines dieser typischen Spiele, das mit Fußball an sich nichts mehr zu tun hatte. Nur halbhohe Bälle und Spieler, die bei einer Grätsche noch zehn Meter weiter schlittern. Machte in vielen Szenen zwar Spaß, doch das Herausspielen von Chancen war grausam. Am Ende erlösten uns die Hausherren in der Schlussphase vom sicher geglaubten 0:0. Heimsieg somit für Nara, wobei wir uns die Siegesfeier sparten und fix zurück zur Bushaltestelle liefen, um auch sicher im erstbesten Gefährt in Richtung Dächer und Trockenheit zu hocken.

Klappte dann auch, sodass wir uns im, mit Gästefans vollgestopften, Bus gen Hauptbahnhof Nara bewegten. Dort stand glücklicherweise direkt der Express nach Kyoto bereit, mit dem es auf die knapp einstündige Rückfahrt ging, ehe wir den Abend bei gutem Sushi in einem Laden der Kette Sushiro ausklingen ließen. Die J3 machte zwar richtig viel Spaß in den letzten Wochen, doch die Lust auf volle Kurven am Folgetag war nun kaum mehr zu bändigen!