08.06.2025
15. Spieltag J3 League
Kochi United SC - Nara Club
Kochi Haruno Athletic Stadium
Endergebnis: 3:2 (1:1)
Zuschauer: 2.315 (90 Gäste)
Ticket: 2.610¥ (~16€)
Da am Sonntag frühes Aufstehen angesagt war, steckte uns das spontane Bier-Festival vom Vorabend doch noch etwas in den Knochen. Sind aber auch echt immer mühsam, diese körperlichen Konsequenzen von Spaß. Dennoch gab uns die Vorfreude auf den Tag den benötigten Schub, denn heute sollte der Mietwagen endlich seiner eigentlichen Nutzung zugeführt werden: Fahren! Zunächst flog allerdings ein am Vortag noch unbeachteter Magnet auf dem Kofferraumdeckel ins Handschuhfach, der neben dem Logo des Mietwagenanbieter angebracht wurde: Ein pinkes Herz samt englischem Aufdruck „Heartful friendship in Kagawa“, das allerdings durch die deutlich größeren, japanischen Lettern mit der Warnung „Achtung, Ausländer am Steuer!“ versehen wurde. Ist ein wirklich großes Vorurteil, dass alle Nicht-Japaner mit dem Autofahren hier überfordert sind.
Nach ausgedehntem Frühstück (auch in Japan darf es dafür mal Spiegelei und Bacon sein) tippten wir das erste Ziel des Tages ins Navi des Wagens, was hier übrigens seinen Pendants von Google und co. bei weitem überlegen ist. Kein Wunder, dass bei der Buchung die Frage nach einem japanischen Navi (wenn auch kostenlos) mehrmals aufploppte. Ein gutes Stück ging es durch die südlichen Ausläufer Takamatsus, ehe der sagenumwobene Expressway befahren werden durfte. Gar nicht mal so langsam fährt man dabei auf eine Schranke zu, die gerade rechtzeitig hochschnellt. Das Piepsen unseres Geräts neben dem Rückspiegel signalisierte: Ab jetzt kostet jeder Kilometer bares Geld. Und zwar so einiges. Egal ob via Auto, Bus oder Bahn: Die Preise für Fortbewegung im Land der aufgehenden Sonne ist einer der größten Kostenfaktoren und steht, je nach Qualitätsanspruch, teilweise vor denen der Unterkünfte.
Warum man die Geschichte hier allerdings Expressway taufte ist mir schleierhaft. 80 km/h – in Worten: Baustellengeschwindigkeit. Das ist hier das Maximum, an das sich glücklicherweise aber keiner hält. So zeigte der Tacho auf der gut zweistündigen, sehr entspannten Fahrt durch den Regen immerhin eine knappe, dreistellige Zahl an, während eine Vielzahl unendlich langer Tunnel durchquert wurde. Da können selbst die schweizer Autobahnen einpacken. Ein wenig Grün bekamen wir hier und da im tristen Grau zu Gesicht, ehe wir schließlich die südliche Großstadt Kochi erreichten.

Erster Stopp war dort die Gegend um den botanischen Garten. Allerdings nicht aus Interesse am Gemüse, sondern aufgrund des starken Ausblicks vom Berg hinab ins weite Tal, in dem sich die Stadt entlang des Kagami Flusses erstreckt. Trotz der Lage recht nah am Meer werden die rund 325.000 Einwohner von einer großen, nicht überblickbaren Bergkette geschützt, weshalb auch wir den Pazifik heute nicht zu Gesicht bekamen. Für die seismisch sehr aktive Gegend in Sachen natürlichem Tsunami-Schutz aber wohl mehr Segen als Fluch.
Anschließend ging es für uns in Richtung der anstehenden Partie hinter eben jene Bergkette in den Süden der Stadt. Nach einigen Minuten erreichten wir auch schon die Gegend des Kochi Athletic Recreation Park, der, bis auf das Keirin-Stadion in der Innenstadt, sämtliche Sportanlagen Kochis auf einem Gelände vereint. Ein Baseball-Stadion, einige weitere Baseball-Plätze, mehrere Sportplätze, ein Rugby-Stadion, ein Schwimmbad sowie drei Sporthallen finden hier direkt nebeneinander Platz. Und eben das große Leichtathletikstadion, in dem der heutige Kick stattfand. Alles hier, alles auf engstem Raum. Aber auch alles am Arsch der Stadt. Ohne Auto keine Chance, noch nicht einmal eine Buslinie hielt im Umkreis mehrerer Kilometer. Umso glücklicher waren wir, als wir einen der letzten Parkplätze ergatterten und im nachlassenden Nieselregen gen Spielort trabten.
Schon von Weitem machte die große Betonschüssel einen starken Eindruck. Schöne Kurven hat man sich hier hingezimmert! Der Fokus lag jedoch zunächst auf dem bunten Treiben hinter der Haupttribüne, buhlten doch erneut unzählige Fressalien-Stände um unsere Aufmerksamkeit. Und etliche andere Akteure, die Gratis-Merch unters Volk brachten. Von den üblichen Flyern, über Taschen, Schlüsselanhänger bis hin zu einem Becher frischer Gurken (kein Scheiß!) waren die Hände schneller wieder voll als wir Nein sagen konnten. Leider viel Müll dabei. So freuten wir uns hauptsächlich über den erfrischenden Snack während des Gangs zum Fanstand. Anschließend wanderten noch Karaage, gebratene Nudeln (Yakisoba), frittierte Teigtaschen mit Nutella und ein paar Getränke in die Tüte, mit der es nun in Richtung Haupttribüne ging. Kostentechnisch wurde für die gesamte Ladung der sättigenden und vor allem schmackhaften Verpflegung umgerechnet 15€ fällig. Auf ein Bierchen verzichtete ich hingegen zwangsläufig, da auf den Straßen strickt 0,0 herrscht. Aber die Trauben-Fanta hatte auch was.

Rein ging es nun endlich in die weite Betonschüssel namens Kochi Haruno Athletic Stadium, die im Schatten der Berge zwischen Stadt und Küste thront. Und uns vom Fleck weg richtig gut gefiel. Groß und wuchtig schien die Haupttribüne, die nur in der Mitte über ein kurzes Dach verfügt. Weit zogen sich die Kurven des Oberrangs um Platz und Tartanbahn und schraubten die Anzahl Sitze auf beachtliche 20.238. Weitere knapp 5.000 fänden auf den Stehrängen des Unterrangs Platz, der aus Gras besteht und im Verkauf als Liege- und Picknick-wiese angepriesen wird. In der J2 und J3 nicht unüblich, allerdings finden die Plätze in der offiziellen Kapazität keine Berücksichtigung. Kommt bei großen Spielen also schonmal vor, dass mehr Leute einer Partie beiwohnen, als es die verbandsseitig kommunizierte Kapazität eigentlich zuließe. Verwunderlich waren Teile der Flutlichtanlage, die in Höhe der letzten Reihe auf die Haupttribüne gesetzt wurden. Wenn du dich da bei einem Abendspiel nichtsahnend umdrehst während die Dinger angeschaltet sind, brauchst du in der Nacht ans Autofahren auch nicht mehr zu denken.
Unterm Strich aber eine richtig schicke, alte Bude, die bereits seit 1987 dem Breitensport der Präfektur zur Verfügung steht. Nicht ganz so lange existiert der heutige Gastgeber, der Kochi United SC. Erst in 2016 schlossen sich die beiden Vereine Igosso Kochi FC und Kochi U Torastar FC, beide recht erfolgreich in der fünftklassigen Shikoku-League, mit dem erklärten Ziel, den ersten Profiverein der Präfektur zu bilden, zusammen. Dabei wurden die Clubfarben Rot und Grün der jeweiligen Vorgängervereine übernommen, während der Bonito, ein in der Region typischer Fisch, zum Wappentier erklärt wurde. Das Ganze war auch recht schnell von Erfolg gekrönt. Nachdem der Platz von Igosso in der Shikoku-League ab 2016 übernommen wurde, konnten zwischen 2017 und 2019 drei Meisterschaften in Serie gefeiert werden, wobei der erstmalige Aufstieg in die JFL in 2019 gelang.
Für vier Jahre hielt sich Kochi in der vierten Klasse, ehe 2024 in doppelter Hinsicht gefeiert werden durfte: Zunächst erhielt der Club im September die so wichtige Profilizenz, ehe im Dezember die Vizemeisterschaft zur Relegation gegen den Yokohama YSCC berechtigte, in der sich Kochi letztlich durchsetzte und sein großes Ziel erreichte: Profifußball in Kochi. Diese Saison ist somit der bisherige Höhepunkt der fußballerischen Geschichte der ehemaligen Präfektur Tosa. Und so erfreuten wir uns auch am vergleichsweise guten Zuschauerzuspruch trotz des anhaltenden Nieselregens. Bis jedoch die ersten Gesänge aus den Kurven erklangen, dröhnte zunächst ein gesamtes Pitbull-Album aus den krächzenden Lautsprechern. Scheint hier entweder In zu sein oder der Typ am Mischpult hatte ein gewisses Faible für Mr. Worldwide. Allerdings erbarmte auch er sich mit den ersten Gesängen der Kurven dazu, die Lautstärkeregler ganz runter zu drehen. Besser so.

Zu unserer Linken zeigte sich die kleine Szene der Hausherren rund um die Ultras Bonito aktiv, die eine schöne Auswahl an Zaunfahnen am Geländer ihres Oberrangs zur Schau stellten. Da ließ man sich durch die Bank von so ziemlich allem inspirieren, was irgendwo angesagt ist. Mod-Kultur, Clockwork Orange, Weekend Offender. Der Union Jack neben der japanischen Militärflagge. Dazu gespannte Bänder in der Mitte des aktiven Haufens. Eben alles, was man mal irgendwo aufgeschnappt hatte. Allerdings war es vor allem die ungewöhnliche Farbkombination, die die Geschichte dennoch anschaulich werden ließ. Das dunklere Rot mit dem ebenso tiefen Grün vor einer Kulisse aus grauem Beton und bewaldeten Bergen machte einfach was her. Zudem ging für die Anzahl auch im akustischen Support so einiges. Da zog einfach jeder mit, auch wenn von dichtem Beisammenstehen keine Rede sein kann.
Zudem offenbarten die ersten Lieder, dass ein gesamtes Drum-Set in der Kurve aufgebaut wurde. Davor auf einem Holzstuhl sitzend: Eine betagte Dame mit Hut, die weit über 90 Minuten den rhythmischen Takt vorgab. Und ihren Job phänomenal durchzog. Denn die von italienischen Kurven geprägte Liedauswahl strotzte nur so von starken Melodien, die mit einer ordentlichen Lautstärke über die volle Distanz durchgezogen wurden. Im Ohr blieben vor allem die Gesänge auf das aus Magdeburg bekannte „Ganz Deutschland steht in deinem Schatten FCM“, dem Ohrwurm von Paganese sowie „vogliamo vincere“ aus Catania.
Aber auch viele eigene Dinger, wie eine stets bei Großchancen angestimmte Melodie, gingen gut ab. Witzig zudem die Stoff-Bonitos, die an den großen Schwenkfahnen angebracht wurden und in der Luft wehten, während so ziemlich alle Tribünengänger mit einem Naruko, einem in der Region traditionellen, hölzernen Klatschinstrument, ausgestattet waren. Diese ungewohnte Art von Klatschpappe sorgte dann auch nochmal für eine gewöhnungsbedürftige Geräuschkulisse. Insgesamt allerdings eine gute Stimmung, die die Bonitos da veranstalteten!

Die gut 90 Gäste aus Nara konnten da nur bedingt gegen anstinken. War aber auch eine groß Distanz, sowohl aus Nara sowie von deren Kurve zu unseren Plätzen. Zudem ist Nara jetzt nicht unbedingt eine Fußball-Hochburg. Aber zumindest optisch gab man sich Mühe, kleisterte alleine 70(!) Zaunfahnen an jeden freien Platz und zeigte zudem einige große Schwenker und Doppelhalter. Mehr Material als Mitfahrer, in der Größenordnung aber auch noch nie gesehen. Ein paar Mal konnten wir Schlachtrufe vernehmen als auch den ein oder anderen Gesang, wenn die Heimkurve mal leise war. Zuordnen oder gar eine Melodie erkennen war allerdings nicht möglich. Zeit dafür sollte uns aber noch bleiben, ging es doch bereits eine Woche später zu einem Heimspiel von Nara.
Auch deshalb legten wir unsere Aufmerksamkeit an diesem Sonntag viel lieber auf die Heimkurve, die den immer wieder aufkommenden Regenfällen trotzen musste. Auch wir, war doch das kleine Dach Sperrzone, respektive für Very Important People vorgesehen. Der mitgebrachte Schirm durfte dann, trotz Platz in der letzten Reihe und ohne andere Leute im Umkreis von zehn Metern, auch nicht genutzt werden. Dafür standen nun übermotivierte Securitys parat, die das Verbot permanent durchsetzten. Da wurde den Kollegen auf der anderen Seite gerne mal mit Fernglas und Funkspruch geholfen, um auch wirklich jeden der Schwerverbrecher (vornehmlich Mütter mit Kindern) auf seine Schandtaten hinzuweisen. Meistens trockneten die Tropfen aber schneller wieder als neue nachkamen, somit ließ es sich einigermaßen ertragen.
Bestens unterhalten wurden wir heute aber auch endlich mal vom Fußball, denn das war ein richtig guter Schlagabtausch. Trotz besserem Start fingen sich die Hausherren den frühen Rückstand, der allerdings noch vor der Halbzeit wieder ausgeglichen werden konnte. In eben jener Pause wurde recht emotional der beste Scorer der aktuellen Spielzeit verabschiedete, der sich für einen Wechsel nach Sendai zu einem Spitzenteam der J2 entschied. Dafür gabs jedoch viel Jubel, Plakate und Fangesänge. Nachtragend scheint man hier nicht zu sein.

Denn auf dem Platz vermisste man den besten Stürmer selbst im zweiten Durchgang nicht, auch wenn Nara erneut früh auf 1:2 stellte. Denn wenig später netzte Kochi nicht nur zum erneuten Ausgleich, sondern auch zur ersten Führung des Nachmittags – die unter frenetischem Applaus bis zum Schlusspfiff bestand haben sollte. Hals über Kopf rannte ein Großteil der Heimfans mit Schlusspfiff die Treppen hinunter in den Unterrang und jubelte Lautstark den Kickern zu, die wiederum mit in die Höhe gereckten Schals ihre Runde drehten. Erst langsam verstanden wir, wovon wir an diesem Tag Zeuge wurden: Es sollte der allererste Heimsieg Kochis in der J3 und damit im Profifußball sein. Groß entsprechend auch die Feier der Kurve, die jeden der erfolgreichen Kickern hochleben ließ. Die Magie kleiner Clubs ohne große Erwartungshaltung ist für uns einfach einmalig. Da werden solche Tage gefeiert wie anderswo Titel und Trophäen. Machte einfach Spaß!
Erst, als sich auch die letzte Stimme wieder legte, machten wir uns auf den Rückweg zum Gefährt, das uns anschließend hinein in die Innenstadt von Kochi brachte. Abgeparkt im Zentrum, ging es zunächst zur Burg, deren steiler Anstieg nochmal ein paar der letzten Reserven kostete, allerdings mit erneut schönem Blick über die Innenstadt belohnte. Anschließend schlenderten wir durch den Hirome Market, eine für unzählige Restaurants und Imbiss-Stände bekannte Markthalle mit langen Tischen, in der wir zwecks Abendverpflegung fündig wurden.
Frisch über großen Flammen gegrillter Bonito musste es hier selbstredend sein, während auch Gyoza und Karaage auf den Tisch wanderten. Was hätte ich mich über das dazugehörige Bierchen gefreut, doch dank 0,0 und anstehender Rückfahrt musste ich mit stillem Wasser vorlieb nehmen. Ein Verdauungsspaziergang durch die Innenstadt bis zur kleinen, aus einer japanischen Erzählung bekannten, roten Brücke Harimayabashi (zählt zu den größeren Enttäuschungen für diejenigen, die nur deswegen nach Kochi kommen, weil einfach mickrig klein) durfte es auch noch sein, ehe nach zweistündiger Rückfahrt nach Takamatsu der lange Sonntag endete.

Montags stand dann die größte Stadt der Insel auf dem Plan: Matsuyama im Nordwesten Shikokus. Gute zweieinhalb Stunden Not-so-Expressway waren dafür angesetzt, die es am Ende auch brauchte. Allerdings inklusive kurzem Stopp an einem Rastplatz, Stempel inklusive. Ist wahrscheinlich das designiert größte Hobby hier: Stempel Sammeln. Von Tempeln, Bahnhöfen, Tankstellen, Rastplätzen… einfach von Allem. Größte Begleitung war an diesem Tag erneut der Regen, der uns auch in Matsuyama nicht verlassen sollte. Nach etwas frustrierender Parkplatzsuche im Stadtteil Dogo schauten wir daher nur fix nach den alten, hölzernen Onsen-Gebäuden sowie der ausgestellten Dampflok, die eine Tram durch die Straßen zieht, ehe eine überdachte Marktstraße zwecks Mittagessen beehrt wurde.
Spannend zudem die Tatsache, dass der Exportschlager der hiesigen Präfektur Ehime (so auch der Name des lokalen Zweitligisten) Zitrusfrüchte sämtlicher Arten sind, die hier augenscheinlich gut gedeihen. Somit waren es vor allem Orangen und Orangensaft, die hier in eigenen Shops an die Touristen gebracht wurden. Da gabs sogar Probier-Läden mit über 30 Sorten Orangensaft, in denen Tastings stattfanden. Hätte nicht gedacht, mal für sowas Geld auszugeben. Schmackhaft und überraschend vielseitig war die Auswahl der Säfte aus verschiedenen Orangenarten allerdings schon. Da auch am Nachmittag der Regen nicht nachließ, lösten wir das Auto aus dem Parkplatz und fuhren weiter gen Zentrum, statt zu laufen.
Dort fanden wir recht fix einen Parkplatz mitsamt einer typischen Metall-Wegfahrsperre für wenig Geld, schnappten unsere Jacken vom Rücksitz – und hörten in einem Moment der Stille plötzlich ein Miauen. Nett, da werden draußen ein paar Katzen rumlaufen. Ausgestiegen und geschaut, aber nix mehr gehört. Schade. Kofferraum auf und den Schirm geschnappt – da war es schon wieder, das Miauen. Jetzt ging natürlich die Suche los, denn wir vermuteten die Katze irgendwo im Auto, fanden sie aber nirgends. Erst, als wir genauer lauschten, merkten wir, dass das Geräusch aus dem Motorraum kommt. Und Tatsache: Nachdem die Motorhaube offen war, erblickten wir zwischen den Schläuchen unterhalb des Motors die Augen eines Katzenbabys, was uns gespannt anschaute, sich dann aber tiefer verkroch. Suchte wohl Schutz vorm Regen und fuhr nun zehn Minuten mit uns mit. Was ein Glück, dass die Strecke nur so kurz war, sonst hätten wir wohl andere Probleme gehabt.

Doch auch so eine verzwickte Sache, da sich das Katzenbaby ohne Rufe seiner Mutter wohl nicht mehr wegbewegen würde. Da sich eine Straße weiter eine Polizeistation befand, fragten wir schnell dort um Hilfe. Und tatsächlich nahmen sich drei der Beamten der Sache an und wollten mal nachschauen. Gleichzeitig half man uns und kontaktierte den Vermieter zwecks möglicher Lösungen. Eine halbe Stunde des Klopfens und Probierens später wurde entschieden, das Auto mit dem Reifenwechsel-Set aus dem Kofferraum aufzubocken, um besser an die Katze ranzukommen. Und tatsächlich schien das Vorhaben unter Zuhilfenahme eines Schirms von Erfolg geprägt. Die Katze sprang auf den Boden und wollte weg, fand, eingekreist von großen Menschen, die sie einfangen wollten, aber keinen Ausweg – und sprang zurück in den Motor. Weitere Versuche später war sie dann wieder Draußen, ließ sich aber partout nicht einfangen. Am Ende entwischte sie in eine angrenzende Baustelle.
Erleichterung machte sich breit, auch wenn die Kleine am Ende nicht eingefangen werden konnte. Wir bedankten uns am Ende für die große Hilfsbereitschaft der Polizisten, die uns rieten, am besten schnell den Parkplatz zu wechseln, sollte die Katze nochmal zurückkommen. Machten wir dann natürlich gerne, zumal wir nach der insgesamt einen Stunde im Regen und nasser Unterhose keine großen Gelüste auf einen längeren Fußmarsch mehr verspürten. Also fix die 100 Yen in den Automaten, damit sich die Wegfahrsperre senkt, Quittung gezogen und… – warum passiert nichts? Auch ein paar beherzte Tritte zwangen das metallene Gerät nicht zum Nachgeben. Was haben wir aber auch für ein Glück heute…
Gerade ankommende Arbeiter der Baustelle nebenan bemerkten unser Vorhaben und boten sich zur Hilfe an. Die bestand aus dem dankenswerten Anruf beim Betreiber des Parkplatzes, der zeitnah einen Techniker schicken würde. Auch wenn es hauptsächlich mit Händen und Füßen war (und Übersetzungs-App auf dem Handy), war die Hilfsbereitschaft hier trotz aller Sprachbarrieren unfassbar großartig. Heiterte die Laune in der weiteren halben Stunde des Wartens immerhin ein wenig auf. Dem zunächst ungläubigen Techniker fix erklärt, was vorgefallen ist (Bilder halfen, da er zunächst dachte, wir wollten ohne zu zahlen losfahren und hätten dabei was kaputt gemacht), ehe sich dieser ans Werk machte und die Sperre zerlegte.

Ging wohl durch das Aufbocken des Wagens kaputt, da die Sperre sich automatisch immer bis an den Unterboden legt. Beim Ablassen saß der Wagen mit dem vollen Gewicht auf der nun höheren Sperre, was diese in die Knie zwang. Blieb unterm Strich zum Glück eine folgen- und kostenfreie Angelegenheit für uns. Nur die Zeit war nun weg, denn die eineinhalb Stunden wären eigentlich für die Seilbahn zum zentralen Schloss geplant gewesen, was nun bereits alles den Betrieb eingestellt hatte.
Fast schon aus Trotz fuhren wir nun weiter rein in die Stadt, parkten dieses Mal in einem Kaufhaus und nutzten dafür dessen Aufzug für Autos. Seltsames Gefühl, mit dem Gefährt in einen Aufzug zu fahren und dabei aus dem Fenster einen Knopf für das gewünschte Parkdeck drücken zu müssen. So richtig viel machen konnten und wollten wir anschließend aber auch nicht mehr, sodass sich lediglich gestärkt und abgetrocknet wurde, ehe wir uns auf dem Rückweg nach Takamatsu noch ein paar Cup Nudeln für den Abend gönnten. Ein Tag, der in Erinnerung bleiben wird.
Dienstag war bereits unser letzter, voller Tag auf Shikoku. Und das Wetter wurde nicht besser. Natur und Landschaften waren heute angesagt, die wir in der Präfektur Tokushima (4/4 Präfekturen in 4 Tagen!) finden sollten. Über Land- und Bergstraßen (maximal 30-50 km/h), die auch gut als Vorlage für Initial D hätten dienen können, ging es via Miyoshi entlang des reißenden Yoshino Flusses südwärts bis nach Oboke, einige Stopps entlang der wolkenverhangenen Täler inklusive. Mystisch taten sich hier die an die Schlucht errichteten Hotels und Badehäuser auf, die im tiefen Grün der Wälder wie aus einer anderen Zeit zu stammen schienen.

So auch die Lianen-Brücke im Iya Valley, die unser finales Fahrtziel darstellte. Über dem Getose des braunen Flusses, mit Regen über den Köpfen und rutschigen Holzplanken unter den Füßen, zwischen die mehr als nur ein Fuß passte, war die Überquerung alles andere als eine leichte Angelegenheit. Vor allem nicht für mich, denn als schwindelfrei würde ich mich keineswegs bezeichnen. Umso stolzer war ich, es dennoch geschafft zu haben und die anschließenden, tollen Ausblicke auf Fluss und Wasserfall genießen zu können. Später ging es wieder auf den Rückweg, für den unser Navi ganze zweieinhalb Stunde anzeigte. Dank an die lokale Realität angepasste Fahrweise schafften wir es aber in knapp neunzig Minuten – persönlicher Rekord in Sachen Unterbietung der Ankunftszeit! Dafür gab’s in unserer lokalen Mall in Takamatsu eine gute Portion Sushi, ehe wir uns abends dem erneuten Packen der Koffer widmeten.
Unterm Strich hat uns Shikoku, trotz der Wetterlage, durchweg gut gefallen. Nichts scheint überlaufen, die Leute sind freundlich und zuvorkommend und die Kulinarik ist wiedermal einmalig. Einzig die Planung wäre ich mit dem heutigen Wissen anders angegangen. Denn alle Ecken der Insel in vier Tagen zu sehen ist nicht schaffbar und führte zu weiten Fahrten auf den Autobahnen. Lieber das nächste Mal nur auf den Osten oder den Westen beschränken. Macht mehr Sinn und ist auch deutlich entspannter.









































