J3 League: Giravanz Kitakyushu – Tegevajaro Miyazaki

31.05.2025
14. Spieltag J3 League
Giravanz Kitakyushu - Tegevajaro Miyazaki
Kitakyushu Stadium
Endergebnis: 1:1 (0:0)
Zuschauer: 4.772 (300 Gäste)
Ticket: 2.610¥ (~16€)

Es gibt Länder, die nicht unbedingt im Gedächtnis bleiben. Vielleicht war man nur auf Durchreise oder verbrachte ein längeres Wochenende dort, doch eine Rückkehr kann man sich bei bestem Willen nicht vorstellen. Und dann gibt es Länder, die einen nicht mehr loslassen. Sei es aufgrund der wunderschönen Natur, der pulsierenden Städte, der astreinen Kulinarik oder einfach aufgrund der tollen Atmosphäre im Stadion – man will immer wieder, so oft es nur irgendwie geht, zurückkehren. Was in Europa sicherlich auf Polen, Spanien und Italien zutrifft, ist für uns in Asien Japan, das so ziemlich alle Voraussetzungen für eine phantastische Zeit in sich vereint – und uns seit dem ersten Besuch 2017 in seinen Bann zog.

Studium, Umzug und Corona verhinderten für viele Jahre eine Rückkehr ins Land der aufgehenden Sonne, ehe 2024 endlich wieder die großen Koffer gepackt und zwei Wochen zwischen Tokyo und Osaka verbracht werden durften. Zwei Wochen, die den Hunger auf Land, Kultur und Kulinarik aber lange nicht stillten. So fanden wir uns im Winter des letzten Jahres schließlich erneut mit der Fragestellung konfrontiert: Sollen wir im nächsten Sommer gleich wieder rüber? Dank der Umstellung des Ligensystems vom Jahresrhythmus auf eine saisonale Austragung ab 2026 wäre es ohnehin die letzte Möglichkeit, die heimische Sommerpause dafür zu nutzen, ohne auch nur ein Spiel des eigenen Vereins zu verpassen. Zudem hatte ANA gerade Angebote en masse und sowieso kribbelte das Herz deutlich mehr als der Verstand. Ach komm, buchen!

So landeten die Flüge im Warenkorb, noch bevor die genauen Ansetzungen terminiert wurden. Der Spielplan stand zwar bereits und wir wussten auch ungefähr, in welche Ecken der Inseln es uns verschlagen sollte. Ein Glücksspiel war es dennoch, doch bei den Preisen war es das Risiko wert. Und am Ende sollten wir dafür belohnt werden, selbst wenn nicht das absolute Optimum raus sprang. Eine Woche Fukuoka und ein wenig das nördliche Kyushu erkunden, eine Woche Natur auf Shikoku und ein paar Tage buntes Treiben in Kyoto. Jeweils zwei Spiele pro Region – passt! Unterkünfte waren im Anschluss recht fix gefunden, entsprechende Bahn-Pässe gebucht und ein Mietwagen kam ebenfalls auf den Plan, der zwar in der Folge immer wieder leicht umgeworfen wurde, mit der Zeit aber klarere Konturen bekam. Zudem schien die Entscheidung, gegenüber dem Vorjahr einen Monat früher anzureisen, definitiv die richtige, muteten die Temperaturen Ende Mai/Anfang Juni doch beileibe nicht so tropisch an wie Mitte Juli.

So vergingen die Monate des neuen Jahres, das uns wenige Wochen vor Abflug aber so langsam vor ein anderes „Problem“ stellte: Das Abschneiden des eigenen Vereins. Klar hatten wir ein Auge bei der Buchung drauf, wann irgendwie das letztmögliche Spiel stattfinden würde. Dass es am Ende aber in die Relegation geht, und zwar in die um die Bundesliga, hätten wir aber nie für möglich gehalten. Somit lagen weniger als 40 Stunden zwischen Abpfiff in Elversberg am Montagabend und Aufbruch nach Japan am Mittwochnachmittag – knapper ging fast nicht. Daher waren die Schweißperlen der nervenaufreibenden Relegation auch noch nicht so recht getrocknet, während wir die Koffer zur nahen S-Bahn Station zogen, die Entspannung der weiten Reise fest im Blick. Doch daraus wurde erstmal, wie sollte es auch anders sein, nichts. Ein lahm gelegter S-Bahn-Tunnel ließ uns schlappe 30 Minuten am eigenen Bahnhof stehen, bevor es endlich rein nach Frankfurt ging – Nur um dort eine weitere halbe Stunde auf die nächste Bahn gen Flughafen zu warten. Die übliche Katastrophe, auf die ich an einem solchen Nachmittag gerne verzichtet hätte.

Doch der Wurm steckte auch im restlichen Abend. Mit der Skyline des Frankfurter Flughafens sollte es eigentlich zum nächsten Terminal gehen, doch ein in die Tür gestellter Fuß nahm die Bahn komplett aus dem Verkehr – defekt, wieder 20 Minuten weg. Dann schnell was Essen und mit recht wenig Zeit auf der Uhr rein in die Kontrollen… wo kommen auf einmal die Schlangen her? Und warum wird jedes Gepäckstück rausgezogen? Zum Kotzen. Von 3 Stunden(!) Puffer blieben am Ende 20 Minuten übrig. Ankunft am Gate, geschafft. Rein in den Flieger von ANA und es konnte losgehen – denkste! Wieder hieß es warten, was bei der knapp bemessenen Zeit bis zum Anschlussflug alles andere als beruhigende Gefühle während der nächsten 13 Stunden auslöste. Zwar nur eine halbe Stunde, doch bei Umstieg in Tokyo-Haneda kann man nie wissen.

Doch zumindest diese Stunden bis Fernost wurden zur dringend benötigten Ruhe und Entspannung genutzt. Für drei Stunden fiel ich gar in den Modus des Dösens – sehr nahe am persönlichen Rekord! Der Stadtflughafen der größten Metropole der Welt empfing uns schließlich am Donnerstagnachmittag, sollte für uns aber nur eine Station auf der Durchreise werden. Allerdings länger als es mir lieb wäre, denn das Problem in Japan ist die Tatsache, dass am ersten Ankunftsflughafen das gesamte Prozedere mit Einreise und Zoll ansteht. Hieß für uns: In den eigentlichen zwei Stunden, von denen aufgrund der Verspätung nur noch 90 Minuten übrig blieben, mussten wir einreisen, die Koffer abholen, wieder einchecken und erneut durch die Kontrollen.

Nach all dem Pech in Frankfurt setzte nun allerdings das Glück des japanischen Bodens ein. Denn es sollte alles klappen, und zwar in rekordverdächtigen 30 Minuten. Für die Immigration und die zollseitige Einreise machten wir uns QR-Codes vorab, die dank eigener Schlangen das Prozedere immens verkürzten. Und auch die Koffer kamen schnell und wurden ebenso fix am dafür vorgesehenen Schalter für nationale Weiterflüge wieder abgegeben. Die Kontrollen fürs Handgepäck überschritten die übliche Minute nicht, sodass wir am Ende gar noch Zeit für einen kleinen Happen am Gate hatten, ehe uns eine nochmal größere Maschine als vorher in gut eineinhalb Stunden nach Fukuoka verfrachtete.

Die Müdigkeit zehrte mittlerweile doch immens an den Reserven, doch kurz nach Landung gegen neun Uhr abends musste es erneut fix weiter gehen. Via Metro erreichten wir unsere Station in der Innenstadt Fukuokas, dank der top Lage des Flughafens, in wenigen Minuten, sodass wir gerade noch rechtzeitig vor der letztmöglichen Check-In Zeit um 10 Uhr unsere Bleibe südlich von Tenjin für die kommenden 8 Nächte erreichten. Danach ging es nochmal raus zum nahen 7-Eleven zwecks Auffüllen einiger notwendiger Vorräte, ehe uns der Hunger zu einem nahen Yoshinoya trieb, bevor der über 36 Stunden lange Tag endlich sein Ende fand.

Freitag war dann erstmal Ausschlafen angesagt, ehe uns der erste Weg in einen der beiden sehr nahe gelegenen 7-Eleven-Märkte führte. Echt an jeder Ecke die Dinger hier, zumindest in den Großstädten. Sonst war Freitag erstmal Akklimatisierung angesagt, sprich erste Besorgungen wie das Abholen der gebuchten JR-Pässe vom Bahnhof Hakata für die kommenden 7 Tage. Zwar mit knapp 160€ pro Nase nicht gerade billig, in einem teuren Bahnland wie Japan allerdings die günstigste Option, zumal in den meisten Fällen die abartig teuren Shinkansen inkludiert sind. Anschließend schlenderten wir ein wenig durch die Innenstadt, kauften hier und da bereits ein paar Mitbringsel, schlemmten in einem Kura nahe des Naka River ordentlich Sushi und durchschritten viele Straßen des geschäftigen Zentrums in Tenjin.

Schon nach einem Tag wussten wir, dass uns Fukuoka recht gut gefallen wird. Keine echten Sightseeing-Highlights (wüsste noch nicht mal, was als Symbol für die Großstadt herhalten sollte), dafür viel Leben in den hellen Gassen entlang des Naka und eine tolle Kulinarik. Dazu Leute, die nicht unbedingt genervt von ein paar Touristen aus dem Westen schienen. Da freuten wir uns echt auf die kommenden Tage, während wir abends durch die hell erleuchtenden Häuserschluchten gen Bleibe liefen. Und natürlich auf den folgenden Samstag, dem ersten Spieltag der knapp dreiwöchigen Reise.

Doch die Nacht endete leider recht früh. Sehr früh. Eine stark aufkommende Schniefnase gepaart mit dem erbarmungslos zuschlagenden Jetlag, wie ich ihn seit etlichen Jahren nicht mehr erlebte, ließ mich ab drei Uhr in der Früh den lauten Krähen beim Konzert über der Wohnung lauschen. Ab kurz nach Vier ging sowieso die Sonne auf und die Nacht war vorbei. Schöne Scheiße, und das bei einem langen Tag. Dennoch rafften uns die Gedanken an den vollen Plan zeitig auf, während eifrig Tempos in die Taschen und Pillen in den Rachen wanderten. Die komplette Rückrunde bei kaltem Wetter ohne laufende Nase rumgekriegt. Dann ein Tag hier und schon rafft es mich dahin…

Zu Fuß ging es, wie schon am Vortag, zum Hauptbahnhof Hakata, von wo aus die gut 75 Kilometer entfernte Stadt Kitakyushu angesteuert wurde. Natürlich stilecht mit dem Shinkansen, der für die Strecke lediglich 15 Minuten brauchte. Unbegrenzte Fahrten dank des JR-Passes, zumindest in der von uns gewählten Region bis einschließlich Okayama. Rechtfertigte dann doch den Anschaffungspreis, wenn man sich die Kosten für Einzelfahrttickets von bis zu 120€ für mittlere Distanzen vor Augen hält. Das bisschen Landschaft zwischen den endlosen Tunneln flog recht schnell an uns vorbei, ehe wir den Bahnhof Kokura im Zentrum der knappen Millionenstadt Kitakyushu erreichten. Eine Stadt, die unter aktuellem Namen überhaupt erst seit 1963 existiert, der sich übrigens recht einfallslos als Nord-Kyushu (Name der Insel) übersetzen lässt. Die alten Städte, die damals zu der neuen Großstadt fusionierten, existieren im Sprachgebrauch aber auch noch heute. So ziert der Name Kokura weiterhin den Namen des größten Bahnhofs und entspricht in etwa der heutigen Innenstadt.

Im Übrigen eine der wenigen Städte, die im zweiten Weltkrieg nicht den Bombenangriffen zum Opfer fielen. Allerdings aus einem mehr als glücklichen Grund. Denn eigentlich war Kokura samt seiner großen Rüstungsbetriebe für den Abwurf der zweiten Atombombe „Fat Man“ vorgesehen, der aufgrund schlechter Sichtbedingungen abgebrochen werden musste. Als Ausweichziel fiel am 9. August 1945 die Stadt Nagasaki der Bombe zum Opfer. Seitdem steht der Name Kokura in Japan für das Glück, von einem ungeahnten Unheil verschont zu bleiben. Als von Schwerindustrie geprägt zeigt sich ein Großteil der gigantischen Hafenanlagen allerdings noch heute, weshalb Kitakyushu nur selten als Reiseziel Erwähnung findet. Doch zumindest in der Innenstadt ließ es sich für einen halben Tag gut aushalten.

Via Monorail ging es zunächst zum recht bekannten Markt in Tanga, der mit zahlreichen Leckereien warb, ehe die Burg am Ufer des Murasaki River zumindest von Außen besichtigt wurde. Zurück in der überdachten Marktstraße Uomachi Gintengai fanden wir anschließend ein hervorragendes Gyoza-Restaurant, das mit seinen großen Portionen die hungrigen Bäuche am Mittag bestens zu füllen wusste, ehe noch ein paar Besorgungen für die anstehende Partie angegangen wurden. Mit zwei Taiyaki (mit süßen, roten Bohnen oder anderen Zutaten gefüllte Teigtaschen in Fischform) sowie kalten Getränken ging es per Pedes auf die nördlich des Bahnhofs gelegene Halbinsel Asano, an deren Ufer seit einigen Jahren die neue Spielstätte von Giravanz Kitakyushu thront.

Schick bereits der äußere Anblick der recht neuen und top in Schuss gehaltenen Bude, an deren Fuße die Kontrollen in gewohntem Umfang ohne Beanstandungen durchschritten wurden. Hier kannst du eben alles in ein Stadion mit rein nehmen, vom Schirm bei Regen bis hin zu kompletten Mahlzeiten in einem Rucksack. Da waren wir mit unserer kleinen Plastiktüte quasi ohne Gepäck unterwegs. Am Fanshop wanderte noch fix ein Schal in die eigene Sammlung, ehe wir den Oberrang der Haupttribüne bestiegen und uns zwei freie Plätze mit guter Sicht aussuchten. Kein schwieriges Unterfangen, denn so richtig viel los war auf den Rängen nicht. Sowieso so eine Sache, über die wir uns im Vorfeld Gedanken machten: Letztes Jahr fünf Mal erste Liga, darunter einige Derbys. Dieses Jahr ganze sechs Partien, insgesamt aber wahrscheinlich weniger Zuschauer als bei drei der fünf Einzelspiele aus dem Vorjahr, da insgesamt vier Drittligapartien den Weg in den Kalender fanden. Aber muss ja nichts schlechtes sein, zumal heute bereits die fehlenden Schlangen an den aufgrund voller Mägen ignorierten Verpflegungsständen positiv auffielen.

Gleiches gilt für das Stadion selbst: Trotz Neubau ein absolutes Brett, was man hier an die Kammon-Straße gezimmert hat! Bis auf die Gegengerade komplett doppelstöckig ausgebaut und überdacht, zudem nur wenige Meter vom Spielfeld entfernte Traversen im All-Seater, die genauso viel hermachten wie das astreine Panorama, das der ausgesparte Oberrang der Gegengerade ermöglicht. Wo hat man sonst einen solchen Ausblick auf das Meer, grüne Berge und große Schiffe, während man von einer Tribüne auf den Rasen schaut? Wir waren schwer beeindruckt. Eröffnet wurde die weltweit einzige Bude mit offiziellem Angelverbot und einer Kapazität von 15.066 Plätzen übrigens 2017 nach weniger als zwei Jahren Bauzeit und ersetzte dadurch das nur schwer erreichbare Honjō Athletic Stadium, das allerdings weiterhin existiert und ab und an bespielt wird.

Dort kickten die, 1947 unter dem damaligen Namen Mitsubishi Chemical SC gegründeten, Gelb-Roten bisher am erfolgreichsten, nachdem 2007 der Aufstieg in die JFL und zur Saison 2010 gar der erstmalige Aufstieg ins Unterhaus gelang, in dem man sich sieben Jahre hielt. Frisch im Unterhaus wurde zudem erneut der Vereinsname geändert, sodass aus „New Wave Kitakyushu“, den der Club zwischen 2001 und 2009 trug, schließlich Giravanz Kitakyushu wurde. Wie üblich entlehnte man sich dafür einer europäischen Sprache, dieses Mal dem Italienischen, um die Worte „Girasole“ (Sonnenblume; ein Symbol der Stadt) und „Avanzare“ (vorwärts) zu einem Neologismus zu vereinen. Nach dem Umzug ins neue Stadion war wieder dritte Liga angesagt, ehe in den Corona-Jahren 2020 und 21 zwei weitere Saisons im Unterhaus verbracht werden konnten. Seit 2022 hält man sich in der J3 (2023 ist man als abgeschlagener Letzter nur deshalb nicht abgestiegen, weil die beiden bestplatzierten Teams aus der JFL keine Lizenz erhielten) und kämpft in dieser Spielzeit im oberen Drittel um den Aufstieg.

Zählen kann die Mannschaft dabei auf ihre überraschend starke Südtribüne, deren Unterrang als Stimmungszentrum alle sangeslustigen Anhänger der Gelb-Roten vereint. Und das waren tatsächlich so einige. Unter Führung der Gruppe „Ultras Sunburst“ (die aus Gründen ihre zahlreichen Zaunfahnen an den äußersten Rand der Tribüne kleisterte) und mehreren Capos hallten bereits während der Aufwärmphase erste Melodien in Richtung Meerenge. Wie üblich wurde jeder der sich warmmachenden Akteure namentlich von der Kurve begrüßt, während einigen der verdienten Kickern eigene Lieder gewidmet wurden. Die Spieler-Verehrung ist hier eben auf einem ganz anderen Level. Schön zudem die Schalparade kurz vorm Einlaufen zur Vereinshymne in a cappella, in die beinahe das gesamte Stadion einstieg. Und Startschuss für eine Kurvenshow der kommenden neunzig Minuten, die nicht nur gut gefiel, sondern echt beeindruckte.

Ja, es war „nur“ die J3 und ja, knapp unter 5.000 Zuschauer ist für diese Klasse bereits ein fantastischer Schnitt, den vielleicht vier oder fünf der insgesamt 20 Vereine in der Saison erreichen. Doch wenn davon 1.500 bis 2.000 mitziehen, wird’s eben doch sehr stimmungsvoll. Und daher zählt Kitakyushu mit Sicherheit zum Kreis der besten Szenen der dritten Liga. Optisch untermalte die Kurve mittels gespannten Bändern ein wenig den südamerikanischen Einfluss, während die typischen Vertikalschwenker in der ersten Reihe aber auch nicht fehlen durften. Gleichzeitig kreiste eine ordentliche Anzahl größerer und kleinerer Schwenker im Zentrum der Kurve, die über weite Strecken ein farblich geschlossenes Bild abgab.

Das Highlight waren aber wiedermal die Gesänge. Diese Geschlossenheit, diese Melodien. Und Junge, diese unfassbar starken Trommelrhythmen, die jedes noch so bekannte Lied einfach zehn Mal geiler abgehen ließen als in heimischen Hemisphären. Da wippten die Füße unzählige Male mit, egal ob zu fetzigen Klassikern wie „Kernkraft 400“, „Bad Moon Rising“, „Heaven Is a Place on Earth“ und „We’re Not Gonna Take It“, aber auch zu anderen aus Südamerika entlehnten Melodien, die häufig mit den typischen Handbewegungen untermalt wurden. Genau auf sowas haben wir uns gefreut, genau wegen sowas waren wir hier. Dicker Daumen nach oben für die Kurve von Kitakyushu!

Und auch im Gästeblock ging etwas mehr als erwartet. Knapp 300 Gäste vom kleinen Club aus Miyazaki sind schon echt eine Hausnummer, wobei es sich für Tegevajaro bei lediglich 350 Kilometern einfacher Strecke (mindestens 5 Stunden, egal ob via Straße oder Schiene) um die zweitkürzeste Auswärtsfahrt der Saison handelte. Optisch wurde der Block zumindest oberhalb geschmückt, während auch hier ein paar große und kleine Schwenker wehten. Hörbar war der Haufen allerdings so gut wie nie, zumal sich etwas weniger als die Hälfte am durch viele Schlachtrufe geprägten Support beteiligte. Einzig das helle, metallische Klopfen eines mitgebrachten Instruments war fast durchweg zu hören und ging uns schon nach wenigen Minuten ordentlich auf den Zeiger.

Zumindest freuen durften sich die Gäste im Topspiel des 4. gegen den 5. als Erste, nachdem ein Schuss aus spitzem Winkel zu Beginn der zweiten Hälfte passte. Fast wäre es auch der Lucky Punch in einem qualitativ schwachen Spiel gewesen, doch die beständig anrennenden Hausherren erzielten in der 94. Minute den sensationellen Ausgleich. Echt Wahnsinn, was daraufhin auf den Tribünen abging, vor allem, wenn man sich die sonst so reserviert wirkenden Japaner im Alltag ansieht. Das war pure Freude, pure Ekstase, die sich mit dem Schlusspfiff nochmal steigerte. Ich sag’s gerne wieder: Eine echt starke Kurve haben die hier!

Kurze Zeit später legten sich Endorphine und Adrenalin auch bei uns wieder und machten Platz für die Erkältung, die nun in vollen Zügen Besitz meines Körpers ergriff. In anderen Worten: Mir ging es dreckig wie sonst was. Doch auf das Nachmittagsprogramm verzichten wollte ich auch nicht, denn wer weiß schon, wann wir in der Ecke nochmal aufschlagen würden. Also Kräfte bündeln und ab zum Bahnhof, von wo aus uns eine regionale Bahn zunächst nach Yahata brachte. Ziel war dort der Sarakurayama, der höchste Berg der Stadt, der ein grandioses 180-Grad-Panorama auf eben jene zu bieten hat. Dafür ging es zunächst mit einem kleinen Shuttle-Bus zur Talstation einer Standseilbahn, die uns, inklusive Umstieg nach etwa 90% der Strecke, bis ganz hinauf auf 622 Meter brachte.

Der kalte Wind zog uns ordentlich am Gemüt, doch die Aussicht auf die gesamte Küste der Stadt und das Umland waren sämtliche Qualen wert. Bei Nacht sicherlich nochmal eine Ecke schöner, doch die dafür nötige Wartezeit von knapp zwei Stunden wollten wir uns dann doch nicht mehr zutrauen. Mit phantastischen Bildern im Gepäck ging es daher wieder hinab und zurück zum Bahnhof Kokura, wo wir zwecks Abendessen nochmal fündig wurden, ehe uns ein nächtlicher Shinkansen in einer guten Viertelstunde zurück nach Fukuoka brachte.